Friedhof - Corona-Krise bringt veränderte Verordnung für Beerdigungen / Bestattungsinstitute stehen vor besonderen Herausforderungen / Nur noch maximal zehn Trauergäste zugelassen Wenn plötzlich die tröstende Umarmung fehlt

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Caroline Scholl
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Die neue Friedhofsordnung ist in den Informationskästen an den Eingängen ausgehängt – sie beschränkt die Trauergemeinde beispielsweise auf maximal zehn Personen. © scholl

Ketsch. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist zu jeder Zeit für die Angehörigen und Freunde traurig und schwer. Wie wertvoll sind in der Trauerarbeit der mitfühlende Händedruck oder die tröstende Umarmung als Zeichen der persönlichen Anteilnahme. Die aktuelle Corona-Krise verändert gerade in diesem Lebensbereich vieles. Kontaktverbote und Abstand sind die Gebote der Stunde, um die Weiterverbreitung des neuartigen Virus zu verhindern.

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Auch für Bestattungsunternehmen gibt es durch die Krise neue Auflagen und verschärfte Schutzmaßnahmen. „Wir sind verpflichtet, bei Todesfällen, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen könnten, in Schutzanzügen zu arbeiten, genauso wie wir es bei sonstigen Fällen, bei denen Ansteckungsgefahr droht, gewohnt sind. Das Ankleiden des Verstorbenen wäre in diesem Fall ebenfalls nicht gestattet und wir müssten besondere Kennzeichnungen anbringen, bevor der Verstorbene überführt wird“, berichtet Sylvia Seitz vom Bestattungsinstitut Seitz in Ketsch. Als die Corona-Krise begann, habe sie vorsorglich den Bestand an Schutzkleidung erhöht und sieht das Bestattungsinstitut nun als gut vorbereitet an.

Bisher gab es in der Enderlegemeinde noch keine Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Jedoch hat sich beim Ablauf der Trauerfeiern durch nun umzusetzende Auflagen vom 21. März einiges verändert. „Aktuell darf die Trauerhalle nicht genutzt werden und bei einer Beisetzung, die nun im Freien am Grab stattfindet, dürfen nur maximal zehn Personen anwesend sein. Ebenfalls gibt es keine Kondolenzlisten, denn der Schreibstift wäre jedes Mal zu desinfizieren, was nicht umsetzbar ist“, erklärt die erfahrene Inhaberin des Bestattungsinstitutes.

Familien zeigen Verständnis

Seit 2005 ist Seitz als eines von vier weiteren Bestattungsinstituten in der Gemeinde tätig. Die Gärtnerei und das Blumengeschäft sind schon seit Jahrzehnten im Ort etabliert. „Für mich ist die aktuelle Zeit sehr herausfordernd. Wir kennen zumeist die Familien, die uns im Trauerfall beauftragen – nun mit Abstand voreinander zu sitzen, eine Beileidsbekundung nicht mit einem Händedruck oder einer liebevollen Umarmung durchführen zu können, das tut mir persönlich oft sehr weh“, erklärt Sylvia Seitz nachdenklich.

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Die Trauernden hätten allerdings dafür viel Verständnis, obwohl es gerade für Ältere sehr schwer sei. „Die jüngeren Menschen finden sich in den neuen Richtlinien besser zurecht. Viele Ältere denken darüber nach, dass sicher mehr Personen gerne zur Trauerfeier gekommen wären, oder vermissen die Andachten in der Kirche. Die Pfarrer bieten hier an, die Andachten, wenn gewünscht, zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen“, führt sie aus.

Auch unter den momentan geltenden Bedingungen seien die Trauerfeiern auf dem Friedhof jedoch feierlich. „Was vorher in der Trauerhalle stattfand, findet nun eben im Freien statt. Nachrufe und musikalische Untermalungen sind genauso möglich, nun eben im kleineren Kreis“, ergänzt Seitz weiter.

Rund ums Grab wird abgesperrt

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Wenn eine Trauerfeier am Grab stattfindet, werde auch der Bereich um die Feier abgesperrt. Dies sei nötig, denn die Erfahrung zeigte, dass sich einige Friedhofsbesucher einfach zu Trauerfeiern dazustellten oder gar mit dem Fahrrad vorbeidrängeln. „Wir müssen natürlich gewährleisten, dass wirklich nicht mehr als zehn Personen anwesend sind und auch aus Respekt den Trauernden gegenüber ist diese Privatsphäre, die wir so schaffen, wichtig“, betont Seitz.

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„Wir sind nur durch die Entscheidungen der Kommune in der Lage, überhaupt aktuell Trauerfeiern durchzuführen, was positiv ist. In anderen Städten und Gemeinden ist dies nicht der Fall, dort müssen Beisetzungen auf spätere Zeitpunkte verschoben werden, wie ich gehört habe“, ergänzt Sylvia Seitz beim Gespräch mit unserer Zeitung.