Eilmeldung : BASF will in Ludwigshafen Impfzentrum für alle aufbauen

 Seelsorgeeinheit - Pfarrer Erwin Bertsch zum institutionellen Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch / Gottesdienste ohne reale Besucher aus Solidarität „Zu Recht hohe moralische Ansprüche“

Von 
Marco Montalbano
Lesedauer: 

Ketsch/Brühl. Bei der jüngsten Sitzung des Pfarrgemeinderats der katholischen Seelsorgeeinheit Brühl-Ketsch (wir berichteten) war einer von vielen Tagesordnungspunkten die Vorstellung des „Institutionellen Schutzkonzepts gegen sexuellen Missbrauch“ durch Pfarrer Erwin Bertsch und Dr. Oliver Brinkmann, Ratsmitglied, Präventionsbeauftragter und Strafrechtsexperte. Sie hielten zunächst fest: „Die Kirchengemeinde Brühl-Ketsch mit ihren Pfarreien, Gruppierungen, Verbänden, Diensten und Einrichtungen soll ein sicherer Ort sein für alle Gemeindemitglieder und der ihr anvertrauten Menschen.“

AdUnit urban-intext1

„Grenzachtender Umgang, Risikoanalyse zu räumlichen Gefahrenbereichen, offene Kommunikation in der Gemeinde – das sind wichtige Stichworte“, erläutert Pfarrer Erwin Bertsch und ergänzt: „Es ist ein sehr umfangreiches Konzept, das in der Sitzung einstimmig beschlossen wurde. Es geht nun an die Erzdiözese Freiburg und wird dem Bischof zur Genehmigung vorgelegt. Danach kann man das Konzept auf unserer Website finden und unter anderem im Schaukasten der Kirche, stets mit dem Hinweis, wo man die Vollversion finden kann. Flyer sind auch in Vorbereitung. Es soll die Menschen für die Thematik sensibilisieren.“

Keine Vorkommnisse bekannt

„Der Wunsch nach Präsenzgottesdiensten ist groß, auch bei mir“, sagt Pfarrer Erwin Bertsch – doch auf die Religionsfreiheit pochen möchte er nicht und lieber mit anderen Bereichen solidarisch sein. © Montalbano

Die kirchlichen Aktivitäten in Brühl und Ketsch seien umfangreich. Kein Wunder, dass ganze Heerscharen von Ehrenamtlichen hier aktiv seien, sagt Erwin Bertsch, denen er von Herzen danke. „Eine Kirchengemeinde lebt davon. Mir sind im Übrigen keine Vorkommnisse in Richtung Belästigung oder gar Missbrauch bekannt.“ Es sei allerdings oft schwierig, eine ausgewogene Mischung aus Nähe und Distanz zu finden. Das fange schon damit an, ob man in bestimmten Situationen des Beistands den Arm um einen anderen Menschen legen dürfe, erklärt der Geistliche.

„Das empfindet jeder anders. Aber bei uns bleiben bei Gesprächen, besonders mit Jüngeren, auf jeden Fall die Türen auf, aber so, dass andere außer Hörweite sind. Die Grenzen des anderen zu achten, ist hier selbstverständlich“, betont der Pfarrer. Auch müsse jeder Ehrenamtliche vor Tätigkeitsaufnahme schon jetzt eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen. Alle Hauptamtlichen, er eingeschlossen, würden sogar ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen.

„Gegenseitig Acht geben“

AdUnit urban-intext2

„Überall, wo Menschen zusammenkommen, müssen alle gegenseitig auf sich Acht geben. Ob in der katholischen Kirche, der evangelischen, staatlichen Kinderbetreuungseinrichtung oder anderswo, damit alle, besonders Kinder und Jugendliche, sich in einem sicheren Umfeld bewegen können.“

Wie wichtig seiner Kirche das Thema sei, eine offene Kommunikation, Transparenz und Sicherheit, würde daran deutlich, dass alle Seelsorgeeinheiten ein solches Konzept erstellen und publik machen müssten. „Wer nichts vorlegt, bekommt nichts mehr von der Erzdiözese genehmigt – gar nichts“, stellt Erwin Bertsch klar und ergänzt: „Die Menschen stellen zu Recht besonders hohe moralische Ansprüche an uns, aber wenn es um die Sicherheit der Schwächsten geht, müssen die Menschen in allen Bereichen und Organisationen sensibilisiert werden.“

„Auch wenn es mich schmerzt“

AdUnit urban-intext3

„Fast alles ist zu, die Menschen dürfen nicht ins Theater gehen, sollen dann aber in die Kirche? Auch wenn es mich schmerzt, aber allein schon aus Solidarität finden derzeit keine Präsenzgottesdienste statt, auch wenn der Wunsch danach groß ist. Wir könnten natürlich auf die Religionsfreiheit pochen und trotzdem Messen stattfinden lassen, sind aber lieber solidarisch“ betont der Geistliche.

AdUnit urban-intext4

„Es ist schon etwas merkwürdig. Da stehe ich am Altar vor einer Kamera und es sind höchstens noch zwei Leute dabei, von denen einer filmt. So richtig Gottesdienst ist das ohne physisch präsente Gläubige nicht, aber wir sind auch nicht fixiert.“ Inzwischen würde die Zustimmung aber wachsen. „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr wenigstens unser großes Pfarrfest am ersten Juliwochenende feiern können. Natürlich nur, wenn es die Situation zulässt. Da müssen wir rechtzeitig eine Entscheidung fällen, sonst ist das organisatorisch nicht mehr machbar“, erkärt Pfarrer Erwin Bertsch nachdenklich.

Mehr zum Thema

Seelsorgeeinheit Gottesdienste laufen bis Ende des Monats online

Veröffentlicht
Von
mf/ras
Mehr erfahren

Katholische Gemeinde Wie kann Kirche im Lockdown für Menschen da sein?

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren

Katholische Kirchengemeinde Ziehen dunkle Wolken über Berthildis auf?

Veröffentlicht
Von
Ralf Strauch
Mehr erfahren

Ketsch Engel sind auch bei merkwürdigem Weihnachten da

Veröffentlicht
Von
Marco Brückl
Mehr erfahren

Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Rhein-Neckar. Davor Pressereferent bis zum Wechsel auf die „andere Seite“. Studium der Politikwissenschaft. In Vergangenheit lange als Texter für die Wirtschaft tätig. Mitglied der Autorengruppe Literatur Offensive Heidelberg.