Brauchtumspflege und Traditionen

Zuckerschachteln in Ketsch: Warum nicht auch zum Hochzeitstag?

Die Zuckerschachteln unserer Leser haben mitunter 70 Jahre auf dem Buckel, die nicht nur zum Jahreswechsel liebevolle Dienste leisten. Hier können Sie einige der Schmuckstücke bestaunen.

Von 
Marco Brückl
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Diese Zuckerschachtel aus Kindheitstagen ist mindestens 65 Jahre alt. © Montag

Ketsch. Die Ketscher haben es gut, denn sie haben ihre Zuckerschachteln – und damit lässt sich ein lieber, süßer sowie schicker Gruß zum neuen Jahr überreichen. Daran kann man sich gewöhnen.

Und tatsächlich ist das so – seit über acht Jahrzehnten gibt es in Ketsch das Brauchtum (wir berichteten), dass ein Kind von seiner Patentante, der Gedl, eine Zuckerschachtel zum neuen Jahr bekommt. Dies ist eine kleine Spanschachtel (früher in Pink oder Blau), verziert mit einem Rosenbild oder dergleichen. Die Schachtel wird jedes Jahr vor Neujahr an die Patentante ausgehändigt, damit sie die Chance hat, das Schächtelein einmal mehr mit süßen Leckereien aufzufüllen. Und zu Neujahr, wenn die Kinder der Patentante bestenfalls einen Neujahrsgruß übermitteln, gibt es dann die gefüllte Zuckerschachtel zurück.

Vor 70 Jahren hat die Oma von der Patentante die Zuckerschachtel bekommen. Es waren Süßigkeiten drin. © Pristl

Bei unserer Berichterstattung über die Brauchtumspflege noch im alten Jahr haben wir darauf verwiesen, dass es die Zuckerschachteln bis in die 1970er Jahre bei Helene Schmidt im Kiosk in der Schwetzinger Straße gegeben hat. Andrea Lemberger war es dann, die die Tradition bewahrte und im Kiosk Schmeisser Ketscher Zuckerschachteln im Angebot hatte. Mehr als 30 Jahre war dies der Fall, ehe Dirk Berger das Kiosk mitten in der Enderlegemeinde übernahm – und auch unter seiner Ägide gibt es weiterhin Zuckerschachteln in den unterschiedlichsten Farben.

Vor 70 Jahren für die Oma

Wir wollten wissen, wer noch ältere Schachteln in seinem Besitz hat. Und zu den ältesten Ketscher Zuckerschachteln, von denen wir ein Bild erhielten, gehört jene, auf die Sandra Pristl hinweist: „Vor 70 Jahren hat unsere Oma von der Patentante die Zuckerschachtel bekommen. Es waren Süßigkeiten drin“, teilt sie uns mit. Die Zuckerschachtel ist schön gestaltet und mit einer Schneelandschaft verziert.

anbei ein Foto unserer Zuckerschachtel die schon mindestens 30 Jahre alt ist. Bild: Berger © Berger

Die schmucke Zuckerschachtel von Claus Berger ist mindestens 30 Jahre alt und ist in Altlußheim daheim.

Ein Behältnis für Süßes aus Kindheitstagen (Bild ganz oben) ist auf jeden Fall 65 Jahre alt, wenn nicht noch älter, informiert uns eine 74-jährige Dame aus Ketsch – und die Schachtel leistet nach wie vor wertvolle Dienste, denn für die Enkelkinder wird sie bis heute noch regelmäßig befüllt.

Es war indes nicht schwer, sich in die Schachtel von Walter Bauer zu verlieben. „Ich habe diese Dose (gefüllt) zum Hochzeitstag von meiner Frau bekommen. Es dürfte im Jahr 1999 gewesen sein“, schreibt er uns.

Der Schreiber dieser Zeilen überlegt nun, seiner Frau eine ganz ähnliche Zuckerschachtel zum Hochzeitstag zu überreichen. Aber wann war der gleich noch mal – an Neujahr jedenfalls nicht?

Redaktion

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