Renaturierung - Staatssekretär Baumann lobt vitales Gewässer Befreiter Bach schafft Raum für Artenvielfalt

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Andreas Wühler
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Staatssekretär Andre Baumann (r.) beim Besuch am Kriegbach, zu dem ihn Peter Schneider (5. v. r., weißes Hemd) begrüßt. © Lenhardt

Alt-/Neulußheim. Leise plätschert das Wasser, Insekten summen in der flirrenden Hitze und im kühlen Nass tummeln sich die Fische – der Kriegbach nördlich des Hochwasserschutzdamms, zwischen Fischerheim in Neulußheim und Beginn des Bärlachs auf Altlußheimer Seite ist ein wahres Naturparadies. Vor über fünf Jahren sah es hier noch anders aus, der Bach floss eingezwängt in ein starres Korsett dem Rhein entgegen, die Fröhlichkeit eines Abwasserkanals verströmend.

Neulußheim Lebensraum Kriegbach

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Dass die Renaturierung in diesem Bereich mittlerweile reichhaltige Früchte trägt, davon überzeugte sich Staatssekretär Andre Baumann vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft bei seiner Sommertour, die unter der Überschrift „Vitale Gewässer“ stand. Peter Schneider, Technischer Direktor beim Landesbetrieb Gewässer aus Karlsruhe, hieß Baumann, den Landtagsabgeordneten der Grünen, Manfred Kern, Dr. Sybille und Uwe Heidenreich, Thomas Kuppinger sowie Dieter Rösch vom Bund und Vertreter des Landesbetriebs für Gewässerschutz am Fischerheim am Eichelgartensee willkommen, von wo aus eine kleine Exkursion längs der Hochwasserschutzdamms in westliche Richtung startete.

Von trostlos zum Naturparadies

Schneider erinnerte an den trostlosen Anblick von vor fünf Jahren, als ein monotoner Bachverlauf weniger einladend wirkte und verglich diesen Zustand mit dem Ist-Zustand, der einen Naturzustand mit Inseln, Auen und viel Natur abbildet. Um zu zeigen, wie sich die Natur die 1000 Meter Bachverlauf zurückgeholt hat, hatte er Planer Hartwig Theobald eingeladen, der die Renaturierung mit seinem Institut federführend begleitete. Schneider sprach von einem gelungenen Spagat zwischen Hochwasserschutz und ökologischen Anforderungen, der im zweiten Teil der Visite nochmals Thema war, als es um das Pilotprojekt Rheindamm ging.

Wie Baumann betonte, hat das Land mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die einen „guten ökologischen Zustand“ der Gewässer vorschreibt, ein gutes Instrument in der Hand, den Bächen und Flüssen im Land ihren über die Jahrhunderte und Jahrzehnte natürlichen Zustand zurückzugeben.

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Wie dies in der Praxis gelingt, darüber soll die Sommertour informieren, die Baumann auch unter dem Aspekt „Gutes tun und darüber reden“ sieht. Zum einen kann dem Steuerzahler gezeigt werden, wie seine Mittel sinnvoll angewendet werden, zum anderen kann er für die Belange der Natur sensibilisiert werden.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass seinem Ministerium von der Landesregierung ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden – „andere Bundesländer blicken neidisch auf uns“. Mittel, die es unter anderem erlauben, Maßnahmen von Kommunen, die dem Gewässerschutz dienen, mit bis zu 85 Prozent der Kosten zu bezuschussen.

Wichtige Rückzugsgebiete

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Auf dem Weg längst des Damms war schön zu beobachten, wie sich Fische, Insekten und Pflanzen den Lebensraum zurückerobert haben, wie das Totholz mittlerweile Insektenhotel ist und aus fingerdicken Weidenstämmchen stattliche Bäume wurden. Prachtlibellen surren über dem Magerrasen, der auf der Landseite des Damms, in südlicher Richtung noch mehr als halbtrockener Lebensraum angelegt ist. Ein Boden ideal beispielsweise für Orchideen und Gräser und damit ein El Dorado für Wildbienen. Zugleich, merkte Baumann an, sind die Magerrasen auch eine Antwort auf den Klimawandel.

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Rainer Ell vom Landesbetrieb Gewässer stellte zusammen mit Dr. Volker Späth vom Institut für Landschaftsökologie das Pilotprojekt „Lebensader Oberrhein“ vor, genauer gesagt, wie es gelingt, bei der Pflege des Damms mit modernsten Mitteln und einem ausgeklügelten Plan die Feucht- durch Magerwiesen zu verdrängen und damit die Artenvielfalt um ein Vielfaches zu erhöhen.

Ein interessanter Ansatz, wie Baumann findet. Überhaupt ist der Rheindamm mit seinen beiderseitig rund 1000 Kilometern Länge ideal für Renaturierungsmaßnahmen in Kooperation mit Hessen und der Pfalz. Eine ähnliche Fläche eröffnet ihm die Zusammenarbeit mit den Verkehrsministerium – rund 19 000 Hektar Verkehrsbegleitgrün lassen viel Spielraum für die Schaffung von Rückzugsgebieten von Fauna und Flora. Und hier lässt sich die ökologische Pflege mit ökonomischen Bedingungen vereinbaren, sieht Baumann im Bereich der Gewässer wichtige Stützpunkte für die Rückgewinnung der Natur.

Thomas Kuppinger vom BUND möchte noch einen Schritt weitergehen. Er regte an, dem Kriegbach auch im östlichen Verlauf, im Kirrlacher Wald, sein natürliches Bett zurückzugeben.

Info: Bilder vom Kriegbach unter www.Schwetzinger-zeitung.de

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