Im Porträt - Antje Söhner (Freie Wähler) rückt für Günther Pöschel in den Gemeinderat nach / Einzige Frau in der Fraktion / Musikgarten sowie Familien liegen ihr am Herzen „Ich möchte zuhören und nahbar sein“

Von 
Vanessa Schwierz
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Neulußheim. An der Grillhütte geht es die Stufen Richtung Kriegbach runter, über die Brücke drüber und auf den Weg entlang des Eichelgartensees hinaus auf die Felder hinter Neulußheim. Eine Strecke, ein Gebiet, das Antje Söhner mehr als bekannt ist. Regelmäßig ist sie auf diesen Wegen mit Hund „Eddie“ unterwegs. Sie trifft Menschen, die sie kennt, aber auch Unbekannte, führt Gespräche und hat ein offenes Ohr für die Mitmenschen.

Antje Söhner an ihrem Lieblingsplatz in Neulußheim – dem Bereich am Kriegbach und dem Eichelgartensee. Dort geht sie täglich mit Hund „Eddie“ spazieren. © Lenhardt
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Seit Dezember 2020 ist die 41-Jährige Mitglied des Gemeinderats. Sie rückte für Günther Pöschel nach und verstärkt die fünfköpfige Fraktion der Freien Wähler – in der sie die einzige Frau ist und „für frischen Wind sorgen“ will. Dies macht sich auch im Bereich der Themen bemerkbar, denn als dreifache Mutter liegen ihr vor allem Kinder und Jugendliche sehr am Herzen. Zu Eltern und Familien, Großeltern und Kindern sowie zu Vereinen hat sie einen engen Draht und „weiß natürlich, wo der Schuh drückt“. Gerade die Corona-Pandemie stelle viele Menschen vor Herausforderungen. „Ich finde mich in allem wieder. Auch ich mache mir mit meinen drei Kindern Sorgen um die schulische Bildung“, betont Söhner, dass allgemein Sorge um Kinder bestehe.

Zur Person: Antje Söhner

Antje Söhner ist am 6. Februar 1979 in Lutherstadt Eisleben geboren. Sie ist in Hockenheim aufgewachsen und lebt seit 17 Jahren in Neulußheim.

Sie ist verheiratet und hat drei Kinder (16, 15 und 12 Jahre).

Söhner machte ein psychotherapeutisches Studium, bevor sie von 2016 bis 2017 eine Ausbildung zur systemischen Sexualtherapie bei Prof. Dr. Ulrich Clement und Dr. Angelika Eck am Institut für Sexualtherapie (IGST) Heidelberg absolvierte.

Sie ist Inhaberin einer Praxis für systemische Sexualtherapie in Mannheim.

Freiberuflich ist sie Inhaberin des Musikgartens in Neulußheim und Hockenheim.

Söhner rückte für Günther Pöschel (gewählt mit 1569 Stimmen) in den Gemeinderat nach. Ihre erste Sitzung war Mitte Dezember.

Bei der Kommunalwahl 2019 hat Söhner 844 Stimmen bekommen.

Sie ist Mitglied im Verwaltungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Wirtschaftsausschuss. vas

Zeit mit und für Familien bringt Antje Söhner beim Musikgarten auf, den sie gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter gegründet hat. An zwei Tagen die Woche singt sie mit und für Kinder – Corona-bedingt muss dies aber aktuell pausieren. „Das ist traurig, aber man darf die Gesellschaft im Ganzen nicht vergessen“, macht sie klar, dass für sie auch Bildung und Förderung dabei im Fokus steht.

Als Sprachrohr fungieren

In ihrer neuen Funktion als Gemeinderätin will die 41-Jährige vor allem als Sprachrohr fungieren zwischen der Gemeinde und der jüngeren und älteren Gesellschaft. „Ich möchte zuhören, nahbar sein, nah an den Menschen. Ich bin offen für das Menschliche“, sagt sie, dass auch ihre Familie sehr vielfältig ist und sie bei allem mittendrin ist. Daher ist es ihr auch wichtig zu schauen, was Kinder brauchen und wie ihnen Freizeit ermöglicht werden kann. Zudem weiß sie von Menschen, dass diese nicht auf die Gemeinde, den Bürgermeister zugehen möchten. Wenn Unzufriedenheit oder Unruhen herrschen, dann hat sie ein offenes Ohr für diejenigen und „ Zugang zu den Menschen“.

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Das Zusammenkommen sei ein Thema, das Antje Söhner in der Gemeinde fehle. Es müsse mehr ein Miteinander geben. So entstand auch ihre Idee des Cupcake-Festes des Freien Wähler. „Kuchen isst man bis ins hohe Alter und Cupcakes sind das Trendessen der Jungen“, beschreibt sie, dass sie auf diese Art und Weise die Generationen zusammenbringen wollte. Daher sei es ihr auch wichtig, solche Projekte öfter umzusetzen.

Bereits 2014 kandidierte die Musikgartenpädagogin auf Listenplatz 17 für den Neulußheimer Gemeinderat. Da war sie erst ganz frisch bei den Freien Wählern. Fünf Jahre später war die Entscheidung klar, wieder zu kandidieren. Sie scheiterte, wurde am Ende Sechste und damit erste Nachrückerin in der Fraktion. Dass sie in dieser Amtszeit doch noch am Ratstisch Platz nehmen wird, war für die dreifache Mutter eine Überraschung, die sie vom Fraktionsvorsitzenden Sven Nitsche telefonisch mitgeteilt bekam. „Ich möchte die Herren ein bisschen aufmischen und auch frauliche Themen mehr einbringen“, sagt sie, dass sie für frischen Wind in der FW-Fraktion sorgen und die Seite der Mütter unterstützten möchte. Zudem schauen Frauen und Männer unterschiedlich auf gewisse Themen, „so kann ich vielleicht auch meine ganz eigene Position einnehmen“. Zudem liebt Söhner Herausforderungen und mag Veränderungen, wie sie im Gespräch zugibt. So suche sie immer nach Veränderungen und versucht daher, mit der Zeit zu gehen und „Würze in die Fraktion zu bringen“. Vorteile ziehe sie dadurch auch durch ihre Kinder, die im Teenageralter sind, da sie so auch immer up to date bleibe.

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Alles, was mit Mensch, Tier und Umwelt zu tun hat, dafür ist die 41-Jährige offen, fühlt sich damit verbunden. Außerdem achtet sie auf Nachhaltigkeit. „Ich backe Brot, mache Joghurt selbst und habe einen eigenen Nutzgarten“, nennt Antje Söhner Beispiele, wie wichtig ihr die Umwelt ist. Doch die Grünen als Partei kamen für die Kommunalpolitik nicht in Frage. Söhner möchte sich breiter aufstellen, sich im Denken nicht eingrenzen lassen – „ich finde mich in vielen Parteien wieder.“

Schule und Kinderbetreuung

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Auch in der Vergangenheit beobachtete Antje Söhner die Arbeit des Gemeinderats und die politischen Themen in Neulußheim. „Als Mutter hat mich natürlich schon immer das Thema Kinderbetreuung und Schule interessiert und ich kann mich noch gut an die Diskussionen um die Zukunft der Lußhardtschule vor einigen Jahren erinnern. Die Grundschule war ja schon immer mehrzügig, da Neulußheim schon seit Jahren aufgrund seiner guten Infrastruktur, seiner mehrschichtigen Verkehrsanbindung und seiner liebenswerten Atmosphäre zum Wohnen und Leben bei jungen Familien als Wohnstandort attraktiv war“, erklärt Söhner.

Auch für die weiterführenden Schulen habe es schon damals ein großes Angebot im näheren Umkreis gegeben. In Neulußheim waren so wenig Schüler, dass gemeinsam mit Reilingen eine Werkrealschule betrieben wurde. Warum plötzlich wenig? Schüler wanderten nach Hockenheim und Schwetzingen auf die Gymnasien ab – blieben also nicht an der Schule im Heimatort. „Die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule hätte unheimlich viel Geld gekostet, und nach vielen Besichtigungen, Beratungen und Gesprächen haben die Freien Wähler zusammen mit der CDU damals dafür gekämpft, dass sich Neulußheim, wie bereits vorher auch Altlußheim, von der Tradition einer weiterführenden Schule löst und auf eine dafür umso besser ausgestattete Grundschule setzt“, macht Söhner klar und erklärt, dass es dafür viel Kritik und Anfeindungen gegeben habe.

Jede Einrichtung lebe zudem maßgeblich mit den Menschen, die dort tätig sind, und da sei die Lußhardtschule gut aufgestellt, wie Söhner sagt und hinzufügt: „Die Rahmenbedingungen, die man politisch für diese Schule damit ermöglicht hat, bestätigt diese Entscheidung von damals jedes Jahrs aufs Neue.“ Mit der Erweiterung um den Hort und die Kleinkindbetreuung, sagt Söhner, hätten Kinder diese Einrichtung in positiver Erinnerung und sehr gute Möglichkeiten zum Lernen und Entwickeln der eigenen Persönlichkeit.

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen