Klingelstreiche neu interpretiert

Von 
Renate Hettwer
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Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie mit ihren Jugendfreunden Klingelstreiche gemacht haben? An einem Haus oder noch besser einem Wohnblock geklingelt haben, dann kichernd stiften gegangen sind und sich in sicherer Entfernung darüber gefreut haben, wenn die Bewohner sich erst einmal vergebens umgeschaut und dann wie die Rohrspatzen geschimpft haben? Erinnern Sie sich, ja? Ist ja schon lange her. Hat aber Spaß gemacht, wenn man nicht erwischt wurde.

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Über die Weihnachtszeit wurde ich ein paar Mal daran erinnert. Nicht, dass die Besucher nach dem Klingeln stiften gegangen wären. Aber wegen der Coronapandemie hielten sie Abstand und der Geschenkeaustausch fand an der Haustür statt. Hatte man im Vorjahr noch bei einer Tasse Kaffee oder Tee im warmen Haus geplaudert, so stand man sich im vergangenen mit Abstand vor der Tür gegenüber und hat sich dort ein vor allem gesundes und hoffentlich coronafreies 2021 gewünscht. Die Bitte, doch kurz hereinzukommen wurde verständlicherweise abgelehnt. Achtsamkeit eben.

In diesen von Abstand geprägten Tagen und Wochen würde sich so mancher Ältere über ein Klingeln an der Haustür freuen. Versuchen Sie es doch einmal und fragen den Nachbarn, ob er Hilfe benötigt oder Sie wünschen – natürlich mit Abstand – einfach einen guten Tag und bieten gegebenenfalls ihre Hilfe an. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich dadurch ungeahnte nette nachbarschaftliche Verbindungen.

Apropos: Ein kleines Geschenk fand ich zum Jahresende im Briefkasten, kein Absender, kein Kärtchen. Geklingelt hatte niemand. Schade.

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