Nicht vom Weg abkommen

Von 
Renate Hettwer
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Kennen Sie Umleitungen? Kein Problem, sagen Sie, es gibt ja Schilder, die einem den Weg zeigen. Persönlich folge ich eigentlich Umleitungen, wenn ich mit meinem Auto in Gegenden bin, die ich nicht kenne.

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Nachdem meine Familie und ich einmal im Urlaub einer Umleitung von mehreren Kilometern gefolgt sind und anschließend feststellen mussten, dass wir, wenn wir nur minimal davon abgewichen wären, eine Menge Zeit hätten sparen können und noch die Fähre erreicht hätten, denke ich darüber etwas anders.

Neulich fuhr ich nach Schwetzingen zum Finanzamt. Da hatte ich noch keine Ahnung von den Umleitungen, die mich da mehrfach erwarteten. Um meinen dicken Umschlag einzuwerfen, brauchte ich noch nicht einmal aussteigen, super, ein Drive-in-Postkasten. Dann das erste Umleitungsschild. Rechts rum ging nicht, da wurde gebuddelt. Wie gut, dass ich mich etwas auskenne – dachte ich. Warum der Umleitung folgen? Rechts rum, geradeaus, rechts rum – mhh – früher ging das. Hübsche, ruhige Straßen, imposante Gebäude, kannte ich nicht. Nachdem ich zweimal am Bahnhof vorbeigekommen war, der Entschluss: „Folge endlich dem gelben Umleitungsschild.“ Richtung Heidelberg, am Bellamar vorbei, war ich wieder in der Spur. Neue Eindrücke gewonnen. Schwetzingen war schön.

Schlimmer ging es mir in meinem Nachbarort. Anstatt nach dem Eierkauf den bisherigen Weg zu fahren, verfuhr ich mich in den verzweigten Straßen. Ich wollte nur mal sehen, wie sich das Gebiet entwickelt hatte. Jemanden fragen, wie ich hier wieder auf die Hauptstraße komme? „Entschuldigung, ich bin nicht von hier“ (stimmte ja) – nein, zu peinlich. Wenigstens anhalten konnte ich hier. Hilfe leistete mein Smartphone: Google Maps, Zielort eingegeben und schwupps führte mich die Stimme auf den rechten Weg. Hoffentlich hat sich Google nicht gewundert, die wohl kürzeste Route an diesem Tag angesagt zu haben. Wirklich: Altlußheim war auch schön.

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Freie Autorin