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Fluthilfe

Sport vereint: Fußballer helfen Fußballern

Der SC Olympia Neulußheim nutzt seine Altpapiersammlung, um Geld für Fluthilfe-Spendenaktion dieser Zeitung zu sammeln. Der Vorsitzende  Jürgen Saam verdoppelt den Betrag, der nun an zwei Fußballvereine in Sinzig geht.

Von 
Katja Bauroth
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Silvia Mühl ist die Vorsitzende des SC Rhein-Ahr Sinzig 1910. Sie steht hier im zerstörten Stadion, welches sich die Kicker mit dem Turnverein teilen, und erzählt, dass gerade eine neue Tartanbahn bewilligt wurde. © Bauroth (5), Lenhardt (1), SON (1)

Neulußheim/Sinzig. Eigentlich braucht der SC Olympia Neulußheim (SON) selbst jeden Euro in seiner Vereinskasse, gerade für die Jugendarbeit und den Breitensport. Doch die Flutkatastrophe im Ahrtal und das Schicksal unzähliger Menschen dort hat die Neulußheimer so sehr bewegt, dass sie eine Aktion für den von unserer Zeitung initiierten Spendenaufruf für die Stadt Sinzig gestartet haben. Tolle 2000 Euro überwies der Sportclub auf das Spendenkonto – ein dickes Dankeschön hierfür!

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Ein Teil des Betrags kam über eine Altpapiersammlung in die Kasse. Fünf prall gefüllte Container konnten zwölf Aktive, Jugendliche und Vorstandsmitglieder abgeben. Die Sammlung brachte 512 Euro und in die Spendenkasse wurden zusätzlich 525 Euro gesteckt. Dies stockte der SON-Vorsitzende, Jürgen Saam (kleines Bild), aus eigener Tasche auf 2000 Euro auf. Und er hatte einen Wunsch: „Ich weiß, wie das ist, wenn man als kleiner Verein Klinken putzen muss, damit Geld in die Kassen kommt. Könnt ihr dafür sorgen, dass dieses Geld an solch kleine Fußballvereine in Sinzig geht?“

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Können wir. Mit dem Beigeordneten von Sinzig, Roland Janik, der in der Kommission für die Verteilung der Spenden sitzt, wurde vereinbart, das je 1000 Euro an den SC Rhein-Ahr Sinzig und den SC Bad Bodendorf gehen. Diese beiden Fußballclubs wurden schwer vom Hochwasser Mitte Juli getroffen – nicht nur finanziell. Der SC Bad Bodendorf betrauert Menschenleben. Unter den zwölf in der Flut zu Tode gekommenen Bewohnern des Lebenshilfehauses in Sinzig waren Aktive der Inklusionsmannschaft.

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Lutz Baumann ist der Vorsitzende des SC Bad Bodendorf. Er erwartet mich bei meinem zweiten Besuch vier Wochen nach der Katastrophe auf dem Sportgelände des Vereins. Das Wasser ist weg, die Ahr fließt linksseitig wieder brav in ihrem Flussbett. Der Zaun links- und rechtsseitig ist zerstört, die Torpfosten zerknautscht, als sei ein Panzer drübergerollt. Der Parkplatz hat sich in eine Schlamm- und Erddeponie verwandelt. 2,5 Tonnen wurden allein vom großen Aschesportplatz abgetragen. „Wir haben schnell gehandelt, weil wir dachten: Wenn der Schlamm liegenbleibt, sickern Schadstoffe noch tiefer in den Boden“, verdeutlicht Lutz Baumann. Der Schaden ist auch so enorm, geht weit in die Hunderttausende. Zumal der Verein mit städtischer Unterstützung gerade begonnen hatte, einen Kunstrasenplatz zu installieren. Kurios: Der Zaun auf der hinteren Arealseite steht noch. Das Wäldchen dahinter muss hier wie ein Schutzwall gegen das Wasser gewirkt haben. Auf dem Kleinfeld steht das Gras Zeigefingerhoch. Der noch darunterliegende Schlamm scheint das Wachstum zu beschleunigen. Löcher sind auszumachen, aus denen Bodenproben entnommen wurden. „Wir müssen auf die Ergebnisse warten, vorher können wir hier nicht weitermachen“, ist Lutz Baumann anzumerken, dass er sich seitens der Stadt ausgebremst fühlt. Denn er hätte gern so schnell wie möglich ein Stück Normalität zurück, vor allem für Betroffene. Beim Sport, beim Kicken, kann man abschalten und die Alltagssorgen zumindest für ein paar Stunden vergessen, weiß er.

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Der SC Bad Bodendorf zählt um die 500 Mitglieder, hat von Bambini bis Alte Herren (AH) alle Altersgruppen. Die erste Seniorenmannschaft spielt auf Kreisebene in der zweithöchsten Klasse (bei uns B-Klasse) und hatte zuletzt um den Aufstieg mitgekämpft. Im Vereinsheim wurde es gern gesellig. Jetzt steht es vor dem Abriss. Dabei entstand der Bau erst 2005. Das vorherige Gebäude brannte aufgrund einer defekten Heizung nieder. „Im Frühjahr haben wir die Garage als Unterstellmöglichkeit gebaut – die können wir jetzt auch wieder abreißen“, zeigt der Vereinsvorsitzende noch ein Nebengebäude, in dem schlammverschmierte Heizpilze, Biertischgarnituren und ein Grill stehen. Symbolträchtig: An der Tür lehnt ein Sandsack. „Die zu füllen hätten wir uns sparen können“, kommentiert er in Bezug auf die Flutnacht und ihre Folgen.

Aufräumaktion am Samstag

Wenige Kilometer flussabwärts treffe ich Silvia Mühl. Sie ist die Vorsitzende des SC Rhein-Ahr Sinzig, der etwa 200 Mitglieder zählt. Die Fußballer teilen sich mit dem Turnverein 08 im Kernstadtgebiet das Stadion. Viel ist davon allerdings nicht mehr zu erkennen. Das Wasser hat auch hier ganze Arbeit geleistet. Masten sind abgeknickt, Geländer aus der Verankerung gerissen und weggespült worden. Bei meinem ersten Besuch lag hier noch ein Auto mitten auf dem Platz, das ist mittlerweile abgeschleppt worden. Zwischen herumliegendem Unrat ist ein zerbeultes Fahrrad auszumachen. Tartanbelag liegt in Fetzen verteilt herum. Getrockneter Schlamm bedeckt den Boden. Vereinsheim und der Kiosk, den die AH betrieben haben, sind ebenfalls abrissreif. Da kann man fast von Glück reden, dass die neu bewilligte Tartanlaufbahn noch nicht verlegt wurde. Es habe einige Stadtratssitzungen gebraucht, bis diese genehmigt war, erzählt Silvia Mühl. Ihr Verein und die Turner starteten am gestrigen Samstag eine großangelegte Aufräumaktion auf dem Gelände, das auch für den Schulsport da ist. Sie hofft wie ihr Kollege Lutz Baumann auf eine schnelle Rückkehr zu einer sportlichen Normalität – das braucht nicht nur der Körper, sondern vor allem die Seele der Menschen.

Einfach wird das nicht in Anbetracht der Schäden, die auch hier in die Hunderttausende gehen. Sowohl Lutz Baumann als auch Silvia Mühl sind deshalb überglücklich, als sie von der Spende aus der Kurpfalz hören und danken den Neulußheimern. Denn: Jeder Euro hilft!

Spenden für Sinzig

Unsere Zeitung hat gemeinsam mit den Städten und Gemeinden unseres Einzugsgebietes eine Hilfsaktion für Sinzig gestartet. Das Geld geht direkt an die von der Flut betroffenen Menschen in Sinzig im Ahrtal. 18 Menschen kamen in dem Hochwasser Mitte Juli dort ums Leben, 650 Haushalte wurden schwer getroffen, teilweise haben die Bürger alles verloren. Ein Dankeschön daher an alle Spender – jeder Euro zählt!

Spenden können auf diese Konten (oder via QR-Code unten) überwiesen werden: Stichwort „Fluthilfe 2021“: Sparkasse Heidelberg, DE08 6725 0020 0025 0104 42 oder Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, DE78 5479 0000 0005 0650 03.

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Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

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