Im Interview Sportler des TB warten sehnsuchtsvoll auf Hallenöffnung

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htz
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Gruppentraining der Sportgymnastik-Schülerleistungsgruppe während des Lockdowns light. © Batke/TBG

Neulußheim. Bereits zum zweiten Mal befinden sich die Deutschen in einem Lockdown. Von den Einschränkungen sind auch die Sportvereine betroffen. Wir haben uns mit der Vorsitzenden des Turnerbunds Germania (TBG), Sigrid Beck (kleines Bild), über die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die aktuelle Situation ihres Vereins und die Probleme, die für die Talentschule auftreten, unterhalten.

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Wie weit hatte sich beim TBG der Sportbetrieb normalisiert, bis es zum erneuten Stopp kam?

Sigrid Beck: Bei sieben Abteilungen des Vereins verbrachte ich mit den Abteilungsleitern und teilweise auch den Übungsleitern zum und nach dem ersten Lockdown viele Stunden für die Ausarbeitung der Hygienepläne. Für die gemeindeeigenen Sportstätten – Sportplatz, Kleinspielfeld für Handball und Hardthalle sowie für die vereinseigene Turnhalle – musste organisiert und Gerätschaften besorgt werden – alles mit Blick auf die Hygienemaßnahmen. Es mussten Informationen an die Aktiven, Eltern der Kinder und Jugendlichen rausgehen sowie ein Belegungsplan für die Hardthalle erstellt werden. Auch Online-Angebote mussten wir konzipieren. Die Belegung der Halle ist schon in normalen Zeiten schwer genug. Jetzt wurde die Schulturnhalle, in der sich der gesamte Trainingsbetrieb für das Kinderturnen abspielt, nur für den Schulsport freigegeben.

Was bedeutete das für den Betrieb?

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Beck: Die acht Gruppen mussten in der Hardthalle untergebracht werden, Abteilungen Trainingszeiten abgeben, die Altersgruppen wurden neu festgelegt, die Übungsleiter mussten angefragt werden, ob sie in den neuen Zeiten ihre Gruppen übernehmen können. Wie bei allen Problemen bisher, haben wir einvernehmlich Lösungen erarbeitet, die auch gut funktioniert haben. Alle Gruppen konnten in der Hardthalle zu aller Zufriedenheit trainieren. Dank der guten Zusammenarbeit und Unterstützung in den Abteilungen wurde die Mehrarbeit auch ge-stemmt. Und dann kam der zweite Lockdown. Alle Sportstätten wurden gesperrt, auch die vereinseigene Halle musste geschlossen werden.

Mussten sie Abläufe anders organisieren, Gruppen verkleinern oder auf bestimmte Angebote ganz verzichten?

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Beck: Wir hatten ein großes Problem: Die Rhythmische Sportgymnastik ist Turntalentschule und hat Gymnastinnen, die im Bundes- und Landeskader nominiert sind. Sie konnten in der Hardthalle nicht mehr ihr zeitintensives Training durchführen. Trotz Ausnahmegenehmigung in den Verordnungen für Bundeskadersportler und Unterstützung des Vizepräsidenten des Badischen Turnerbundes legten die Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung fest, dass die Hardthalle geschlossen bleibt. Es ist ihr Recht als Hausherr. Wir mussten nach Lösungen suchen. Die boten sich nur in unserer eigenen Turnhalle, die leider nicht hoch genug ist, um Übungen mit Geräten wettkampfgerecht zu trainieren. Gleichzeitig trainieren die Landes- und Bundeskadergruppen mit ihren Trainerinnen auch online. Ab Mitte Dezember fand kein Präsenztraining mehr statt. Erst ab Mitte Januar nahm die kleine Bundeskadergruppe zweimal pro Woche das Training wieder auf. Diese Situation ist natürlich nachteilig für die Turntalentschule, da die Konkurrenz in vereinseigenen Großhallen beziehungsweise in den Stützpunkten ohne Einschränkungen weitertrainieren kann. Wir hoffen nun für unsere Gymnastinnen, dass die Wettkämpfe – im März ist die badische Meisterschaft geplant – nicht im Zeitrahmen durchgeführt werden können. Diese Meisterschaft entscheidet über die Teilnahme an weiteren Meisterschaften bis zur Deutschen Meisterschaft, bei denen unsere Gymnastinnen bisher regelmäßig auf dem Siegerpodest standen. Bei fehlenden Erfolgen wird uns die Turntalentschule abgesprochen. Das bedeutet zum einen Verlust von hohen Zuschüssen und zum anderen eventuell, dass Trainerinnen ihr Engagement beim TBG beenden.

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Wie waren die Rückmeldungen aus den einzelnen Abteilungen, waren die Mitglieder zufrieden oder litten sie stark unter den Kompromissen, die gemacht werden mussten – gerade in den großen Abteilungen?

Beck: Turnen ist unsere größte Abteilung – mit vielen Gruppen von Eltern-Kind-Turnen bis zu Jugendlichen und Senioren. Im Kinderturnen mussten wir uns nahezu komplett neu organisieren. Ein Ausfall eines Übungsleiters aufgrund beruflicher Vorgaben musste durch die Übernahme zusätzlicher Übungsstunden einer Übungsleiterin kompensiert werden. Mit Unterstützung von Abteilungsmitgliedern haben wir nach dem ersten Lockdown nach Voranmeldung unter Einhaltung der Vorschriften auf dem Rasenplatz des Sportplatzes unseren älteren Kindern eine Trainingsgruppe angeboten. Leider machte uns die Witterung immer wieder einen Strich durch die Rechnung, einmal war es zu heiß, dann regnete es wieder. So fiel die Hälfte der geplanten Übungsstunden aus.

Wie war das mit den anderen Abteilungen und Gruppen – wie lief es dort?

Beck: Die Damen-Gymnastikgruppe konnte an ihrem Trainingstag mit halbstündlich wechselnden Teilnehmern in Kleinstgruppen auf dem Kleinspielfeld trainieren. Auch hier waren Hygienestationen aufgebaut. Die weiteren Gymnastikgruppen fielen aus. Sobald wie möglich boten wir in unserer Halle wieder Training mit begrenzter Teilnehmerzahl für die Damen- und die Gymnastikgruppen für jedermann an. Diese Zeiten wurden durchweg gerne angenommen, zeigte sich doch, wie sehr das soziale Leben auch bei den Erwachsenen vermisst wurde. Als Ausgleich für den ersten Lockdown machten wir keine Sommerpause.

Wie ging es im Herbst weiter?

Beck: Anfang Oktober haben wir in der Hardthalle ohne Kontakt zu den anderen Gruppen wieder Präsenztraining für alle Kinder angeboten. Alle Beteiligten hatten sich nach etwa drei Wochen mit den neuen Trainingszeiten und veränderten Bedingungen arrangiert. Sogar die Eltern-Kind-Gruppe meldete sich überwiegend vollständig an. Bei allen anderen Gruppen war die Resonanz nicht ganz so gut, was teilweise an den veränderten Trainingszeiten lag. Vielleicht war auch der bürokratische Aufwand (Hygieneplänen durch Unterschrift zustimmen und beim ersten Training vorlegen) den Eltern zu viel. Alle Geräte, die benutzt wurden, wurden von den Mitgliedern aus der Turnabteilung nach jeder Übungsstunde desinfiziert. Für die Gruppe der älteren Jugendlichen hatten wir durchgehend Online-Angebote. Die Turnhalle am Messplatz verfügt über eine Be- und Entlüftung, die von den Gruppen in 20-minütigem Abstand eingeschaltet wurde, zusätzlich zu geöffneten Fenstern und Eingangstüren. Die Diabetikersportgruppe trainierte in der vereinseigenen Halle unter Einhaltung der Abstände und Vorschriften. Benutzte Handgeräte wurden desinfiziert. Auch die Mädchen-Fitness-Gruppe siedelte in besagte Halle um. Die Abteilung Defletics nahm das Training auch wieder auf. Die Leichtathleten trainierten während des Sommers nach den Vorschriften mit Kindern ab zehn Jahren auf dem Sportplatz mit verkürzten Trainingszeiten. Die Jüngeren hatten keine Trainingszeit. Ab Oktober teilten sich die LA-Aktiven die Hardthalle mit der RSG, in kleinen Gruppen. Die Hallen-Cricket-Gruppe verlegte ihre Trainingszeit auf Freitag nach 21 Uhr. Die Badmintonspieler und die Handballjugend durften auch wieder zu ihren Zeiten trainieren – all das immer unter Einhaltung der geltenden Vorschriften. Das ist für einen Mannschaftssport nicht gerade förderlich. Problematisch war es für die aktiven Handballspieler der HSG. Im Sommer trainierten sie auf dem Kleinspielfeld und auf dem Trimm-dich-Pfad. Es konnten auch noch drei Rundenspiele ausgetragen werden. Danach war Schluss.

Gab es Ansteckungen unter Sportlern, die Ihnen bekannt wurden?

Beck: Erfreulicherweise ist kein Mitglied im aktiven Sportbetrieb an Corona erkrankt. Das aufwendige Hygienekonzept hat sich bewährt.

Hat der Verein durch die Zwangspause Mitglieder oder Trainer verloren?

Beck: Die Mitglieder haben bis auf wenige Ausnahmen bei Kindern dem Verein die Treue gehalten. Sie sind froh über die Angebote, die wir anbieten können und warten sehnsüchtig auf die Öffnung der Hallen. Wir konnten bislang überwiegend alle Trainer und Übungsleiter halten.

Wie haben sich die Corona-Verordnungen auf ihre Vereinsfinanzen ausgewirkt?

Beck: Da die Trainer der Leistungsgruppen teilweise auf Bezahlung verzichteten und die Übungsleiter nur für gehaltene Stunden bezahlt werden, ist die finanzielle Lage des Vereins nicht angespannt – obwohl die Unterhaltung der vereinseigenen Halle zu Buche schlägt.

Sind sie eigentlich auf Einnahmen aus Veranstaltungen angewiesen, die dieses Jahr nicht oder nur eingeschränkt stattfinden konnten?

Beck: Einzelne Abteilungen, die in den Jahren zuvor an Weihnachtsmarkt und Straßenfest teilgenommen beziehungsweise Turniere durchgeführt haben, vermissen diese Einkünfte natürlich. Damit konnten sie für die Geselligkeit, zusätzliche Aktivitäten zur Kontaktpflege sowie hohe Ausgaben für Fahrten zu Turnieren und Spiele finanzieren, was durch die Mitgliedsbeiträge nicht möglich ist.

Planen Sie bereits „Notangebote“, sollte der Lockdown nicht so bald zu Ende sein?

Beck: Die meisten Abteilungen bieten inzwischen Online-Angebote an, teilweise auf unserer Homepage, teilweise mit Trainingsgemeinschaften. Das sind natürlich nur Notangebote. Sollte der Lockdown länger anhalten, wird es uns nicht möglich sein, noch mehr Notangebote wie bisher anzubieten. Dazu fehlen uns Fachleute und das Equipment. Auf Dauer sind diese Angebote auch nicht attraktiv. Dauerhaft lediglich nur Kraft, Beweglichkeit und Koordination zu trainieren, ohne dabei an einem Gerät turnen zu können, ist nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Übungsleiter frustrierend. Den Mannschaften fehlt das Zusammenspiel. Für die jüngeren Kinder haben wir Freiluft-Stationen geplant. Jeweils vier neue Stationen pro Woche über Neulußheim auf den Spielplätzen verteilt. Leider erlauben uns die Vorgaben derzeit noch nicht, dies tatsächlich anzubieten. Derzeit ist für alle Altersgruppen eine Art Brettspiel für zu Hause mit Bewegungsvorgaben bei bestimmten Spielfeldern in der Ausarbeitung.

Wie sieht es mit Versammlungen und Wahlen aus?

Beck: Die jährlichen ab Januar bis März stattfindenden Abteilungsversammlungen und die Jahreshauptversammlung im März mit Wahlen müssen verlegt werden. So lange sind die gewählten Abteilungsleiter, der Vorstand und der Turnrat kommissarisch im Amt. Auch hier hoffen wir, dass im Sommer die Versammlungen durchgeführt werden können. Persönlich bin ich über die enorme Unterstützung von Abteilungsleitern, Turnratsmitgliedern und auch von Trainern und Übungsleitern sehr dankbar. Das hat mir viele, auch harte Entscheidungen zu treffen, erleichtert.

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