Jubiläum - Die Lußhardtschule feiert ihr 50-jähriges Bestehen / Tag der offenen Tür muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen / Erweiterungsgebäude wurde 2001 eingeweiht Zum neuen Jahrtausend gab’s den Anbau

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Andreas Wühler
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Bild aus neuerer Zeit: Die Lußhardtschule präsentiert sich in hellen Farben mit Grünfläche außenrum. © Rausch

Neulußheim. Eigentlich hätte es ein Freudentag sein sollen. Mit einem Tag der offenen Tür, mit Vorführungen, Liedern, einem Blick in den Schulalltag und viel guter Laune sollte der 50. Geburtstag der Lußhardtschule gefeiert werden. Doch die Corona-Pandemie machte den Plänen, wie so vielen in diesen Tagen, einen dicken Strich durch die Rechnung.

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Gegründet wurde Neulußheim im Jahr 1711 durch Julius Schickard, also vor gut drei Jahrhunderten. Eine überschaubare Zeitspanne, die zudem den Vorteil hat, dass die geschichtlichen Gegebenheiten gut überschaubar sind.

Schon vier Jahre nachdem Julius Schickard die Erlaubnis erhalten hatte, seinen Meierhof zu errichten, platzte die neue Siedlung aus allen Nähten – über 50 Familien bevölkerten Neulußheim. Und damit wuchs der Wunsch, die Kinder entsprechend zu unterrichten. Schickard wandt sich an den Herzog von Württemberg und unterbreitete ihm den Wunsch nach einer Schule. Der ihm gewährt wurde, so dass damit die Schulgeschichte im Ort ihren Lauf nahm.

In Wohnungen unterrichtet

Allerdings, von einem Schulhaus war Neulußheim noch einige Jahre entfernt, in den Anfangsjahren wurde, wie es damals üblich war, in den Lehrerwohnungen unterrichtet. Der erste Lehrer, Wolfgang Cornelius Scholl, war von Beruf Barbier und Chirurg – es handelte sich damals noch um eine reine Winterschule – und unterrichtete ab 1715 in seiner Wohnstube im zweiten Stock des Anwesens Ballreich, der ehemaligen Bäckerei Hagmann in der Hockenheimer Straße.

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Bei freier Wohnung erhielt er pro unterrichtetem Kind vierteljährlich 15 Kreuzer. Sein Nachfolger, der 1731 seinen Dienst antrat, erhielt schon 30 Kreuzer pro Kind vierteljährlich und ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ganzjährig unterrichtet, wobei sich der Lehrstoff überwiegend auf Lesen, Schreiben und den Katechismus beschränkte.

Anfang des 19. Jahrhunderts, mit der Zugehörigkeit zum badischen Staat ab 1806, endeten, von oberer Stelle geregelt, die Streitigkeiten mit Altlußheim und die Gemeinde Neulußheim erlangte ihre völlige Eigenständigkeit. Die Gemeinde konnte das Provisorium der Lehrerwohnung beenden und eine eigenständige Schule gründen.

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1829 erwarb die Gemeinde das ehemalige Gasthaus „Zur Sonne“ in der Hockenheimer Straße 9 und wandelte es in ein Schulhaus um. 1844 wurde das Gebäude um einen Anbau erweitert, um Platz für einen weiteren Schulsaal zu schaffen und es wurde, neben dem Hauptlehrer, eine zweite Lehrkraft, der sogenannte Unterlehrer, eingestellt.

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Die Gemeinde wuchs und die Schülerzahlen stiegen beständig. Hatte die Gemeinde 1788 noch 82 Schulkinder, so waren es 1806 schon 99 Schüler bei etwas über 400 Einwohnern. 1845 verzeichnet die Statistik 200 Schüler bei 800 Einwohnern – bald platzte auch das Schulhaus in der „Sonne“ trotz Anbau aus allen Nähten.

Zweite Stelle geschaffen

So wurde in der Gemeinde der Entschluss zum Bau eines ausreichend großen Schulhauses gefasst und 1875 konnte die neue, für 28 000 Mark errichtete Schule bezogen werden. Gleichzeitig wurde eine zweite Hauptlehrerstelle eingerichtet, so dass die Kinder in der Gemeinde nun von drei Lehrern unterrichtet wurden. Die ehemalige „Sonne“ wurde nun übrigens als Rathaus genutzt.

Drei Jahrzehnte war das Schulgebäude ausreichend, dann wurde auch dieses zu klein, so dass 1905 ein neues Schulgebäude mit sechs Lehrsälen in Betrieb genommen wurde – das alte Schulhaus wurde zum Wohnhaus umgestaltet, in dem die Lehrer wohnten. Unterrichtet wurden die Kinder nun schon von sechs Lehrern und einer Lehrerin. Zu ihnen gesellte sich erstmals ein Schuldiener, der sich um die Reinigung und Versorgung der Schule kümmerte. Schon 1911 musste die neue Schule um weitere vier Klassenzimmer erweitert werden.

Wie die Chronik berichtet, hatte die Schule vor dem Zweiten Weltkrieg 520 Schüler, danach 320. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung nach dem Krieg stiegen auch die Schülerzahlen wieder an. Anfang der 1960er Jahre wurden 335 Schüler gezählt, die in elf Klassen von zehn Lehrern unterrichtet wurden. Weshalb schon 1962 im Gemeinderat der Bau einer neuen Schule beschlossen wurde. Mit den eigentlichen Bauarbeiten wurde jedoch erst 1968 begonnen, so dass die Lußhardtschule am 11. Juli 1970 eingeweiht werden konnte.

Mit der Lußhardtschule war die Gemeinde gut aufgestellt, sie erfüllte jegliche Anforderungen, die an einen modernen Schulbetrieb gestellt wurden. Unter den insgesamt 18 Schulräumen fanden sich Werkräume, ein Naturkunderaum samt Experimentiertisch, ein Fotolabor, ein Handarbeitsraum mit Nähmaschinen und Zuschneidetischen, ein Zeichen- und ein Musiksaal sowie eine Schulküche für vier Kochgruppen. Die Kosten für den Neubau betrugen 4,5 Millionen Mark und insgesamt wurden in dem Gebäude 490 Schüler von 16 Lehrern unterrichtet.

Starker Bevölkerungszuwachs

Die Gemeinde schien nun in schulisch ruhigeren Gewässern unterwegs zu sein, bis sich in den 1990er Jahren die Erschließung des 14. Gewanns, die Bebauung von der Hardthalle in Richtung Altlußheim, durch einen starken Bevölkerungszuwachs bemerkbar machte – das Schulhaus wurde wieder einmal zu klein. Notbehelfe im Keller der Schule und Klassenzimmer in Containern mussten den Notstand überbrücken, bis der Entschluss zu einem Anbau fiel.

Nun ging es Schlag auf Schlag: Im Oktober 1999 war der erste Spatenstich für den Anbau, im September 2000 folgte das Richtfest und im Juli 2001 wurden die neuen Räumlichkeiten eingeweiht. Im Erweiterungsbau standen nun sechs neue Klassenzimmer und fünf Fachräume zur Verfügung. Im bestehenden Schulhaus wurden die Fachräume, die sich nun im Erweiterungsbau befanden, umgestaltet und zusammen mit den vorhandenen Klassenräumen komplett modernisiert.

Mensa eingerichtet

Vor gut einem Jahrzehnt wurde im Eingangsbereich eine Küche samt Mensa eingerichtet, um den Schülern der Hortbetreuung und der Kernzeit ein Mittagessen anbieten zu können.

Der Wandel im Schulleben schlägt sich auch in der Namensgebung nieder. Bis 1970 als Volksschule tituliert, wurde aus der Einrichtung mit dem Umzug in die Lußhardtschule eine Grund- und Hauptschule. Seit 2010 ist sie eine reine Grundschule, die weiterführenden Klassen waren mit Altlußheim und Reilingen zur Werkrealschule vereint.

Doch auch diese ist mittlerweile Geschichte, Reilingen hat sich zur Gemeinschaftsschule weiterentwickelt, in Altlußheim und Neulußheim verblieben reine Grundschulen. Den frei werdenden Raum hat die Gemeinde unter anderem genutzt, um an der Schule die kommunale Kindertagesstätte Haus Kunterbunt anzudocken, die aktuell um einen Anbau erweitert wird. Passend zum Jubiläum der Lußhardtschule wurde sie in den vergangenen fünf Jahren in zwei Bauabschnitten komplett saniert – die neue, farblich gestaltete Fassade samt ihren energetischen Fenstern künden davon.

Redaktion Zuständig für die Verwaltungsgemeinschaf