Siegwald-Kehder-Haus - „Mellow Yellow“ spielt für die Senioren im Innenhof ein Open-Air-Konzert / Klassiker und deutsche Titel gefallen Bei „Que sera“ singen alle mit

Von 
Marco Montalbano
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Oftersheim. „Wer kennt Doris Day?“, fragte Sängerin Dany Susan von „Mellow Yellow“. Dabei ließ den Blick nicht nur über die zumeist geöffneten Fenster und Balkone des Siegwald-Kehder-Hauses schweifen, in dem sich 49 altengerechte Wohnungen für Menschen ab 60 befinden, sondern auch über den Innenhof. Denn einige der Bewohner trauten sich zum Konzert aus ihren vier Wänden. Sie ließen sich – in sicherem Abstand – im begrünten Hof nieder, um den angenehmen Klängen der aus Dany Susan, Gitarrist Heinrich Weilhard und Saxofonist Jochen Treu bestehenden Band besser lauschen zu können. Das herrliche Wetter lud dazu ein.

Sängerin Dany Susan begeistert mit ihrer kraftvollen Stimme. © Montalbano
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In dieser besonderen Atmosphäre erfreute die sanfte, leicht rauchige Stimme – grandios begleitet von den beiden Instrumentalisten – natürlich besonders. Die Bewohner kannten den beliebten US-Filmstar Doris Day der 1950er und 1960er Jahre logischerweise und sangen bei dem Titel „Que sera, sera“ – bekannt geworden durch Hitchcocks Film „Der Mann der zu viel wusste“ – kräftig mit. Auch bei Reinhard Mays Klassiker „Über den Wolken“ zeigten sich viele textsicher. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz, zog sich zum Fernweh-Song des deutschen Barden doch einer der Bewohner, der das Gratiskonzert von seinem Balkon aus verfolgte, gut sichtbar eine Fliegerkappe und -brille auf und sorgte so für noch mehr gute Laune.

Knalliges „What’s up“ als Zugabe

Dass die Mieter der betreuten Wohnanlage musikalisch bewandert sind, bewiesen sie auch, als sie errieten, von wem der nächste Titel war, als Sängerin Dany Susan sagte: „Ein Amerikaner, der in Deutschland stationiert war, sang diesen Song.“ Für die meisten war sofort klar, dass es sich dabei um Elvis Presley handelte und bekamen von der Combo sogleich Anerkennung dafür gezollt: „Ja, die Leute hier, die kennen sich aus.“ Bei „Can’t help falling in love“ wurden sicher so manche Erinnerungen geweckt.

Rührung machte sich bei Leonard Cohens andächtigem „Hallelujah“ breit, was die Sängerin, die bürgerlich Daniela Fadtke heißt, veranlasste zu fragen: „Wie soll ich da noch singen, wenn ich weinen muss? Ihr seid ein zauberhafter Chor.“

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Nach weiteren Evergreens und Klassikern wie „Stand by me“, „Let it be“ (Beatles) und „Heute hier, morgen dort“ (Hannes Wader) sagte die Band, die außerhalb der Corona-Zeit meist auf Hochzeiten spielt, mit „Nehmt Abschied Brüder“ passend Tschüss. Doch das Publikum wollte die Musiker nicht ohne eine Zugabe entlassen. So schmetterte das Trio noch „What’s up“ von den „4 Non Blondes“ und beendete damit nach weit über einer Stunde unter kräftigen Applaus das Open-Air-Konzert.

Hausmeister hilft spontan mit

Gerade erst vor drei Wochen durfte man sich im Siegwald-Kehder-Haus über ein Schlagerkonzert mit Andy Schäfer freuen (wir berichteten), sodass nicht nur die Freude, sondern auch die Überraschung bei den Bewohnern über den nächsten musikalischen Genuss groß war – auch bei Anneliese Pfister: „Das war ein sehr schönes Konzert heute. Es freut uns alle hier sehr, dass wir so eine tolle Abwechslung haben.“

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Hausmeister Udo Kurz, der von dem Konzert aus der Zeitung erfahren hatte, erklärte sich spontan bereit, die Band bei der Technik zu unterstützen. Er kam dafür extra am Samstagnachmittag außerhalb seiner Arbeitszeit vorbei, sang selbst kräftig mit und betonte danach: „Die Sängerin hat eine tolle, ,schwarze‘ Stimme und Saxofon und Gitarre mag ich sowieso. Auch die Auswahl der Stücke war wunderbar.“

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Christina Crescentini kam als Vertreterin von der Arbeiterwohlfahrt, die das Café im Haus betreibt, ebenfalls extra für das Konzert in die Hardtwaldgemeinde und fand nur lobende Worte: „Einfach Spitze. Es ist großartig, dass so viele der Bewohner mitgemacht haben. Ich bin sehr gerne hier, auch weil man bezüglich Heiterkeit viel von den Senioren lernen kann. Sie nehmen das Leben einfach so, wie es ist.“

Nächster Auftritt in Sancta Maria

Die drei Mitglieder von „Mellow Yellow“ sind sich einig, dass sie die Serie der Gratisauftritte in Altenwohnheimen fortsetzen möchten. Bei der Musikauswahl würden sie immer weiter dazulernen: „Das war unser zweites Konzert dieser Art, nachdem wir schon in Plankstadt aufgetreten waren. Die Nachfrage ist wirklich groß. Jetzt haben wir mehr deutschsprachige Titel dazu genommen. Das kommt sehr gut an.“

Das nächste Konzert ist im Caritas Altenzentrum Sancta Maria am Samstag, 23. Mai, um 14 Uhr in Plankstadt. „Ich arbeite dort ja, wenn auch erst kurz. Jetzt kennen alle meinen Namen und ich wurde ständig gefragt, wann der nächste Auftritt ist. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen“, so Dany Susan.

Freier Autor Freier Journalist für die Region Rhein-Neckar. Davor Pressereferent bis zum Wechsel auf die „andere Seite“. Studium der Politikwissenschaft. In Vergangenheit lange als Texter für die Wirtschaft tätig. Mitglied der Autorengruppe Literatur Offensive Heidelberg.