Schwetzinger Hardt - Trockene Witterung hinterlässt Spuren / Bäume müssen weichen Den Buchen geht es hier ans Geäst

Von 
Anette Zietsch
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Oftersheim. „Für den Wald ist es fünf vor zwölf, er droht sich in Teilen aufzulösen“, machte vor wenigen Tagen der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, deutlich, wie dramatisch die Situation ist. Und vielleicht ist es für die Schwetzinger Hardt noch viel später.

Im Wald zwischen den Wildgehegen laufen Baumfällarbeiten. Jonas Senger und Peter Hirt sind hier im Hubsteiger mit Motorsägen am Werk. © Lenhardt
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Am Montagmorgen waren die Absperrungen und der Hubsteiger zwischen den Wildgehegen ein deutliches Zeichen für die Waldbesucher, dass sich was tut. Die beiden Buchen in unmittelbarer Nähe des Pavillons sind nämlich nicht mehr zu retten, das stellten Forstbezirksleiter Sebastian Eick und Revierförster Achim Freund bei Begehungen fest – und sie mussten Maßnahmen einleiten (wir berichteten). „Hier ist eindeutig die Verkehrssicherheit der Spaziergänger gefährdet und die hat oberste Priorität“, machten die beiden deutlich, dass es keinen Alternativen zur Fällung gibt, die nach den Vorbereitungen an diesem Dienstag durchgeführt wird. Ab Mittwoch ist der Wald dann in diesem Bereich wieder frei zugänglich.

Der Klimawandel ist auch im Hardtwald in vollem Gange. Die Jahresmitteltemperatur verzeichnet einen Anstieg, das Jahrzehnt ab 2000 war das wärmste seit 130 Jahren. Die Niederschlagsmengen innerhalb eines Jahres änderten sich eigentlich kaum, meinte Eick bei einer Begehung, sie verteilten sich nur anders: „Es gibt wärmere Temperaturen im Winter, öfter unerwünschte Starkregen und längere Trockenphasen in der Vegetationszeit.“

Der Hauptgrund für den katastrophalen Zustand der Buchen und der Kiefern, die den Großteil des Baumbestandes in der Schwetzinger Hardt ausmachen, war die langanhaltende Hitzeperiode des vergangenen Sommers. Die Region war stärker betroffen als der Wald in vielen anderen Teilen Deutschlands – wobei das größte Problem die ausbleibenden Niederschläge in einem spürbaren Ausmaß waren. Das im Waldboden gespeicherte Wasser wurde relativ schnell aufgebraucht.

Oberboden trocknet schneller aus

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„Durch den sandigen Untergrund“, sagt Revierförster Achim Freund, „geht der Stress für die Kiefern und die Buchen früher los als in anderen Gegenden. Der Oberboden trocknet schneller aus.“ Als Reaktion auf den Dauerstress haben einige Baumarten im vergangenen Jahr besonders viele Früchte gebildet, um für den Fall, dass sie absterben, noch Saatgut für Nachkommen zu hinterlassen – ein belastender Kraftakt für die Bäume, der noch zu den klimatischen Bedingungen erschwerend hinzukommt. Für die Experten war das Baumsterben vorauszusehen.

Und noch eine weitere Auswirkung hat die Trockenheit: Durch den geschwächten Zustand können sich die Bäume auch gegen Schädlinge nicht wehren. Die Insekten haben ein deutlich leichteres Spiel. Zum Beispiel schädigen Kiefernprachtkäfer, der Kleine und der Große Waldgärtner und weitere Arten von Borkenkäfern die Kiefern. Die ernähren sich aus der Schicht zwischen dem Holzkörper und der äußersten Borke. Dadurch wird die Wasserzufuhr unterbrochen und auch die Zellteilung funktioniert nicht mehr.

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Dazu kommt, dass die Bäume immer mehr unter dem Befall des Diplodia-Pilzes leiden, einem wärmeliebenden Mikropilz, der ab den 1980er Jahren vermehrt zunächst in Österreich und der Schweiz auftrat. Charakteristisch für die Kiefernkrankheit sind die braunen Nadeln an den Triebspitzen.

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„Kiefern sind zwar ganz gut angepasst, aber irgendwann kommen auch sie an ihre Grenzen. Das wird jetzt deutlich“, ergänzt Achim Freund. Unter anderem aus diesem Grund habe man gehofft, dass die Buche irgendwann den hohen Kiefernbestand in der Schwetzinger Hardt ablöst. Aber es habe sich gezeigt, dass dieser Laubbaum mehr Niederschlag brauche als unter den sich veränderten Klimabedingungen zur Verfügung steht.

Und so sind die nächsten Fällungen nur noch eine Frage der Zeit. Das kann der aufmerksame Waldbesucher beim Blick in die Baumkronen erkennen.

Redaktion Lokalredaktion, zuständig für Oftersheim und Eppelheim