Im Interview - Jonas Stratmann vom TSV 1895 Oftersheim spricht über die Vorteile von E-Sports während der Corona-Pandemie / Trainingseinheiten für Laien Derzeit nutzt die Forschung die Rechner

Von 
Maximilian Wendl
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Ein Blick ins Leistungszentrum vor dem Pandemie-Ausbruch: Die E-Sportler sitzen konzentriert an den Hochleistungsrechnern. Die Computer würden jetzt ungenutzt rumstehen. Stattdessen nutzen sie momentan der Forschung im Kampf gegen Corona. © TSV

Oftersheim. Die Corona-Pandemie ist für die Sportart „E-Sports“ eine große Chance, glaubt Jonas Stratmann. Der Abteilungsleiter des TSV 1895 Oftersheim begründet seine These darin, dass Sport außerhalb der eigenen vier Wände momentan kaum möglich ist. Im Interview mit unserer Zeitung verrät er außerdem, welche Entwicklung der TSV in diesem Bereich genommen und welche Vorteile der Umzug nach Mannheim-Rheinau mit der Eröffnung eines Leistungszentrums (wir berichteten) mit sich gebracht hat.

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Herr Stratmann, ein Blick auf den Jahresrückblick auf der Homepage genügt, um zu beurteilen, wie das Jahr für den Verein „eSports Rhein-Neckar“ lief, oder?

Jonas Stratmann: Es hätte nicht besser laufen können. Wir haben mit dem Verein eine GmbH gegründet und unser Leistungszentrum eröffnet. Dort haben diverse Veranstaltungen stattgefunden und wir konnten wichtige Schritte in die richtige Richtung machen. E-Sports erhält mehr Beachtung – sowohl im Breitensport als auch im professionellen Bereich.

Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die neuen Räumlichkeiten in Mannheim?

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Stratmann: Wir haben dort mehr Platz für mehr Mitglieder. In Oftersheim waren wir am Limit und deswegen war der Umzug notwendig. Wir haben Übernachtungsmöglichkeiten für unsere Profi-Teams und die Sponsoren. Aber auch Interessierte können dort spielen und sich einen Schlafplatz mieten. Dadurch können alle Zeit miteinander verbringen – insgesamt ist das neue Zuhause sehr attraktiv.

Zu Jahresbeginn 2019 gab es noch die Kooperation mit dem Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen im Bereich der Fußball-Simulation „Fifa 20“. Was ist aus der Kooperation geworden?

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Stratmann: Sie ist leider nicht fortgeführt worden, weil der SV Sandhausen den großen Nutzen darin nicht gesehen hat, obwohl wir vom TSV auch kostenfrei das Projekt fortgesetzt hätten.

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Derzeit ist ja die Sportwelt zum Stillstand gezwungen. Inwiefern könnte die Ausbreitung der Corona-Pandemie eine Chance für Ihren Verein sein?

Stratmann: Das bietet uns eine sehr große Chance, den Menschen den Mehrwert und auch die Werte von E-Sports zu vermitteln, denn die Menschen wollen sich trotzdem beschäftigen.

Auf der Facebook-Seite steht, dass der Verein die aktuelle Situation nutzen möchte, um den Einstieg zu erleichtern. Wie sieht dies für einen Laien aus?

Stratmann: Wir bieten Trainingseinheiten an. Dort werden die Gruppen nach Kenntnisstand eingeteilt. Zu einer vorher vereinbarten Zeit schaltet man sich mit seinem Rechner auf einen gemeinsamen Server. Die Module heißen Teamspeak oder Discord. Da sind dann auch andere Anfänger dabei. Einer unserer Trainer nimmt die Anfänger in Empfang und erklärt ihnen die Grundlagen des Spiels. Dann wird zusammen gespielt und geschaut, was man besser machen kann. Bei Anfängern ist es wichtig, erst einmal ein Gefühl für das Spiel zu bekommen und sie nicht mit zu viel Input zu überfordern. Bei erfahreneren Spielern kann man an den Schwächen arbeiten oder neue Teamtaktiken vermitteln. Es geht darum, Spaß am Spiel zu haben und sich nach und nach mit Ehrgeiz zu verbessern. Bei E-Sports kann jeder von daheim aus mitmachen. Dadurch ergibt sich automatisch, dass es während der Corona-Pandemie keine Einschränkungen gibt – mit einer Ausnahme: Auch das Zentrum ist in dieser Zeit geschlossen.

Inwieweit hat sich Ihrer Meinung nach mittlerweile etwas dahingehend getan, dass E-Sports mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit erhält?

Stratmann: Die Sportart ist in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden und das Interesse der Öffentlichkeit sowie die Bereitschaft, sich mit E-Sports auseinanderzusetzen, sind zweifellos wichtige Punkte. Firmen sehen neue Möglichkeiten in Bezug auf das Marketing und immer mehr Vereine nehmen sich des Themas an. Trotzdem gibt es immer noch kontroverse Diskussionen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund.

Auf dem Twitter-Kanal des Vereins ist zu lesen, dass die Rechner derzeit für den guten Zweck laufen. Welchen Sinn hat das?

Stratmann: Wir können das Leistungszentrum im Moment nicht nutzen, die Hochleistungsrechner stehen ungenutzt herum und könnten an anderer Stelle weiterhelfen. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, diese Krise schnell zu bewältigen, damit Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden können.

Welche Ziele verfolgen Sie für das laufende Jahr?

Stratmann: Das Virus hat auch unsere Planung etwas über den Haufen geworfen. Trotzdem wollen wir das Beste aus der Situation machen und uns und die Sportart im Allgemeinen weiter professionalisieren.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.