Evangelische Kirche - Gottesdienste weiterhin nur digital Ein guter Anfang gegen Blockaden

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zg
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Oftersheim. Am vergangenen Mittwoch war Aschermittwoch, die Passionszeit hat begonnen. Für die Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Dr. Sibylle Rolf ein guter Anlass, über das Thema Verzicht in diesen Zeiten nachzudenken. „In den letzten Jahren habe ich immer auf etwas verzichtet – auf das abendliche Glas Wein, auf Kartoffelchips, die für mich eine viel größere Anfechtung sind als Schokolade, auf das Autofahren. Ich habe immer gemerkt, dass es guttut, neue Wege zu probieren, auf vermeintlich Selbstverständliches zu verzichten oder es zumindest bewusst einzuschränken“, schreibt Pfarrerin Rolf.

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Doch in diesem Jahr sie die Lage eine andere. „Der Verzicht begleitet mich jetzt schon seit fast einem Jahr – und er kostet Kraft. Ich verzichte ja auch nicht freiwillig. Ich habe für mich selbst entschieden, dass ich das Verzichten in diesem Jahr in der Passionszeit nicht vollkommen ausfallen lasse – dass ich es aber eher locker und spielerisch nehme. Wenn es passt, darf es auch unter der Woche mal ein Glas Wein sein, und das will ich dann auch genießen. Und dazu gerne ein kleiner Snack. Es muss ja nicht jeden Tag sein, aber wenn, dann bewusst“, so Pfarrerin Sibylle Rolf.

Kein Verzicht, sondern Gewinn

Worauf aber auch in diesem Jahr in der Passionszeit nicht verzichtet werden könne, sei die Fastenaktion der evangelischen Kirche. Das Motto „7 Wochen ohne“ begleite die Aktion schon seit Jahren. In diesem Jahr heißt es: „7 Wochen ohne Blockaden – Spielraum!“ Das klingt aus Sicht der Pfarrerin nicht nach Verzicht, sondern nach Gewinn: „Mir Spielräume zu schaffen, zu erobern – darin liegt ein Freiheits- und Lustgewinn. ,Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen‘, heißt es in den Psalmen (Psalm 18,30).“

Mauern und Blockaden würden wohl viele kennen. Manchmal blockieren einen die Umstände, in denen man lebe. Im Moment blockiere uns alle die Einschränkung von Kontakten und Veranstaltungen. Manchmal blockieren einen auch Menschen – nicht immer bewusst oder absichtlich. Manchmal, und das sei gar nicht so selten, blockiere man sich selbst. Wenn man denke, dass Dinge nicht möglich sind, weil wir sie noch nie gemacht haben. Oder dass etwas nur so oder so passieren kann, weil man es für richtig halte oder weil es immer schon war.

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Die einzelnen Wochen der Aktion „7 Wochen ohne“ haben jeweils ein eigenes Thema. Das erste lautet: „Alles auf Anfang!“ Der biblische Text dazu kommt aus dem Buch der Sprüche, in dem erzählt wird, wie die Weisheit schon bei der Schöpfung Gottes, also ganz am Anfang der Weltgeschichte, dabei war und unter Gottes Füßen spielte. „Ich finde das ein schönes Bild. Wenn ich Blockaden erlebe, hilft es manchmal, mich an den Anfang zu erinnern – als alles noch neu und wunderbar war. Eine neue Freundschaft, eine neue Beziehung, ein neues Leben, eine neue Arbeitsstelle, ein neuer Ort. Der Zauber, der in jedem Anfang steckt, kann helfen, so manche Blockade zu überspringen, die sich mit der Zeit in meinen Weg stellen will“, schreibt Pfarrerin Sibylle Rolf. In diesem Gedankenspiel stecke eine echte Weisheit, die guttut – auch in dieser Zeit, in der der Verzicht und die Einschränkungen scheinbar kein Ende nehmen wollen.

Aufgrund der aktuellen Lage werde die evangelische Gemeinde „auf jeden Fall noch im Februar“ ihre Gottesdienste digital feiern, teilt Pfarrerin Sibylle Rolf weiter mit. Jeweils sonntags um 10 Uhr gehe ein neuer Gottesdienst live. „Wann wir mit unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen – sehr allmählich und mit Schutzkonzept – wieder beginnen, werden wir sorgfältig im Kirchengemeinderat abwägen und danach mitteilen“, heißt es abschließend in der Mitteilung.

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Info: Infos und digitale Gottesdienste unter www.ekioftersheim.de