AdUnit Billboard
Evangelische Kirche - Pfarrer Tobias Habicht denkt am Ewigkeitssonntag an Hoffnung, Friede und Wiedersehen

Eine Kerze für die Verstorbenen

Von 
Ein Gastbeitrag von Tobias Habicht
Lesedauer: 
In der Christuskirche werden die Namen von 56 Menschen verlesen, von denen die Gemeinde im vergangenen Jahr Abschied nehmen musste. Dazu wird für jede Person eine Kerze angezündet. © Habicht

Oftersheim. Es ist soweit: Ewigkeitssonntag – oder auch Totensonntag. Wieder einer von den Tagen, die uns den eh schon tristen (und dieser Tage wieder sehr krisenhaften) November so schwer und düster und traurig machen. Heute gehen viele auf die Friedhöfe, schmücken die Gräber derer, die gestorben sind, denken daran, was sie mit ihnen verloren haben. So tun wir es heute auch und besuchen die Gräber meiner Mutter und meiner Opas.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Erinnerungen werden wach, manchmal werden auch der Schmerz oder der Zorn oder die Liebe wieder ganz lebendig. Weil da noch so viel ist, was sie mit den Menschen verbindet, die da auf den Friedhöfen liegen. Vielleicht ist die Wunde in der Seele noch ganz frisch, wenn der Tod noch nicht lange her ist. Vielleicht hat der Schmerz schon ein bisschen nachgelassen, weil sie gelernt haben, dieses Leben ohne diesen einen ganz besonderen Menschen anzunehmen.

Über die Zeit hinaus

Totensonntag: Eigentlich gefällt mir der andere Name besser: Ewigkeitssonntag. Warum? Ewigkeitssonntag – der Name erinnert an das, was über die Zeit hinausgeht, die wir leben und begreifen können. Ich will nicht bei den Toten stehen bleiben und bei der Tatsache, dass wir alle irgendwann auf dem Friedhof liegen. Ich will hoffen, dass es noch etwas gibt – jenseits der Gräber, jenseits des Schmerzes: Hoffnung, Frieden, ein Wiedersehen, eine Ewigkeit Zeit – mit Gott, mit den Menschen, die ich liebe und hergeben muss.

Gerade auf den Friedhöfen können viele Menschen daran nicht glauben: Macht doch die Erde, die wir in das Grab werfen, die Endgültigkeit des Todes so deutlich. Auferstehung – wie soll denn das gehen? Ehrlich – ich weiß es nicht. Aber ich mache mir darüber auch keine Gedanken. Ich muss nicht wissen wie und wo und wann das sein wird. Ich muss nur glauben können, dass es sein wird. Und das kann ich und will ich. Alles andere überlasse ich Gott. Gott ist so viel größer als alles, was ich denken und mir vorstellen kann.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Wenn ich das versuche, die Hoffnung und das Vertrauen groß zu machen, dann ist der Totensonntag heute gar nicht mehr so schwer und düster und traurig. Weil er eben auch ein Ewigkeitssonntag ist. In unserem Gottesdienst in der Christuskirche verlesen wir die Namen von 56 Menschen, von denen wir im vergangenen Jahr Abschied nehmen mussten.

Dazu zünden wir Kerzen an – jedes für sich ein kleines Oster-Auferstehungslicht. Dazu hören wir Trostworte aus der Offenbarung des Johannes und aus dem Prophetenbuch Jesaja. Zu Jesaja finden Sie auch meine Gedanken anbei – „Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.“ Ich bin sicher: Gott wird alle Tränen abwischen und er bringt das Dunkel zum Leuchten – immer wieder und am Ende ganz gewiss. Denn das ist unsere Hoffnung: auf ein Wiedersehen nach dem Tod, wie auch immer. Auf ein Ende von Tränen und Trauer. Dass das Dunkel nicht bleibt.

Möge dieses Vertrauen Sie durch die dunklen Tage begleiten und Ihnen Kraft und Trost geben. Ab kommender Woche bricht dann die Zeit des (Er-)Wartens an.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1