Worte für die Seele „Es tut gut, Gottes freundlichen Blick zu hören und zu spüren“

Von 
Sibylle Rolf
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Oftersheim. Die Augen sind ein Spiegel unserer Seele. Wenn mir jemand in die Augen blickt, kann ich meist spüren, wie es ihm oder ihr geht. Jesus sagt (Mt 6,22-23): „Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Es macht etwas aus, wie du jemanden ansiehst. Wie du in die Welt blickst, hat Auswirkungen auf dein ganzes Leben, deinen Leib und deine Seele.“

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Es gibt Situationen, da können wir einander nicht in die Augen sehen. Wenn mir jemand wehgetan hat. Oder wenn ich jemandem etwas schuldig geblieben bin. Dann habe ich ein schlechtes Gewissen oder in mir kreisen Gedanken, die ich vor ihm oder ihr verbergen möchte.

Gott nimmt Kains Opfer nicht an

Wenn ich dem Blick der anderen Person ausweiche, verliere ich den Kontakt. Von Kain wird erzählt, dass er den Blick senkte, als Gott sein Opfer nicht annimmt. Das Nächste ist dann der Mord an Abel, seinem Bruder. Wer den anderen nicht mehr ansehen kann, wird nicht automatisch zum Mörder. Aber er hat die Verbindung mit der anderen Person, vielleicht auch mit sich selbst, verloren.

Es ist schwer auszuhalten, wenn jemand meinem Blick ausweicht. „Was habe ich getan?“, frage ich dann. Warum wird mir der Kontakt verweigert? Das ist nicht nur bei Menschen so. In den Psalmen klagen Menschen, wenn Gott seinen Blick von ihnen abwendet. Wenn Gott sein Angesicht verbirgt, dann ist kein gutes Leben mehr möglich. In Psalm 104 heißt es: „Wenn du, Gott, den Menschen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie.“

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Es bringt Schmerz, wenn Gott nicht freundlich auf mich schaut. „Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?“, betet Psalm 13. Wenn Gott seine Augen verbirgt, so ist er fern, der Kontakt ist verloren, ich finde ihn nicht mehr. Niemand weiß, warum Gott sein Angesicht verbirgt. Er, der doch alles sehen kann – wie es heißt, der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an (1 Sam 16,7) – der nicht nur unser Äußeres sieht, sondern bis in unser Herz hinein blickt und auch das erkennt, das wir am liebsten vor ihm und vor uns verbergen möchten: Er verbirgt sich manchmal und wir suchen ihn und können ihn nicht finden. Das ist eines der großen Rätsel des Glaubens.

Mühsamer zweiter Lockdown

Vielleicht kommt es manchen im Moment so vor, dass wir in diesem mühsamen zweiten Lockdown von Gott nicht mehr freundlich angesehen werden. Dass er sich verborgen hat und sich uns entzieht. Ich bin dankbar, dass wir mit den Psalmen Texte haben, die uns in solchen Zeiten Worte geben. Beten bedeutet: Gott darum bitten, dass er uns wieder freundlich ansieht.

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„Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen“ (Psalm 80). Wenn Gottes Angesicht über mir leuchtet, dann blickt er mich freundlich an. Unter Gottes freundlichem Blick finde ich zu neuer Kraft und neuem Mut. Ich bin nicht allein. Ich mag nicht verstehen, was mir gerade geschieht – aber ich muss es nicht allein meistern. Er wird mir Kraft geben, meinen Weg zu gehen, Mut, über mich selbst hinauszuwachsen. Unter seinem freundlichen Blick kann ich ertragen, was im Moment zu ertragen ist.

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Ich finde in seinem freundlichen Blick die Hoffnung, dass wieder bessere Zeiten kommen werden. Es tut gut, von Gottes freundlichem Blick nicht nur zu hören, sondern ihn auch zu spüren. Am Ende jedes Gottesdienstes steht der Segen. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir . . . – diese Worte sind nicht nur ein Gebet und eine Bitte. Sie verändern etwas. Sie sind ein Zuspruch.

Kraft, Mut und Zuversicht

Gottes freundlicher Blick wird über jedem Einzelnen von uns ausgesprochen. Im Segen wird Wirklichkeit, was die Worte aussagen: Gott blickt dich freundlich an. Gott weicht deinem Blick nicht aus. Gott blickt bis in die Tiefen deines Herzens. Er weiß, was du jetzt brauchst – und für alles gibt er dir Kraft, Mut, Vertrauen und Zuversicht. Er ist bei dir. Gesegnet werden, das heißt, sich unter Gottes freundlichen Blick stellen. Gottes Angesicht leuchtet über dir wie ein strahlendes Licht, das deine Dunkelheit erhellt.