Impfzentrum - Für ältere Menschen gestaltet sich die Vorgehensweise schwierig / Gemeinde und TSV unterstützen bei oft unüberbrückbaren Hürden Hilfe bei der Vereinbarung von Terminen

Von 
Anette Zietsch
Lesedauer: 
Im ehemaligen Commissary im Patrick Henry Village ist das Impfzentrum des Kreises eingerichtet. Landrat Stefan Dallinger (v. l.), Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, Doreen Kuss, Dezernentin für Ordnung und Gesundheit, und Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner bei der Vorstellung im Dezember. © Rothe

Oftersheim. Es war ein großes Weihnachtsgeschenk auch für viele Oftersheimer, als der Impfstoff gegen das Coronavirus von Biontech und Pfizer im Dezember die Zulassung für den europäischen Markt erhalten hatte. Es schien ein erster, ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück zur Normalität zu sein. Aber es war ebenso klar, dass die Produktionsmenge der Impfdosen nicht gleich für jeden reichen würde – darum hatte die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) ja auch eine Priorisierung erstellt.

AdUnit urban-intext1

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha bittet die Bevölkerung beim Thema Impfen nun um Geduld. „Mit der derzeit vom Bund zur Verfügung gestellten Menge an Impfstoff können wir täglich in Baden-Württemberg 6500 Menschen impfen. Die Bundesregierung hat per Verordnung festgelegt, dass im ersten Schritt insbesondere über 80-Jährige sowie ärztliches und pflegerisches Personal geimpft werden dürfen. Allein diese Personengruppe macht bei uns in unserem Bundesland rund eine Million Menschen aus, die derzeit impfberechtigt sind“, erklärt Lucha in einer offiziellen Pressemitteilung seines Ministeriums.

Lieferung dauert

Die Impfzentren sind mittlerweile bereit, doch Impftermine werden erst wieder ab dem 25. Januar vergeben, erhält man die Auskunft, wenn man die Telefon-Hotline anwählt. Der Grund: Wartezeiten bei der Lieferung der Impfdosen. Aber eventuell ist das auch die Chance, dass die Verantwortlichen bei der Terminvergabepraxis nachjustieren. Eine Impfung im Impfzentrum erfolgt nur mit einer vorherigen Terminvereinbarung. Über die zentrale Telefonnummer 116 117 werden die Impfberechtigten an das vom Land beauftragte Callcenter weitergeleitet und bekommen dort gleichzeitig die Termine für Erst- und Zweitimpfung im selben Impfzentrum. Alternativ kann man sich über die Internetseite www.impfterminservice.de/impftermine für einen Termin anmelden.

Doch nicht nur lange Warteschleifen der Telefon-Hotline stellen sich nach ersten Erfahrungen als großes Problem für ältere Menschen heraus. Das hören wir immer wieder bei Gesprächen mit den Bürgern.

Zentrale Plattform

AdUnit urban-intext2

Vor allem ist die zentrale Webplattform zur Terminvereinbarung für viele der über 80-Jährigen keine Lösung. Denn Voraussetzung für diese Alternative ist eine eigene E-Mail-Adresse beziehungsweise die Möglichkeit, eine SMS zu empfangen, heißt es auf der Serviceseite der baden-württembergischen Landesregierung. Und gerade das ist eine große Hürde, denn Menschen, die in dieser Altersgruppe sind, verfügen oft nicht über die technischen Möglichkeiten. Glück haben jene, die auf die Hilfe von Kindern, Enkeln, Angehörigen oder netten Bekannten zählen können. Doch Glück ist ganz sicher nicht der richtige Lösungsansatz, um das Virus zu bekämpfen.

Dieser Umstand führt in einigen Fällen zu Anrufen verzweifelter Senioren bei der Gemeindeverwaltung. „Gerne würden wir allen Impfberechtigten in Oftersheim Impftermine verschaffen, aber die Gemeinde hat keinerlei Einfluss auf die Vergabe der Termine“, bedauert Bürgermeister Jens Geiß die unbefriedigende Situation. Doch eine andere Hilfe kann die Gemeinde anbieten: Wer kein Telefon und kein Internet bedienen kann und auch keine Verwandten oder Angehörigen hat, die zur Seite stehen können, kann sich gerne an Ute Walter vom Seniorenbüro der Gemeinde wenden. Sie ist unter der Telefonnummer 06202/59 71 14 erreichbar und bei der Anmeldung behilflich.

AdUnit urban-intext3

„Wir können diese Unterstützung zum Bedienen der Internetseite aber nur in diesen Fällen anbieten“, betont der Bürgermeister. Ein bevorzugter Impftermin sei damit nicht möglich. Die schnellste und verlässlichste Art und Weise, zu einem Impftermin zu kommen, sei nach wie vor die eigenständige Terminvereinbarung über die von der Landesregierung eingerichteten Kanäle.

AdUnit urban-intext4

Und dann gibt es noch ein weiteres Problem für die Senioren: die Anfahrt zum Impfzentrum. Das nächstgelegene für die Oftersheimer befindet sich im Patrick Henry Village in Heidelberg – und ist somit nur umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Das Land weist darauf hin, dass die Fahrt zum Impfzentrum privat organisiert werden muss. Der Schwetzinger Verein Taxi e.V. (Telefon 1 51 11 oder 1 61 11) hat der Gemeinde mitgeteilt, dass die Möglichkeit für Oftersheimer Bürger besteht, zu festgesetzten Preisen zu den Impfzentren gefahren zu werden.

Nicht immer Fahrkostenerstattung

„Leider erhalten Sie in Baden-Württemberg im Gegensatz zu anderen Bundesländern die Taxikosten nicht in jedem Fall über die Krankenkasse oder das Land erstattet“, darauf weist Jens Geiß hin. „In besonderen finanziellen Notsituationen können Sie sich ebenfalls an Ute Walter vom Seniorenbüro wenden, dort wird eine Erstattung der Taxikosten geprüft.“

Neben dem Seniorenbüro gibt es noch einen Ansprechpartner in der Gemeinde, der Hilfestellung bei der Vereinbarung von Impfterminen leistet: der TSV 1895 Oftersheim mit seiner Aktion „TSV hilft“. Der Vorsitzende Markus Lauff hat nach Rücksprache mit unserer Zeitung zugesichert: „Wenn wir bei technischen oder organisatorischen Fragen unterstützen können, werden wir das sehr gerne machen. Wir schauen uns dann im Einzelfall an, was wir tun können.“ Telefonisch ist ein Ansprechpartner beim TSV montags bis freitags, jeweils von 10 bis 12 Uhr, erreichbar unter 06202/9 38 48 80.

Redaktion Lokalredaktion, zuständig für Oftersheim und Eppelheim