TSV-Gesundheitssport - Die Rollatorengruppe trifft sich wieder unter freiem Himmel / Leiterin Elisabeth Groß findet soziales Miteinander besonders für Senioren wichtig Immunsystem durch Bewegung stärken

Von 
Anette Zietsch
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Oftersheim. Unter den Kontaktbeschränkungen als Folge der Corona-Pandemie leiden wohl die meisten Menschen. Ganz besonders aber trifft es diejenigen, die nicht mehr so mobil sind und auch häufig keine Angehörigen haben, mit denen sie wenigstens ab und zu telefonieren können – die Senioren.

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Und die gehören zur Rollatorengruppe, die Elisabeth Groß (kleines Bild) im Januar 2019 ins Leben gerufen hat. Seitdem sind die einmal pro Woche stattfindenden Stunden mit der Übungsleiterin ein regelmäßiges Angebot im Kalender des TSV 1985 Oftersheim. Normalerweise kommen die Mitglieder in der Kurpfalzhalle zusammen, doch das ist ja derzeit – auch wenn die Beschränkungen gelockert wurden – nur mit einer begrenzten Anzahl möglich.

Deshalb treffen sich die Senioren mit ihrer „Chefin“ seit dem 22. Mai zum Training im Freien. „Wir waren vollzählig, alle sind gekommen“, freut sie sich über die Resonanz. Mit Abstand natürlich, wie es die Vorschriften wollen.

Niemanden aussortieren

In der Halle hätte das Training erst später beginnen dürfen – und dann wäre auch die Teilnehmerzahl begrenzt gewesen. „Aber zu wem hätte ich sagen sollen, dass er oder sie nicht mitmachen darf? Ich will ja niemanden aussortieren. Das kommt gar nicht in Frage“, sagt Elisabeth Groß mit der Entschiedenheit, mit der sie für Dinge kämpft, die für sie eine Herzensangelegenheit sind. Und dazu gehören unter anderem „ihre“ Senioren. „Und im Freien sind wir auf der sicheren Seite.“ Nur bei Unwetter fällt die Stunde aus.

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Die Übungsleiterin hatte seinerzeit das Angebot innerhalb des TSV-Gesundheitssports, dessen Leiterin sie ist, nicht nur ins Leben gerufen, um älteren Menschen zu zeigen, wie sie richtig mit dem Rollator umgehen und das Hilfsmittel im Alltag einsetzen können. Sondern auch, um ihnen die Möglichkeit zu geben, mit anderen lebenserfahrenen Frauen und Männern in Kontakt zu kommen. Deshalb ist der Kurs – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht auf einen Zeitraum beschränkt. Er geht fortwährend einmal pro Woche übers ganze Jahr. Und die Idee hat funktioniert: Mittlerweile hat sich eine feste Gruppe gefunden, die sich prima untereinander versteht.

Und so sei die Wiedersehensfreude auch gigantisch gewesen, schwärmt Elisabeth Groß. „Alle waren begeistert, dass es endlich wieder losgeht und heilfroh, dass sie dabei sein konnten. Sie haben sich nach den Trainingsstunden gesehnt.“ Am 13. März sei die letzte gemeinsame Stunde gewesen, erinnert sie sich an die ersten Wochen des Jahres – vor Corona.

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„Seitdem habe ich mir viele Gedanken gemacht, denn im Alter ist einerseits die Gefahr der Vereinsamung sehr groß, andererseits baut die körperliche Fitness natürlich sehr schnell ab, wenn sie nicht regelmäßig gefördert wird“, weiß sie. „Als wir uns wiedergesehen haben, war das nach zehn Wochen sehr ernüchternd. Aber beim nächsten Mal ging’s schon wieder besser.“

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Die engagierte Übungsleiterin hat in der Zwangstrainingspause auch immer mit „ihren“ Teilnehmern telefoniert, „besonders mit denen, die keine Angehörigen haben“. Sie hätten die Beschränkungen ganz unterschiedlich aufgenommen: „Die einen meinen, sie seien jetzt so alt und hätten den Krieg miterlebt. Wenn das Virus sie erwische, dann sei das so“, berichtet sie. Andere seien sich bewusst, dass sie zur Risikogruppe gehörten und hätten für mehrere Wochen eingekauft, damit sie nicht aus der Wohnung müssen.

Manche haben auch gerne die Aktion „TSV hilft“ in Anspruch genommen, mit der der größte Oftersheimer Verein seiner sozialen Verantwortung, wie die Verantwortlichen erklärten, nachkommt. Einige Mitglieder haben gleich zu Beginn des Lockdowns den betroffenen Personen, die zur Risikogruppe gehören, angeboten, unter anderem für sie einzukaufen oder Medikamente abzuholen – alles kostenlos.

Risiko bei Kontaktbeschränkung

Aber so sinnvoll die Kontaktbeschränkungen im Hinblick auf eine mögliche Ansteckung mit dem Virus waren, so viel Risiko haben sie unter dem Aspekt des sozialen Miteinanders in sich geborgen. „Raus können, andere Menschen sehen – das sind Faktoren für die Gesundheit, die man nicht unterschätzen darf“, macht Elisabeth Groß die Probleme aus, die mit den coronabedingten Einschränkungen verbunden sind – und auf Untersuchungen aufmerksam, die die negativen Folgen von Vereinsamung und fehlenden Sozialkontakten festgestellt haben.

„Unser Immunsystem ist eine wichtige Waffe gegen Krankheiten und damit auch gegen Viren“, sagt sie. „Deshalb sollte es auch intakt sein.“ Das könne man erreichen, wenn man sich „einigermaßen vernünftig ernährt – dazu gehört unter anderem ausreichend Vitamin C – und regelmäßig bewegt“. In der Sonne könne man beispielsweise Vitamin D tanken. „Es ist nie zu spät anzufangen, eine meiner Teilnehmerinnen war 88 Jahre, als sie begonnen hat.“

Vor allem einen dritten Faktor macht Elisabeth Groß für ein funktionierendes Immunsystem aus: Glück und Zufriedenheit. „Ich sehe da einen ganzheitlichen Ansatz mit Körper, Geist und Seele. Mit sich selbst im Einklang zu sein, bei sich bleiben und schauen, dass es einem gut geht – dieses abgerundete Zusammenspiel sollten wir nicht unterschätzen.“ Und dazu gehören für sie auch die sozialen Kontakte und liebe Menschen.

Redaktion Lokalredaktion, zuständig für Oftersheim und Eppelheim