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Katholische Kirche

Konzept für neues Gemeindehaus vorgestellt

Architekt Stefan Brunner und Dekan Uwe Lüttinger informieren über die Pläne – Abschied vom unrentablen Josefshaus ist unvermeidlich

Von 
Hans-Peter Sturm
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Das Bild zeigt Architekt Stefan Brunner (stehend l.) vom Erzbischöflichen Bauamt und Dekan Uwe Lüttinger bei der Präsentation des aktuellen Planungsstandes. © Sturm

Oftersheim. „Wie geht es weiter mit dem Gemeindehaus?“ Mit dieser Frage eröffnete Dekan Uwe Lüttinger den Informationsabend zu diesem wichtigen Bauprojekt der Pfarrei in der Kirche St. Kilian, zu dem leider nur eine recht überschaubare Besucherzahl den Weg fand. Das Thema beschäftige die Gremien schon fast 20 Jahre, meinte Carmen Kurz-Ketterer vom Stiftungsrat. Seit 2006 bestünde Handlungsbedarf, die vom Ordinariat Freiburg geforderte Gebäudekonzeption und diverse Vorgaben mündeten bisher in zahlreiche Plankonzepte.

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„Die Rahmenbedingungen haben sich verändert wie die Finanzen: Kirchensteuermittel brechen ein, gleichzeitig explodieren alle Kosten“, führte Lüttinger aus. Was früher viele Ehrenamtliche leisteten, müsse heute über Firmen abgewickelt werden. Bei der Gebäudekonzeption ginge es um die Frage: Wo können Synergieeffekte erzielt werden? Während die evangelische Kirche gar die Einsparung von 30 Prozent aller Gebäude fordere, würde im Erzbistum immerhin mit der Basis gesprochen werden. Vom Josefshaus müsse man sich verabschieden, denn seine Unterhaltung sei nicht mehr zu bezahlen und die Vermietung unrentabel. Stattdessen solle nun das Pfarrhaus umgenutzt und ein „Begegnungsraum“ angegliedert werden. Das Konzept sei auf multifunktionale Nutzung ausgerichtet. „Ein Investor ist am Josefshaus-Gelände interessiert, denn dessen Erlös ist wichtig für die Finanzierung.“ Außerdem sei die Kirchengemeinde mit der Kommune im Gespräch wegen des Kindergartens, so der Dekan.

Planungsbüro hochmotiviert

Architekt Stefan Brunner vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg lobte sogleich das Engagement der Oftersheimer Katholiken, daher sei das Planungsbüro „hochmotiviert“, dieses Projekt zu forcieren. Bei der Erläuterung der Pläne verwies er zunächst auf die Küche, die so konzipiert sei, dass man die vorhandene Einrichtung im Josefshaus teilweise wiederverwenden könne. Der Anbau sei aus Holz konstruiert im Sinne der Nachhaltigkeit und barrierefrei, das ganze Haus klimaneutral temperiert: „Man entzieht dem Grundwasser Wärme und leitet es rund 20 Meter weiter wieder ab“, diese Variante gibt es laut Brunner schon einige Male in Oftersheim und hätte sogar einen Hauptpreis beim Klimageld erhalten. Trotz schwieriger „Sonnenausbeute“ sei auch eine Photovoltaikanlage vorgesehen.

Während auch das Erdgeschoss des Pfarrhauses barrierefrei erreichbar sei, wäre ein Aufzug in die Obergeschosse nicht zu finanzieren gewesen. Die bestehende Abschottung des Treppenhauses könne wieder entfernt werden wegen der veränderten Nutzung, das Dachgeschoss würde voraussichtlich ohnehin von den Jugendgruppen genutzt werden. Die Kosten für einen zweiten Fluchtweg habe man einsparen können durch den Einbau von Dachgauben zum „Anleitern“ im Brandfall dank Unterstützung der Denkmalbehörde. Brunners Ausführungen folgten zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum. Eine eigens gebildete „Baugruppe“ mit Vertretern der betreffenden Gruppierungen sei in den Planungsprozess eingebunden, nachdem aus den Gesprächen mit den künftigen Nutzern der Raumbedarf ermittelt worden sei. Der „Begegnungsraum“ umfasse eine Fläche von 110 Quadratmetern ohne feste Bühne. Der Raum biete an Tischen 50 bis 60 Plätze und bei Reihenbestuhlung rund 90.

Sakralraum nutzen

Bei größeren Veranstaltungen könne man ja den Außenbereich miteinbeziehen, so Lüttinger, oder einen anderen Raum anmieten; die Rückwand sei ohnehin nach draußen zum Kindergarten-Spielgelände hin, das durch die Baumaßnahme etwas verlagert werden würde. „Eine gute Raumnutzung liegt bei 19 Prozent“, so Brunner, der von den Nutzern deshalb eine zeitliche Flexibilität erwartet. „Wir sind ja auch heute mit dieser Veranstaltung hier in der Kirche – warum nicht?“, sagte Lüttinger, Glaube und Leben gehörten zusammen, und der Sakralraum sei nicht nur Gottesdiensten vorbehalten.

Die Anfrage eines Besuchers, ob im Rahmen dieses Projektes auch schon seitens der politischen Gemeinde über eine eventuelle Teilrenaturierung des Leimbachs in diesem Abschnitt nachgedacht werde, musste unbeantwortet bleiben. Zum zeitlichen Ablauf meinte Lüttinger: „Wir sind in der Genehmigungsphase, viele Gemeinden kommen gar nicht so weit.“ Nach der Genehmigung würde die Werkplanung mit den Ausschreibungen folgen, erst dann sei mit dem Baubeginn zu rechnen. Im Spätjahr sei die Kostenschätzung inklusive Preissteigerungen bei 2,5 Millionen Euro gelegen – ohne Kiga-Außengelände.

Damit fiel das Stichwort zum Thema „Fundraising“: Hans-Peter Sturm vom Gemeindeteam erinnerte an die erfolgreichen Aktionen 2008/09 zur Finanzierung der Teilerneuerung des Geläutes und der Kirchenrenovierung und warb für die erneute Bildung eines Ausschusses, um mit kreativen Ideen für das künftige Gemeindehaus Mittel zu generieren. Deshalb liegt seither auch eine Liste in der Kirche aus, in die sich interessierte Personen eintragen mögen. Er habe sich für das Projekt bei den betreffenden Stellen eingesetzt, weil hier eine lebendige Gemeinde sei, so der Dekan. Daher sei es sein Wunsch, dass man sich auch gemeinsam für das vorgestellte Konzept engagiere, denn „entweder so oder gar nicht – wenn wir es jetzt nicht anpacken, dann wohl nie mehr“. Hans-Peter Sturm

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