Bildung - Fernunterricht hat sich an beiden Grundschulen größtenteils eingespielt / Notbetreuung wird wenig genutzt / Fehlendes Wlan sorgt für Probleme Livestreams in der Notbetreuung in Oftersheim nicht möglich

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Benjamin Jungbluth
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Auch Oftersheimer Kinder – hier ein Symbolbild – gehen in die Notbetreuung. Das Problem in den beiden Schulen: Es gibt kein kabelfreies Internet, die Schüler können die Livestreams ihrer Klassen nur teilweise mitverfolgen. © dpa

Oftersheim. Über Schule und Digitalisierung wird seit dem ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres viel geredet. Den meisten geht es dabei nicht schnell genug: Deutschland sei immer noch Schlusslicht im Vergleich zu anderen Ländern. Doch wenn man sich am Ort des Geschehens umhört, ergibt sich ein differenzierteres Bild: An beiden Oftersheimer Schulen läuft der digitale Unterricht weitestgehend gut - nur beim Wlan in den Schulgebäuden herrscht noch Verbesserungsbedarf.

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Direkt nach den Weihnachtsferien hakte es auch in der Hardtgemeinde mitunter ganz grundsätzlich an der Stabilität der Internetverbindungen (wir berichteten), doch diese landesweit auftretenden Startschwierigkeiten bei der Onlineplattform für Schulen scheinen inzwischen behoben zu sein. „Wir haben da keine Probleme mehr, vielleicht auch, weil nicht mehr alles so geballt abläuft wie am Anfang“, erklärt Alexa Schäfer, Rektorin der Theodor-Heuss-Schule (THS).

Nur ein Teil des Konzepts

„Weil Grundschüler zwar durchaus mit neuen Medien arbeiten können, aber naturgemäß in einem geringeren Umfang als ältere Schüler, stellt der digitale Unterricht ohnehin nur einen Teil unseres pädagogischen Konzepts dar. Für die ersten beiden Klassenstufen geht es vor allem darum, trotz Kontakteinschränkungen die Mitschüler und Lehrer per Livestream zu sehen. Die dritten und vierten Stufen können dann schon täglich bis zu eine Stunde Videokonferenzen mit größeren Lerninhalten abhalten“, sagt Alexa Schäfer.

Ähnlich läuft es an der Friedrich-Ebert-Grundschule (FES). Auch dort hat sich der Unterricht per Computer gut eingespielt. „Der Einsatz von Tablets sieht nicht nur Livestreams vor, sondern auch Lernvideos, die von den Lehrern erstellt und von den Schülern zu beliebigen Zeiten angesehen werden können“, erklärt Rektorin Alexandra Brake. „Außerdem kommen klassische analoge Lernmittel zum Einsatz: Die Schüler können sich regelmäßig Lernpakete in der Schule abholen, natürlich mit Abstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln. Aber so sehen sich Schüler und Lehrer auch ,in echt’ regelmäßig, was sehr wichtig ist“, findet die Pädagogin.

Noch engerer Kontakt zu Lehrern

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Einen noch engeren persönlichen Kontakt zu ihren Lehrern haben die Kinder, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Anders als zu Beginn der Schulschließungen müssen die Eltern in Baden-Württemberg dabei nicht mehr nachweisen, dass sie auf der Arbeit tatsächlich unabkömmlich sind. Bei den Oftersheimer Kitas hat das inzwischen schon fast absurde Züge angenommen: Hauptamtsleiter Jens Volpp berichtete in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, dass teilweise fast 100 Prozent aller Kinder die Notbetreuung in Anspruch nehmen würden (wir berichteten).

Davon sind die beiden Schulen der Hardtgemeinde jedoch weit entfernt. An der FES nutzen derzeit 35 Kinder das Notangebot, was etwa zwölf Prozent der Schüler entspricht. An der THS sind es 22 Kinder, was etwa den gleichen Prozentsatz bedeutet. „Wir haben wirklich sehr verantwortungsbewusste Eltern, die alles versuchen, um ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Und alle Familien, die trotzdem die Notbetreuung in Anspruch nehmen müssen, haben sogar erneut eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers vorgelegt - obwohl das gar nicht mehr vorgeschrieben ist“, sagt THS-Schulleiterin Alexa Schäfer.

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Dennoch entstehen durch das Angebot einer Vor-Ort-Betreuung an beiden Schulen zwei neue Probleme: Weil weder die THS noch die FES über kabelfreies Internet verfügen, können die Schüler in der Notbetreuung die Livestreams ihrer Klassen nur teilweise mitverfolgen. Und gleichzeitig können die Lehrer nur eingeschränkt im Schulhaus arbeiten. „Auch ich als Rektorin muss derzeit regelmäßig zwischen meinem Büro und meinem Zuhause pendeln: Ich muss ja in der Schule vor Ort und ansprechbar sein, aber wenn ich eine Videokonferenz halten will, geht das dort nicht“, beschreibt Alexa Schäfer die komplizierte Situation.

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An der FES sieht es nicht besser aus, auch wenn sich Schulleiterin Alexandra Brake in ihrem Büro immerhin per Kabel mit dem Internet verbinden kann. „Wir haben von der Gemeinde und dem Land tolle Tablets von Apple bekommen und zusätzlich gerade noch einmal über die Hopp Foundation weitere Geräte bestellt. Aber im Schulgebäude selbst können wir sie nur eingeschränkt einsetzen - das ist der kleine Wermutstropfen, der trotz des großen Engagements von allen Seiten bleibt“, sagt Alexandra Brake. Gerade mit Hinblick auf das Ende der Pandemie sei das keine sinnvolle Lösung: Dann würden die Tablets weniger für den Heimunterricht benötigt, sondern für reguläre Stunden in den Klassenräumen.

Beim Schulträger weiß man um das Problem - und kann doch nur einer der beiden Bildungseinrichtungen Hoffnung auf eine schnelle Lösung machen. „Bei der Friedrich-Ebert-Schule werden wir voraussichtlich noch diese Woche beginnen, die Internet- und Wlan-Kapazitäten des benachbarten Rathauses ,anzuzapfen’. Das ist eine pragmatische und zeitnah umsetzbare Lösung, die schon viel verbessern wird“, verspricht Bürgermeister Jens Geiß.

Für die THS hat er hingegen noch keine guten Nachrichten. „Dort werden wir das Problem zwar bei der laufenden Brandschutzsanierung grundlegend angehen, weil sämtliche Elektrotechnik neu verlegt und auf den neuesten Stand gebracht wird. Aber wir werden im April erst die Ausschreibung starten können“, meint Geiß.

Eine schnelle Lösung sei nicht möglich: Die massiven Betonwände und Betondecken des 1970er-Jahre-Baus machten die Übertragung mit einfachen Wlan-Routern unmöglich. „Wir haben zwar versucht, mit einer Mobilfunklösung zu arbeiten, aber das hat nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Jetzt müssen wir abwarten, bis die große Lösung im Laufe der Sanierung umgesetzt werden kann“, dämpft Bürgermeister Jens Geiß die Erwartungen.

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.