Heimat- und Kulturkreis - Zeitzeugen berichten in neuer Dokumentation von ihren Erfahrungen / Ein Stück Gegenwart für die Zukunft konserviert Momentaufnahme einer lebendigen Gemeinschaft

Von 
Julia Zent
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Bürgermeister Jens Geiß (v. l.), Gerhard Frei und Dieter Burkard geben in gemütlicher Kaffeerunde erste Informationen zur neuen Dokumentation über Oftersheim, in der die Frage thematisiert wird: Was ist eigentlich Heimat? © Zent

Oftersheim. Was bedeutet eigentlich Heimat? Es ist ein spannender Begriff. Ein Begriff, der in den letzten Monaten häufig aus allen möglichen Perspektiven und nicht selten hitzig diskutiert wurde. Nicht immer muss Heimat der Ort sein, in den man hineingeboren und in dem man sozialisiert wurde. Der Heimat- und Kulturkreis wollte herausfinden, was die Bürger der Gemeinde mit Oftersheim verbinden. In dem neuen Dokumentarfilm „Heimat: Oftersheim – Ein deutsches Dorf erzählt“ von Florian Frei wird der Heimatbegriff aus Sicht der Oftersheimer beleuchtet.

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Schon seit einiger Zeit trieb die Vorstandsmitglieder des Heimat- und Kulturkreises, Dieter Burkard und Gerhard Frei, der Gedanke um, das festzuhalten und für spätere Generationen zu bewahren, was die Menschen über diesen Ort wissen und dort erlebt haben. Dafür sollten Zeitzeugen in Interviews befragt werden.

Immer ein Gesicht zur Geschichte

Wie Burkard und Frei beim Gespräch mit unserer Zeitung erzählten, war vor etwa zwei Jahren zunächst der Plan, lediglich Tonaufzeichnungen anzufertigen. „Mein Sohn Florian, er ist Drehbuchautor, sagte dann, dass solch ein Hörprotokoll letztlich nur in der Schublade landen würde“, erinnert sich Frei. „Du musst immer ein Gesicht zeigen, hat mein Sohn gesagt.“ Und so war für die beiden Heimatkundler die Schlussfolgerung, dass ein Film letztlich die beste und nachhaltigste Variante wäre, Geschichte und Geschichten zu dokumentieren.

Somit wurde Florian Frei als Regisseur und Produzent eingesetzt– das Konzept des Films war dann rasch erstellt. Bevor es jedoch an die Dreharbeiten gehen konnte, mussten noch organisatorische Dinge geklärt werden, etwa die Finanzierung. Nach der Zustimmung des Gemeinderats wurde dann ein Teil der Kosten aus der Gemeindekasse übernommen. Auch Sponsoren unterstützten die Filmproduktion finanziell, wofür Frei und Burkard sich sehr dankbar zeigen.

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Die Dokumentation in Spielfilmlänge, die schließlich in Kooperation mit der Gemeinde entstand, variiert thematisch, ist aber zumindest zeitlich gerahmt zwischen 1945 und heute. Was ist seit Kriegsende in Oftersheim passiert? Welche Erfahrungen haben Zeitzeugen in dem Ort gemacht? Menschen, die nach Oftersheim gekommen sind, Menschen, die irgendwann woandershin gegangen sind sowie jene, die schon immer hier lebten, kamen in der Dokumentation zu Wort. „Das Gesprochene steht in diesem Film definitiv im Mittelpunkt. Aber auch Drohnenaufnahmen vom Ort wurden gemacht“, sagte Frei.

Zu den insgesamt 20 Interviewten zählen zum Beispiel Weitspringerin und deutsche WM-Hoffnung Malaika Mihambo oder Regionalhistoriker Hans-Peter Sturm. Zugezogene wie ein Italiener, der in den 1960ern Jahren nach Oftersheim kam, oder eine türkische Familie, die hier in den 1980ern Jahren einen Gemüseladen betrieb, erzählen in der Dokumentation ebenso von ihren Erfahrungen.

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Auch Alt-Bürgermeister Siegwald Kehder, sein Nachfolger Helmut Baust sowie der aktuelle Amtsinhaber Jens Geiß gehören zum Kreis der Interviewten.

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Als die Oftersheimer Filmemacher Bürgermeister Geiß vor zwei Jahren die Idee eines Filmprojekts über Oftersheim vorgestellt haben, war er davon sofort sehr angetan, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtete. „Der Heimat- und Kulturkreis leistet hier eine tolle Arbeit bei der Beleuchtung des geschichtlichen Horizonts unserer Gemeinde.“

Spannend und zeitintensiv

Geiß konnte sich noch gut an das Interview erinnern, das mit ihm geführt worden ist. Spannend, aber zeitintensiv war es. Bis kurz nach 22 Uhr haben die Chronisten gefilmt – nicht zu unterschätzen seien solche Dreharbeiten. Gesehen hat er den fertigen Streifen übrigens noch nicht. „Ich freue mich aber sehr auf die Premiere im Oktober und bin überzeugt, dass er gut wird“, zeigt sich das Gemeindeoberhaupt zuversichtlich.

Auch Gerhard Frei sieht das so. „Die Filmvorführung soll dann zugleich auch der Start für einen Gesprächskreis mit Oftersheimern werden“, sagte er. Jeder kann dann über den Film hinaus seine persönlichen Erfahrungen und Gedanken mitteilen. „Das Projekt soll sich weiterentwickeln, es ist ein dynamischer Prozess angedacht“, fügte Dieter Burkard hinzu.

Ein lebendiger Austausch zwischen Jung und Alt soll auf diese Weise im besten Fall entstehen. Ganz nach dem Motto einer gelebten Gemeinschaft.