Schöffengericht: Drogendeal in der Ortsmitte / Ein Jahr und drei Monate für 24-Jährigen Oftersheimer nach Drogendeal in Ortsmitte verurteilt

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Volker Widdrat
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Wegen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln musste ein 24-jähriger Oftersheimer vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Schwetzingen erscheinen. © DPA

Oftersheim/Schwetzingen. Wegen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln musste jetzt ein 24-jähriger Oftersheimer vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Schwetzingen erscheinen. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Mann war am Sonntag, 29. November, auf frischer Tat von einer Polizeistreife bei einem Drogendeal ertappt worden. Die Polizei hatte den Vorfall damals erst auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt.

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Die Beamten waren gegen 16 Uhr zufällig in der Ortsmitte auf den wohnsitzlosen 24-Jährigen aufmerksam geworden. Passanten hatten seine Bemühungen, sich zu verstecken, vereitelt und den Polizisten Tipps gegeben hatten, in welche Richtung der Mann gerade gelaufen war. Einen Rucksack hatte er unterwegs weggeworfen. Der Fluchtversuch hatte schließlich in der Mannheimer Straße geendet.

Die Staatsanwaltschaft hat dem Deutschen mit ägyptischer Abstammung zur Last gelegt, Betäubungsmittel in nicht geringer Menge besessen und verkauft zu habe. Er habe sich so eine sichere Einnahmequelle verschaffen wollen. Bei der Festnahme hatte der 24-Jährige rund 80 Gramm Marihuana und einen Geldbetrag von 530 Euro dabei. Das Drogengeschäft hätte an der Ecke Bismarckstraße und Mozartstraße abgewickelt werden sollen.

Der Angeklagte machte Angaben zu seiner Person. Er habe die Schule abgeschlossen, verschiedene Praktika absolviert und ehrenamtlich in einer Asylunterkunft gearbeitet. Im Januar vergangenen Jahres sei ihm aber das Ausbildungsverhältnis gekündigt worden: „Weil die Polizei wegen Drogen an meinem Arbeitsplatz auftauchte.“ Deshalb sei er auch bei seinen Eltern in Oftersheim rausgeflogen. In der nächsten Zeit habe er ohne festen Wohnsitz von einer Abfindung von 1000 Euro gelebt. Er konsumiere schon seit 2015 Drogen, räumte der 24-Jährige ein. Meistens acht bis zehn Gramm Marihuana pro Tag: „Ab und zu habe ich auch Speed gezogen.“ Im August 2020 sei ihm auch der Job bei einer Leiharbeitsfirma gekündigt worden. Dadurch habe es „weiteren Stress“ mit den Eltern gegeben.

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Sein Mandant räume den Tatvorwurf in vollem Umfang ein, erklärte Verteidiger Stefan Allgeier. Er habe die Drogen zum Eigenkonsum und für den Verkauf mit sich geführt: „Es hing davon ab, wem er an diesem Tag noch begegnen sollte.“

Drogen vor Supermarkt gekauft

Ein 28-jähriger Polizeibeamter hatte den Beschuldigten in der Nähe der Sparkasse beobachtet. Der vermeintliche Käufer sei der Streife aber nicht bekannt gewesen. Als dieser merkte, dass der Drogendeal beobachtet wird, sei er plötzlich weggerannt. Der Beamte nahm die Verfolgung auf, Zeugen hätten ihm den Aufenthaltsort des Beschuldigten zugerufen, so der Polizist. Der 24-Jährige habe nach seiner Festnahme ausgesagt, dass er etwa 30 Gramm Marihuana zuvor bei einem Nigerianer in der Nähe eines Supermarktes in der Scheffelstraße in Schwetzingen erstanden habe. Der Kontakt sei telefonisch zustande gekommen.

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Ein 49-jähriger Sachbearbeiter der Polizei berichtete, dass der Angeklagte die Drogen für seinen Lebensunterhalt habe verticken wollen. Die 1000 Euro Abfindung hätten ihm nicht zum Leben gereicht, habe er angegeben. Auf weitere Zeugen verzichtete das Gericht. Der Auszug aus dem Bundeszentralregister zeigte sieben Einträge, vorwiegend wegen Diebstahls und Vergehen mit Betäubungsmitteln.

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Die nicht geringe Menge an Marihuana habe eine hohe Qualität gehabt, führte der Vertreter der Staatsanwaltschaft aus und forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Der junge Mann zeige „an sich einigermaßen gute Voraussetzungen“. Er habe auch schon bewiesen, „dass er eine Ausbildung durchhalten kann“.

Verteidiger Stefan Allgeier sah den 24-Jährigen „auf dem richtigen Weg“. Er wolle so schnell wie möglich neue Bewerbungen schreiben und sei bereit, wieder zu arbeiten. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft sei angemessen, die Bewährung gerechtfertigt.

Das Schöffengericht urteilte auf ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. „Freuen Sie sich nicht zu früh“, warnte die Vorsitzende Richterin Sarah Neuschl den Angeklagten. Er sei mit dem Geständnis gut beraten gewesen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Der 24-Jährige wird einem Bewährungshelfer unterstellt und muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er muss regelmäßig zur Suchtberatung und alle zwei Monate nach Aufforderung ein Drogenscreening durchführen lassen.

Und er muss wieder bei seinen Eltern einziehen. Sollte er die Auflagen nicht erfüllen, müsse er ins Gefängnis, sagt die Richterin. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die anwesende Schwester durfte den 24-Jährigen mit nach Hause nehmen.

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