TSV-Übungsleiterin hofft auf schnellen Neustart beim Rehasport

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Von Anette Zietsch
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Auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (r.) schaute bei den Senioren auf dem TSV-Gelände vorbei und lobte das Engagement von Elisabeth Groß (l.). © Lenhardt

Oftersheim. Zu den Leidtragenden der aktuellen Corona-Verordnung gehören unter anderem die Breitensportler, die in Klubs und in Gruppen organisiert sind. Ausnahmen jedoch erlaubt die Regelung des baden-württembergischen Kultusministeriums unter der Leitung von Susanne Eisenmann, die ja im Sommer die Rollatorengruppe des TSV 1895 Oftersheim auf dem vereinseigenen Gelände besuchte: Neben Ergo- und Physiotherapie darf auch Rehasport theoretisch stattfinden. Allein an der praktischen Umsetzung hapert es - denn derzeit sind die Hallen geschlossen.

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Das kann Elisabeth Groß, die engagierte TSV-Übungsleiterin, zwar einerseits aus Sicht der Verwaltung nachvollziehen. Zumal die Gemeinde Oftersheim, die die Hallen zur Verfügung stellt, handelt wie viele andere Kommunen. Auf Nachfrage hat ihr der Badische Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) mitgeteilt, dass derzeit nur rund zehn Prozent der Angebote stattfinden, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Situation bereitet Kopfzerbrechen

Aber dennoch bereitet ihr der Umstand auch Kopfzerbrechen. Denn bei aller berechtigten Sorge über die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus, der besonders ältere Menschen mit Vorerkrankungen oder Senioren - also die Klientel des Rehasports - ausgesetzt sind, gibt Elisabeth Groß zu bedenken: „Patienten, die nach einem Schlaganfall, einer Krebserkrankung oder einer Herzoperation aus der Akutversorgung eines Reha-Aufenthalts kommen, sind relativ fit. Um diesen körperlichen Zustand zu erhalten, müssten sie eigentlich direkt im Anschluss mit Rehasport weitermachen. Wir bieten dafür ja spezielle Gruppen an.“ Die wenigsten Teilnehmer seien so motiviert, dass sie regelmäßig die Übungen von sich aus weitermachen, weiß sie aus Erfahrung. „Ich habe noch nie so sehr wie seit Beginn der Corona-Pandemie bedauert, dass wir vom TSV keine eigene Halle haben“, meint Elisabeth Groß.

Die Livestreams aus dem ehemaligen Awo-Café im Siegwald-Kehder-Haus (wir berichteten) seien zwar ein Anfang und würden auch ganz gut angenommen, freut sie sich. „Ich bin heilfroh, dass wir wenigstens diese Möglichkeit haben, aber das reicht nicht aus. Weil nicht alle unsere Senioren einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone zu Hause haben, fallen die schon mal raus.“ Deshalb richtet sie einen dringenden Appell an die Kinder oder Enkel, sie mögen den Eltern oder Großeltern technische Hilfestellung leisten, soweit die Voraussetzungen dafür gegeben sind.

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Immer wieder betont die Übungsleiterin, wie wichtig die sozialen Kontakte durch die persönlichen Treffen, gerade beim Rehasport, für Menschen sind - das gelte insbesondere für die ältere Generation, die nicht mehr so mobil ist. Sie beschreibt den Teufelskreis, in den die Menschen schnell geraten können: „Wenn ich nichts zu tun, keinen strukturierten Tagesablauf habe, stehe ich später auf, lasse alles geschehen.“

Seelische Folgen

Das bedeutet keinesfalls, dass sie die Infektionsgefahr als körperliches Gesundheitsrisiko außen vor lässt, vernachlässigt würden bei dieser ausschließlichen Betrachtung aber seelische Folgen durch die Isolation. „Das ist eine Gratwanderung und Abwägungssache“, gesteht sie den Spagat. Einstweilen versucht sie, wenigstens auf konventionellem Weg - also mit Anrufen - in Kontakt mit den Teilnehmern zu bleiben. Das Ziel von Elisabeth Groß ist, so schnell wie möglich mit den Senioren wieder ins Freie zu gehen - wenn es die Corona-Verordnung und vor allem das Wetter zulassen, denn: „Im Freien kann man auf Abstand gehen und die Ansteckungsgefahr ist viel geringer.“

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Unde3 schließlich untermauert sie ihre ganzheitliche Sichtweise mit der Evolutionsentwicklung: „Der Mensch lebt seit etwa einer Million Jahren auf dieser Welt. Seither hat ihm beim Überleben immer ein intaktes Immunsystem geholfen. Dazu trägt Bewegung in einem erheblichen Maß bei“, macht sie deutlich, wie wichtig die regelmäßigen Übungsstunden sind. „Bewegung baut die Muskulatur auf und erhält sie, der Körper wird mit Sauerstoff versorgt.“ Auch ausreichend Vitamin C und D gehörten dazu, um die Gesundheit zu erhalten - nicht zu vergessen Geselligkeit und kleine Berührungen: „Und das geht eben nur im persönlichen Kontakt.“

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Elisabeth Groß schließt mit einem Plädoyer: „Ganz wichtig sind auch lachen und glücklich sein. Nutzen Sie Ihre Energie, um positiv zu denken und positiv durchs Leben zu gehen. Negative Gedanken schwächen das Immunsystem. Deshalb sollten wir uns alle etwas suchen, was uns positiv motiviert. Das ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig.“

Eine Grafik mit den aktuellen Coronazahlen gibt's hier:

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