Auswirkungen der Pandemie - 60 junge Menschen aus Deutschland und Frankreich debattieren online / Auch Vanessa Palumbo aus Oftersheim ist dabei Was Corona für Grundfreiheiten bedeutet

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Vanessa Palumbo
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Vanessa Palumbo nimmt in ihrer Wohnung an einem deutsch-französischen Jugendaustausch zur Corona-Pandemie teil – selbst-verständlich digital in diesen Zeiten. Auf ihrem Bildschirm sind andere Teilnehmer zu sehen. © Palumbo

Oftersheim. Unter dem Motto „Von Jugendlichen für Jugendliche“ organisiert das Europäische Jugendparlament Deutschland (EJP) jährlich verschiedene Sitzungen, bei denen junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern Europas zusammenkommen, um gemeinsam über aktuelle politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen.

Zur Person und EJP-Infos

Vanessa Palumbo ist 19 Jahre.

Sie studiert derzeit in Berlin, kommt aber aus Oftersheim.

Weitere Informationen über das EJP und Möglichkeiten, sich einzubringen: https://www.eyp.de/de/ueber-uns/mitmachen/schueler- studenten

Newsletter über aktuelle Sitzungen per E-Mail bekommen: mitmachen@ eyp.de zg

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Als besonderes Ereignis fand zuletzt der dreitägige deutsch-französische Jugendaustausch #Ensemble statt, an dem ich die Möglichkeit hatte, teilzunehmen. Organisiert durch das Europäische Jugendparlament Deutschland sowie Frankreich und das Deutsch-Französische Jugendwerk stand die bilinguale Sitzung unter dem Thema der Corona-Pandemie. Als sogenannte Delegierte nahmen mehr als 60 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich an der Konferenz teil und tauschten sich in verschiedenen deutsch- und französischsprachigen Arbeitsgruppen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben von Jugendlichen in Europa aus.

Grenzen überwinden

Nicht nur für mich persönlich, die das erste Mal an einer Sitzung des EJP teilnahm, sondern auch für die Organisatoren selbst war diese Sitzung eine ganz besondere. Aufgrund der aktuellen Lage war ein persönliches Zusammentreffen der Teilnehmer nicht möglich und so verbrachte jeder von uns, verbunden durch seinen Computer, die dreitägige Sitzung zu Hause.

Vor Beginn der Konferenz fragte ich mich, wie es wohl werden würde, wenn sich über 60 Jugendliche online treffen, ohne sich vorher zu kennen. Wird es klappen, sich auf diese Distanz über solche komplexen Themen auszutauschen und das auch noch in einer anderen Sprache?

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Diese Sorgen wurden mir jedoch bei Beginn der Konferenz schnell genommen. Im Sinne des deutsch-französischen Mottos stellte der Auftakt eine Podiumsdiskussion zwischen Juliane Seifert, der deutschen Staatssekretärin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie ihrer französischen Kollegin Sarah El Haïry dar.

Welche Auswirkungen hat die Covid-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen? Wie verändert die Krise den Arbeitsmarkt und was können wir aus den vergangenen Monaten für die Reformation unseres Bildungssystems lernen?

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Während der Diskussion stellten sich die Politikerinnen den Fragen der Delegierten und stimmten die Teilnehmer auf die verschiedenen Themen ihrer Arbeitsgruppen ein. Dass mit Hinblick auf die durch die Pandemie begünstigte soziale Isolation in der Gesellschaft „die Organisation von Jugendaustauschen in Europa wichtiger denn je ist“, darin waren sich die beiden Politikerinnen einig.

Delegierte verfassen Resolutionen

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Im Anschluss an die Podiumsdiskussion ging es los mit der Arbeit in den verschiedenen Teams. Ich hatte mich für das Thema „Libertés fondamentales“, also „Grundfreiheiten“, entschieden und war damit Teil einer französischsprachigen Gruppe. Als Team, bestehend aus insgesamt acht Delegierten aus Deutschland und Frankreich, untersuchten wir die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die im Gesetz verankerten Grundfreiheiten und diskutierten das Gleichgewicht zwischen der Achtung eben dieser und der notwendigen Etablierung von einschränkenden Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Das Ziel aller Arbeitsgruppen, die sich unter anderem auch mit den Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen, den Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem befassten, stellte das Verfassen einer Resolution dar. In dieser schrieben die Delegierten Handlungsempfehlungen nieder, um den von ihnen aufgeworfenen Problemen entgegenzuwirken.

Der letzte Tag der Konferenz war auch ihr Höhepunkt, denn nun durften die deutsch-französischen Gruppen ihre eigenen Resolutionen in der Vollversammlung vorstellen und über die Verabschiedung der anderen abstimmen. Dabei wurden gegebene Handlungsempfehlungen kritisch hinterfragt, hitzig diskutiert und emotional verteidigt. Ich fand es toll zu sehen, wie schnell dabei die manchmal auftretenden Sprachbarrieren in den Hintergrund rückten, indem wir uns gegenseitig sprachlich unter die Arme griffen, wodurch – trotz der intensiven Debatten und so mancher Kontroverse – das #Ensemble immer im Mittelpunkt der Konferenz stand.

Aktiv werden und Politik erleben

Ob als einzelner Schüler, als ganze Schulklasse oder als Student – die Sitzungen des Europäischen Jugendparlaments Deutschland stehen allen Jugendlichen offen. Jeder kann als „Delegierter“ an einer Sitzung teilnehmen und anschließend sogar selbst bei der Organisation einer Konferenz aktiv werden. Die dabei verabschiedeten Resolutionen werden an die Schirmherren der jeweiligen Konferenz weitergegeben und setzen somit ein klares Zeichen der Meinung der Jugend zu aktuellen Themen.

Neben der Möglichkeit, Kontakte zu Jugendlichen aus ganz Europa zu knüpfen, bekommt man durch das EJP die Chance, sich mit aktuellen Themen zu beschäftigen, neue Ideen zu entwickeln und Politik hautnah zu erleben.