Heimat- und Kulturkreis - Maibaumaufstellung und Museumstag entfallen wegen der Corona-Krise / Erinnerungen an vergangenes Jahr „Würden gern wieder loslegen“

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Volker Widdrat
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In der Scheune ist 2019 viel über die alten Handwerksberufe zu erfahren – da lässt es sich gut verweilen. © Volker Widdrat

Oftersheim. Der Wonnemonat ist da – und am Brunnen vor dem Rathaus fehlt der Maibaum! „Janosch“ und „Donna“, die beiden kräftigen Pferde, die immer den mit bunten Bändern und den Zunftzeichen verzierten Baumstamm herangezogen haben, bleiben an diesem Donnerstagabend im Stall.

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Die Feuerwehrleute um Kommandant Rüdiger Laser brauchen den schweren Stamm nicht in die Senkrechte zu hieven. Die „Marsch-Mellows“ des Musikvereins müssen ihre Instrumente eingepackt lassen. Für die schönen Mailieder gibt es kein Publikum. Und auch die Tanzgruppe der Böhmerwaldjugend dreht sich nicht zur Polka im Kreis. Das traditionelle Maibaumstellen fällt aus.

Das Coronavirus hat dem Heimat- und Kulturkreis (HuKO) einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Wir bedauern sehr, dass wir absagen mussten. Aber wir sind genauso wie andere Vereine in dieser Situation gefangen“, sagt der Vorsitzende Dieter Burkard. Noch schwerer wiege der Ausfall des Museumstages am 1. Mai. Die beliebte Veranstaltung in den alten Gehöften in der Mannheimer Straße 59 und 61 habe dem Verein stets ein kleines finanzielles Polster verschafft. „Das gibt uns immer etwas Luft für weitere Aktionen des Heimat- und Kulturkreises, die bezahlt werden müssen“, so Burkard.

Der im März 1983 ins Leben gerufene Verein veranstaltete 1987 seinen ersten Museumstag. „Einmal im Jahr sollten die Oftersheimer ihr Museum sehen“, meinte Gründungsmitglied Altbürgermeister Siegwald Kehder dazu. Der Museumstag am 1. Mai war immer ein besonderer Besuchermagnet, auch im vergangenen Jahr, als wegen des Teileinsturzes der Scheunenwand nicht alle Bereiche der ehemaligen bäuerlichen Anwesen freigegeben werden konnten.

Exponate zum Spargelanbau

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Zahlreiche Besucher schauten interessiert zu, als „Donna“ und „Janosch“ wie früher in der Dorfschmiede die Hufe beschlagen wurden. Eine Sonderausstellung mit Leihgaben vom Karl-Wörn-Haus zeigte Exponate zum Spargelanbau. Fachmann Karl-Heinz Söhner präsentierte in einem geschichtlichen Exkurs vom Beginn des Kaiserreichs bis zur Gründung der Bundesrepublik Banknoten aus den Jahren von 1871 bis 1949. In der Scheune erfuhren die Gäste wieder viel über alte, zum Teil schon ausgestorbene Handwerksberufe.

Kinder und Eltern durften sich im Hof mit der langen Baumsäge am dicken Holzstamm versuchen. Im Museum war das alte Schlafzimmer der Eheleute Irona und Eugen Zipf zu sehen. Im Obergeschoss der Scheune waren Spinntechnik, Weben und Zigarrenwickeln zu bewundern. Die Frauen des Arbeitskreises „Volkskunde und Brauchtum“ bastelten und spielten mit den Kindern.

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Die jüngsten Gäste des Museumstages kommt die Absage bestimmt hart an. Die Kinder hatten immer einen Riesenspaß. Mit der Malaktion „Ofdasche in deinen Farben“ hat der HuKO den Kleinen zumindest eine der vorgesehenen Aktivitäten angeboten (wir berichteten). Bis Sonntag, 17. Mai, können die Nachwuchskünstler ihre Werke, die über die Homepage des Vereins ausgedruckt werden können, abgeben und einen der schönen Preise gewinnen.

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Beim Museumstag hat das Wetter meistens gepasst. Die Helfer in Küche und Cafeteria hatten alle Hände voll zu tun. Die Bänke und Tische im Museumshof waren immer voll besetzt. Das Anwesen Mannheimer Straße 59 gehört seit 1972 der Gemeinde. Im ehemaligen Pferdestall wurde zunächst eine Sammlung heimatgeschichtlicher Gegenstände eingerichtet. 1982 kam das Nachbaranwesen Mannheimer Straße 61 dazu. Ab 1986 wurde der Museumsbereich wesentlich erweitert. Im Wohnhaus befindet sich eine bäuerliche Wohnung um 1930 mit Sattlerwerkstatt. Im zweiten Obergeschoss dokumentiert die Katscher Stube die Geschichte der Heimatvertriebenen aus Katsch (Serbien).

Das frühere Stallgebäude ist ausschließlich der Ortsgeschichte gewidmet. Einen besonderen Teil bildet die römische Geschichte Oftersheims. Dieser Bereich soll neu gestaltet werden, teilt Burkard mit. Beide Gebäude sollen den Charakter eines Museumsrundgangs bekommen. Geplant sind Wegweiser zur Landwirtschaft, zum Forstbereich, zum Tabakanbau und zur Ortsgeschichte. Leider könne man derzeit nicht ins Archiv nach Schwetzingen, bedauert der Vorsitzende. Dort gebe es einiges an Material, das für die Umgestaltung des Museums wichtig sei.

Eine neue Schulstube im Obergeschoss hätte eigentlich bald präsentiert werden sollen. „Diese Arbeiten müssen nun leider ein bisschen warten“, meint Burkard. Er sei gespannt, wie es dieses Jahr noch weitergeht. Was wird mit der Hobbykünstler-Ausstellung am dritten Oktober-Wochenende in der Kurpfalzhalle und der traditionellen Kerwe? „Das ist besonders wichtig für unser Selbstverständnis und die Außenwirkung des Vereins“, meint der Vorsitzende, der „vorsichtig optimistisch“ auf die Durchführung des kunsthandwerklichen Weihnachtsmarktes am letzten November-Wochenende hofft. Er könne aber leider auch nicht ausschließen, dass diese beliebte Veranstaltung mit Kinderprogramm ebenfalls noch abgesagt werden muss.

Alles auf niedriger Flamme

Zurzeit absolviert der Verein mit seinen über 500 Mitgliedern auch keine Vorstandssitzungen mehr. Ein „harter Kern“ halte telefonischen Kontakt und treffe sich ab und zu „mit Abstand“ im Büro in der Mannheimer Straße 59. „Alles aber auf niedriger Flamme, im Vordergrund steht der Schutz vor dem Coronavirus“, versichert Burkard und appelliert an die Fans des Heimat- und Kulturkreises: „Wir wollen nicht jammern. Das Schicksal teilen gerade viele Vereine. Es liegt nicht an uns. Wenn wir könnten, würden wir sofort wieder loslegen. Halten Sie uns bitte die Treue, blicken Sie mit uns erwartungsvoll auf das zweite Halbjahr und freuen Sie sich schon auf den 1. Mai im nächsten Jahr!“

Info: Mehr Bilder aus dem vergangenen Jahr gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de