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Flutkatastrophe

„Ahrschipper“ heiraten: Aus tatkräftiger Hilfe wurde wahre Liebe

„Ahrschipper“-Organisator Joe Herrmann heiratet seine Sabine. Bis zum 23. Oktober machen die beiden Helfer deswegen eine Pause - dann werden sie allerdings wieder gebraucht.

Von 
Catharina Zelt
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Plankstadt. Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer – und die freiwilligen Helfer im Ahrtal weniger. „Dabei gibt es dort noch so viel zu tun“, betonen Joe Herrmann und seine Verlobte Sabine, die mit den „Ahrschippern“ seit Monaten in den Flutgebieten mit anpacken. Während der Strom stellenweise wieder funktioniert, gibt es immer noch kein fließendes Wasser. Der Winter steht vor der Tür und damit auch die Ungewissheit für viele Betroffene.

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„Jetzt ist wichtig, dass wir die Häuser winterfest bekommen“, erklärt Sabine Seitz. Eines der größten Probleme sei, dass es auch rund drei Monate, nachdem die Wassermassen zahllose Existenzen weggespült haben, immer noch keinen Verteilerschlüssel gibt. Viele Spenden sind deshalb bisher gar nicht bei den Betroffenen angekommen. Was allerdings sehr wohl ankommt, ist die Hilfe der Kurpfälzer „Ahrschipper“. Sie brechen Fliesen von der Wand, stellen Rigipsplatten und helfen beim Renovieren. Besonders häufig sind sie in Mayschoß im Einsatz – und sehen mittlerweile den Fortschritt. Das Hotel „Lochmühle“ glich einer Ruine, als die „Ahrschipper“ das erste Mal vor Ort waren. Langsam werden die Schuttberge weniger, das Hotel nimmt wieder Form an. Ihnen ist auch wichtig zu betonen, dass sie zwar die Fahrten und Einsatzorte organisieren, ohne die vielen freiwilligen Helfer und Mitorganisatorin Beatrice Adam aber gar nichts gehen würde. „Wir sind als Fremde zusammen hochgefahren und als Freunde zurückgekommen“, fassen die beiden ihre Erlebnisse zusammen. Eine feste Truppe von etwa 30 bis 35 Helfern ist beinahe jedes Mal dabei – neue Freiwillige sind aber jederzeit willkommen. Dabei sei es vollkommen egal, wo jemand herkomme oder welchen Beruf er ausübe. „Wir sind gerne bereit, unseren Freundeskreis zu erweitern“, sagt Sabine Seitz und lacht.

Erste Fahrt mit 40-Tonner

Sabine Seitz und Joe Hermann geben sich am Samstag das Jawort. © Herrmann

Für sie und Joe Hermann waren die vergangenen Monate sehr bewegend.„Das Ahrtal ist schon wie eine zweite Heimat“, erklären die Plankstadter. „Als wir das erste Mal mit dem 40-Tonner voller Spenden ins Ahrtal gefahren sind, war für uns klar, dass wir dort weiterhin helfen wollen“, fügen sie hinzu. Fast jeden Samstag ging es seitdem ins Ahrtal. Bis zum 23. Oktober ist nun allerdings eine kleine Pause. Der Grund für die Auszeit von Schlammschippen und Abbrucharbeiten ist ein schöner: Die beiden heiraten an diesem Samstag in Eppelheim und fahren anschließend in die Flitterwochen in die Türkei.

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Der Hochzeitstermin stand schon vor der Fluthilfe fest. Seit 15 Jahren sind die Plankstadter ein Paar, arbeiten seit einigen Jahren sogar in derselben Firma. Dass sie als Team absolut super funktionieren, haben sie bei den „Ahrschippern“ mehr als einmal bewiesen. „Wir haben schon immer gut zusammengearbeitet“, meint Joe Herrmann lächelnd. Die Fluthilfe hat sie zusammengeschweißt und liegt ihnen nach wie vor sehr am Herzen – nur einen Tag nach den Flitterwochen geht es deshalb schon wieder mit einem Bus voller Helfer nach Mayschoß. Ein Ende ist dabei noch lange nicht in Sicht: „Solange Hilfe gebraucht wird, fahren wir ins Ahrtal.“ Für die vielen Freiwilligen ist außerdem Anfang November ein Helferfest in Plankstadt geplant. Die Gemeinde stellt dafür die Grillhütte zur Verfügung. „Ich möchte denen danken, die ihre Freizeit opfern, um anderen zu helfen“, macht Herrmann deutlich. Außerdem sind die beiden gerade dabei, einen eigenen Verein zu gründen. Für sie ist nämlich sicher: „Wenn man sieht, wie dankbar die Menschen sind, dann lohnt sich jede Arbeit.“

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Info: Weitere Infos gibt’s unter www.ahrschipper.de

Spenden für Sinzig

Unsere Zeitung hat gemeinsam mit den Städten und Gemeinden unseres Einzugsgebietes eine Hilfsaktion für Sinzig gestartet.

Spenden können auf diese Konten (oder via QR-Code) überwiesen werden: Stichwort „Fluthilfe 2021“: Sparkasse Heidelberg, DE08 6725 0020 0025 0104 42 oder Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, DE78 5479 0000 0005 0650 03.

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