Caritas-Altenzentrum: Das Trio „Mellow Yellow“ spielt vor dem Gebäude für die Bewohner / Beste Stimmung bei den Zaungästen / Senioren können Videoanrufe tätigen Als Zugabe singt sie von einer Rose

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Marco Montalbano
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Saxofonist Jochen Treu (v. l.), Sängerin Dany Susan und Gitarrist Heinrich Weilhard spielen für die Bewohner. © Marco Montalbano

Plankstadt. „Unverhofft kommt oft!“ sagt der Volksmund. So durften sich die Bewohner des Caritas-Altenzentrums Sancta Maria (CAZ) am Sonntagnachmittag über ein erst zwei Tage zuvor beschlossenes Konzert mit dem Trio „Mellow Yellow“ freuen. Sängerin Dany Susan alias Daniela Fadtke, Gitarrist Heinrich Weilhard und Jochen Treu am Saxofon hatten dabei natürlich „coronakonform“ im Hof vor dem Gebäude Position bezogen, wodurch nicht nur die Heimbewohner, sondern auch die Menschen aus den umliegenden Gebäuden das Konzert genießen konnten.

Plankstadt Plankstadt: Konzert mit "Mellow Yellow" im CAZ

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Vorbeikommende Radfahrer, die das sonnige Wetter für eine Tour genutzt hatten, ließen es sich meist nicht nehmen, ihre Fahrt für ein musikalisches Intermezzo zu unterbrechen und gesellten sich zu den Zuschauern außerhalb des CAZ, die zwar hinter der Band standen, was aber nicht schlimm war. Sängerin Dany drehte sich immer wieder um und scherzte: „Eigentlich bräuchte ich hier eine Drehscheibe, auf die ich mich stellen kann.“

Das „Hauptpublikum“ saß natürlich im CAZ, dessen Balkone genauso voll waren wie die Plätze im Erdgeschoss hinter der Fensterfront, wobei ein breit geöffneter Spalt nicht nur Frischluft, sondern auch besseren Musikgenuss garantierte.

Perfekt arrangierte Songs

Passend zur Situation erschien auch die Musikauswahl des Trios „Mellow Yellow“, das gern für Hochzeiten gebucht wird, in diesem Fall aber auf Gage verzichtete. Die für Saxofon und akustische Gitarre arrangierten Stücke wurden von Sängerin Dany gefühlvoll interpretiert, so dass eine heitere bis angenehm melancholische Stimmung entstand.

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Aber es durfte auch fleißig mitgeklatscht und sich bewegt werden. „Ihr könnt jetzt ruhig anfangen, die Hüften zu bewegen“, forderte Dany Susan die Zuschauer auf und machte gleich vor, wie es geht, bevor sie „A Night Like This“ von Caro Emerald anstimmte. Zu „Hallelujah“ des genialen Leonard Cohen schwangen dann alle auch die Arme hin und her, Bob Dylans „I Shall Be Released“ fand großen Anklang und nach fast einer Stunde Auftritt gab es noch reichlich Zugaben.

Mit Adels wundervollem „Lovesong“ in dem es heißt „However far away I will always love you“, also in etwa „Egal, wie weit weg du auch bist, ich werde dich immer lieben“ sprach die Sängerin sicher vielen aus dem Herzen, die ihre Lieben wegen der Quarantäne derzeit nicht besuchen können. Dass das schöne Gratiskonzert optimal unterstützt vom guten Wetter und trotz Corona-Zeit für jede Menge gute Laune gesorgt hat, war auch an den vielen humorvollen Zwischenrufen erkennbar. Auf ein besonders lautes „Zugabe!“ folgte da schon mal ein „Wer war das?“ - ebenfalls aus dem Publikum.

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Als Sängerin Dany ankündigte, sich mit der Übergabe einer „musikalischen Rose“ zu verabschieden, womit „The Rose“ gemeint war, was vielen in der vermutlich bekanntesten Version von Bette Midler ein Begriff sein dürfte, reagierte Zaungast Udo Wieland (73) sofort, dessen 92-jährige Mutter seit sechs Jahren im CAZ wohnt. Mit einem Augenzwinkern erkundigte er sich lautstark, welche „Hose“ denn gemeint gewesen sei und erhielt prompt Verstärkung, als ein anderer Gast die Band um „Größe 58“ bat, wonach die Sängerin amüsiert klarstellte, dass keine Textilie gemeint war.

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Sie verabschiedete sich mit den Worten: „Vielen Dank. Wir sehen uns morgen, dann wieder mit Kittel und Mundschutz.“ Denn wenn sie nicht auf der Bühne steht, arbeitet sie im CAZ, weshalb viele der Heimbewohner sicherlich verblüfft waren, ihre Pflegekraft zum ersten Mal als professionelle Musikerin zu erleben. Roxana Tumm aus Schwetzingen war mit Söhnchen Arik (1) wie einige andere zum Konzert gekommen: „Wir haben über eine Bekannte davon erfahren. Eine super Sache. Das sollte ins Programm aufgenommen werden“, schlug sie begeistert vor. Auch Dr. Ulrike Klimpel-Schöffler, Plankstadter Gemeinderätin, freute sich sehr über die tolle Abwechslung, nicht nur für ihre Cousine, die im CAZ wohnt, sondern auch für alle anderen: „Ich habe selbst zum Teil mitgesungen. Es ist klasse Musik.“

Trotz Belastung alles im Griff

Die Pflegedienstleiterin Daniela Habenberger hatte es sich trotz freiem Tag nicht nehmen lassen, zusammen mit Hündchen Tobi vorbeizuschauen und sich bei der Band persönlich zu bedanken: „Es ist eine schöne Abwechslung für die CAZ-Bewohner. Bei den Nachbarn haben wir vorher auch gefragt, ob die Musik am Sonntag okay ist. Es waren alle einverstanden.“

Und sie ergänzte zur aktuellen Situation: „Ja, die Quarantäne ist für uns alle schon sehr belastend, aber mittlerweile geht es. Wir sorgen dafür, dass alle oft mit ihren Angehörigen telefonieren können und haben inzwischen auch einige Tablets für Videoanrufe. Besonders beliebt sind die ‚Besuche am Gartenzaun‘. Mit entsprechendem Abstand dürfen sich da Bewohner und Besucher zuwinken und ein paar Worte miteinander wechseln.“

Infektionen mit dem Coronavirus gäbe es bis heute zum Glück nicht und mehr Kontakt nach draußen würde alle beruhigen. „Das sorgt auch für eine Wechselwirkung. Ruhige Bewohner bedeuten ruhige Belegschaft. Wir sind inzwischen alle etwas entspannter“, teilte die Pflegedienstleiterin abschließend mit.

Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Rhein-Neckar. Davor Pressereferent bis zum Wechsel auf die „andere Seite“. Studium der Politikwissenschaft. In Vergangenheit lange als Texter für die Wirtschaft tätig. Mitglied der Autorengruppe Literatur Offensive Heidelberg.