Vortrag - Bernd Kappenstein spricht vor etwa 20 Zuhörern über die Energie- und Mobilitätswende / Experte bei der Metropolregion Rhein-Neckar mahnt zum Handeln Bürger entscheiden täglich über Zukunft

Von 
Stefan Kern
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Sehr eindringlich macht Bernd Kappenstein den wenigen Zuhörern deutlich, dass keine Zeit mehr ist für den einen Bewusstseins-wandel beim Thema und Energie und Mobilität. © Lenhardt

Plankstadt. Die Herausforderungen sind gewaltig. Der Leiter des Bereichs Energie und Mobilität bei der Metropolregion Rhein-Neckar, Bernd Kappenstein, ließ bei seinem Vortrag rund um die Energie- und Mobilitätswende im Sitzungssaal des Gemeindezentrums keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel große Veränderungen mit sich bringt – und den Menschen aber auch keine andere Wahl bleibt, als sich darauf einzustellen. Das bedeute neben allen technischen Innovationen auch einen Bewusstseinswandel. Denn die Bürger würden jeden Tag mit über die Zukunft der Erde entscheiden und jede Entscheidung mache einen Unterschied.

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Gleich zu Beginn malte Kappenstein vor den rund 20 Zuhörern, darunter Bürgermeister Nils Drescher und Vertreter der Lokalen Agenda, ein ziemlich düsteres Bild darüber, was droht, wenn sich nichts ändert: Steigender Meeresspiegel, mehr und extremer werdende Wetterereignisse und vor allem eine klimabedingte Migration, die alle bisherigen Vorstellungen sprengt.

Bisher ist zu wenig passiert

Die Motivation, etwas zu ändern, müsse eigentlich hoch sein. Doch gerade in der Mobilität sei in den vergangenen Jahrzehnten viel zu wenig passiert. Rund 30 Prozent des Endenergieverbrauchs gehe auf Kosten der Mobilität, was 20 Prozent aller CO2-Emissionen bedeute. Zahlen, die mehr als deutlich machten, dass jetzt keine Zeit mehr bleibt.

Jede eingesparte Kilowattstunde sei eine gute Kilowattstunde. Dabei weiß Kappenstein, dass die Wende einer Herkulesaufgabe gleicht. Allein in Deutschland gibt es 60 Millionen PKW und LKW.

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Die Automobilwirtschaft setzt rund 110 Milliarden Euro um und im Endeffekt, erläuterte der Referent, hänge in Deutschland jeder dritte Arbeitsplatz an der Automobilwirtschaft. Doch sich wegducken sei angesichts der Aussichten keine Option mehr, der Umstieg auf eine umwelt- und klimaverträgliche Mobilität alternativlos.

Dabei sprach sich Kappenstein für die batteriebetriebene Elektromobilität und für die Entwicklung der wasserstoffbasierten Brennstoffzellentechnologie aus. Es gehe nicht um ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Leider sei beiden Technologien noch kein echter Durchbruch am Markt vergönnt.

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Als Hemmnisse der Elektromobilität gelten der Preis, die Modellauswahl, die Ladeinfrastruktur und die Reichweite. Richtig sei, dass Elektroautos nach wie vor ein Drittel teurer seien. Und es stimme auch, dass man damit keine 500 oder 600 Kilometer schafft. Trotzdem ist das Reichweitenproblem für Bernd Kappenstein kein echtes Problem. Meistens werde weit weniger als 40 oder 50 Kilometer gefahren und das sei mit den Batterien von heute problemlos möglich. Vielleicht, meinte Kappenstein, der schon seit Jahren mit einem Elektroauto unterwegs ist, erfordere es etwas mehr Organisation. Aber dieses Denken sei schnell im Alltag integriert. Er weiß aber natürlich, dass die Elektromobilität nicht die allein glückselig machende Strategie ist. Zwingend notwendig sei auch der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, der Bau von attraktiven Fahrradstraßen und verschiedene Sharing-Modelle vom Fahrrad bis zum Auto. Wichtig sei nicht, ein Auto zu besitzen, sondern mobil zu sein.

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Flankierend müsse auch die Brennzellentechnologie auf den Weg gebracht werden. Gerade bei schweren LKW und langen Fahrten sei die Brennstoffzelle unter Umweltgesichtspunkten unschlagbar. Batterien würden ab einem bestimmten Gewicht des Fahrzeuges einfach viel zu schwer. Grundlage der Brennstoffzelle ist der Wasserstoff, der mittels Elektrolyse gewonnen wird, in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff reagiert und dabei Elektrizität schafft. Bis dato stecke das Ganze noch in den Kinderschuhen.

Antrag für Wasserstoff-Cluster

Doch man habe gerade beim Land einen Antrag gestellt, sich in der Metropolregion auf den Weg hin zu einem Wasserstoff-Cluster zu machen. Dabei sollen mehrere Tankstellen zur Versorgung von LKW, Bussen, Müllfahrzeugen und Straßendienstfahrzeugen entstehen.

Für Kappenstein steht fest, dass es für eine erfolgreiche Mobilitätswende einen multimodularen Ansatz braucht. Von verschiedenen Technologien bis zu Verhaltens- und Bewusstseinsänderungen sei viel zu tun. „Mobilität und Klimaschutz sind vereinbar, aber dafür müssen wir uns bewegen – und zwar jetzt.“

In der Diskussion wurden dann noch Themen, ob es genug Strom gebe und die Ressourcenproblematik für die Batterieproduktion, gewälzt. Und natürlich sind längst nicht alle Fragen geklärt. Sicher werde es Schwierigkeiten geben. „Doch wir müssen den Wandel angehen“, ist Bernd Kappenstein überzeugt, „und Lösungen auf dem Weg suchen.“

Freie Autorenschaft Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.