Die Fasnacht fehlt den Plankstadtern

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Catharina Zelt
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Plankstadt. Bunt geschmückte Wagen ziehen durch die Straßen, „Plahoi“-Rufe schallen durch die Gassen und überall stehen gut gelaunte Fasnachter in Kostümen. Ganz vorne läuft Gertrud Eichhorn vom Plankstadter Carneval-Club Blau-Weiß (PCC) und verteilt das Zugprogramm des Backenbläserumzuges an die Menge. Das ist eine ihrer Aufgaben im Verein, der sie mit Leidenschaft nachgeht.

Norbert Reinmuth bei einem der letzten Rathausstürme. © Mertens
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Norbert Reinmuth sitzt seit 2002 im Elferrat, ist für den Bühnenaufbau und den Elferratswagen zuständig. Außerdem ist er seit vier Jahren Präsident und Zugmarschall. Für ihr jahrelanges Engagement im PCC bekommen Gertrud Eichhorn und Norbert Reinmuth nun - sobald Corona es zulässt - den Goldenen Löwen überreicht. Klaus Choschzig darf sich sogar über den Goldenen Löwen mit Brillanten freuen. Seit 1958 verleiht die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine den Goldenen Löwen. In der Regel wird er nach 22 Jahren im Narrenverein geehrt. Nach weiteren 22 Jahren aktiver Tätigkeit kann die Verleihung des Goldenen Löwe mit Brillanten beantragt werden.

Bis 2019 im Damenballett

Gertrud Eichhorn ist seit 1998 im PCC aktiv, in den Verein ist sie durch Freunde und ihren Mann gekommen. Bis 2019 hat sie beim Damenballett mitgetanzt und „ist immer dabei, wenn’s ums Helfen geht.“ Von 2011 bis 2014 hatte sie außerdem das Amt der Schatzmeisterin inne. Das Damenballett habe ihr immer großen Spaß gemacht - wegen einer Hüftoperation musste sie allerdings damit aufhören. „Wir sind einfach eine tolle Truppe“, erklärt sie im Gespräch, was ihr am PCC besonders gefällt. „Die Leute, die Stimmung, Kontakte zu anderen Vereinen zu knüpfen - das ist super. Dieses Jahr ist es allerdings deutlich ruhiger als sonst“, fügt sie hinzu. Die Corona-Lage habe wie so viele Vereine auch den Plankstadter Fasnachtsverein fest im Griff.

Über die Jahre habe sich einiges verändert - einige Narren seien dazugekommen, andere gegangen. „Es macht mir immer noch Spaß, auch wenn Corona das Vereinsleben zum Einschlafen bringt.“ Die Fasnacht fehle ihr sehr. Die Jahre davor seien die Mitglieder zusammen auf Umzüge gegangen und dort mitgelaufen. Beim „Heimspiel“ in Plankstadt sei Eichhorn immer vorneraus gelaufen und habe das Zugprogramm verteilt.

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Wenn die Fasnachterin von ihrem Verein schwärmt, erzählt sie auch von ihrer Zeit im Damenballett. „Wir hatten immer verschiedene Themen für unsere Auftritte - mal Luftballons, mal Sonnenblumen“, erzählt die 60-Jährige. Den Orden bekommt sie offiziell verliehen, sobald es wieder möglich ist.

Vereinsleben gefällt ihm

Norbert Reinmuth kam eher zufällig zur Fasnacht: „Der damalige PCC-Oberratspräsident Thomas Schwebler sagte zu mir: ,Wenn du zum PCC kommst, spiele ich bei euch Fußball.’ Und so hat er zwei Jahre bei uns Fußball gespielt und ich bin 2001 in den Fasnachtsverein eingetreten.“ Anfangs sei er nur bei den Umzügen mitgelaufen und habe bei Veranstaltungen mitgeholfen. Das Vereinsleben gefiel ihm und so ist er rund ein Jahr später zum Elferrat ernannt worden. Bis heute ist er ein fester Bestandteil des Gremiums. Vor allem den Zusammenhalt weiß er dabei zu schätzen.

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„Jedes Mitglied hat innerhalb des Elferrates verschiedene Funktionen. Ich war zunächst als Bühnenminister für den Bühnenaufbau zuständig“, erklärt Reinmuth. Später kümmerte er sich zusätzlich noch um den Elferratswagen. „Bis heute bin ich außerdem auch Zugmarschall“, sagt der 55-Jährige. Als Zugmarschall organisiere er den Backenbläserumzug, sei Ansprechpartner für teilnehmende Vereine und setze den Zug zusammen. Seit vier Jahren ist er sogar Präsident des Vereins und plant Ordensfeste und Prunksitzungen. „Ohne die Fasnacht fehlt einem was. Das ganze Jahr fiebert man auf diese Zeit hin und nun fällt alles ins Wasser“, drückt Reinmuth seine Enttäuschung aus.

Einige Ämter bekleidet

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Die fünfte Jahreszeit vermisst auch Klaus Choschzig. Seit 44 Jahren ist er im PCC aktiv und bekommt dafür nun den Goldenen Löwen mit Brillanten verlieren. Durch seinen Bruder, der in Plankstadt heiratete, kam er zur Fasnacht. Jahrelang war er Teil des Männerballetts, „wo immer gute Stimmung herrschte.“ Im Verein hatte er bereits einige Ämter inne: Schatzmeister, Beisitzer und Ordensminister war er über die Jahre. Letzterem ist er bis heute treu geblieben. „Ich kümmere mich von der Idee bis zum fertigen Orden um jeden Schritt“, erklärt der 68-Jährige. „Am meisten gefallen mir beim PCC das gesellige Beisammensein und natürlich die Ordensfeste, bei denen man immer Mitglieder anderer Vereine trifft“, gerät Choschzig ins Schwärmen - „und bevor der Umzug beginnt, einmal durch die Straßen zu laufen und zu sehen, wer alles gekommen ist, das vermisse ich auch.“

Mit seinem Verein hat er schon einiges erlebt. „Bei einer Prunksitzung in der Mehrzweckhalle sind vor vielen Jahren sogar einmal Bekannte extra aus Hamburg gekommen, um sich das Spektakel anzusehen“, sagt der Ordensminister.

Heute habe der Carneval-Club, wie viele andere Vereine auch, Nachwuchsprobleme, denn Vereinsleben bedeute nun einmal Arbeit und das wolle nicht jeder in seiner Freizeit auf sich nehmen. Aber auch die Corona-Krise mache es den ehrenamtlich Engagierten schwer. „Jetzt sitze ich mit meiner Frau am Wochenende daheim und denke manchmal darüber nach, wie es wohl wäre, nun auf einem Ordensfest zu sein.“

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

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