Die zweite Impfung ist im Plankstadter Altenzentrum durch

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Saskia Grössl
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Diese drei Mitarbeiter haben sich impfen lassen und zeigen die mit einem Pflaster abgedeckte Einstichstelle. © Caritasverband Rhein-Neckar-Krei

Plankstadt. Ein erster Hoffnungsschimmer scheint im Caritas-Altenzentrum auf. Seit vergangener Woche haben die Bewohner und Beschäftigten beide Impfungen gegen das Coronavirus erhalten. Die Impfbereitschaft unter den Bewohnerinnen und Bewohnern lag nach Angaben von Yvonne Müller von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit des Caritas-Verbands für den Rhein-Neckar-Kreis bei 99 Prozent, unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei 75 Prozent.

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„Die zweite Impfung lief ähnlich reibungslos ab wie die erste. Wir waren gut vorbereitet, so dass das Impfteam die Impfung der insgesamt 100 Personen zügig und planmäßig durchführen konnte“, erklärt Heimleiterin Martha Trautwein. Reaktionen gab es derzeit noch keine nennenswerten - insgesamt wurde der Biontech-Impfstoff gut vertragen.

Kann nun so langsam wieder ein Stück Normalität einkehren? Diese Frage muss Martha Trautwein verneinen. Sie legt ausführlich dar, warum: „Kurz vor der ersten Impfung hat das Gesundheitsamt das Impfangebot für die Personengruppe, die bereits an Covid-19 erkrankt war, wieder zurückgenommen. Wir hatten ja im Herbst einen großen Corona-Ausbruch mit mehr als 50 Infizierten, die nun alle für eine Impfung nicht mehr in Frage kamen. Dies führte zu Irritationen und Unmut unter den Betroffenen. Es ist ja noch unklar, wie lange die Immunität nach einer Corona-Infektion anhält und ob sie überhaupt besteht. Manche Wissenschaftler gehen von vier, andere von fünf Monaten aus. Ich kann daher die Verunsicherung der Betroffenen gut nachvollziehen. Bei allen Einrichtungen, die einen Corona-Ausbruch hinter sich haben, ist somit der Anteil der nicht geimpften Personen verhältnismäßig hoch. Das stellt uns vor enorme Herausforderungen, da wir nicht von einem flächendeckenden und länger anhaltenden Impfschutz innerhalb einer Einrichtung ausgehen können.“

Darüber hinaus fehle bislang eine Impfstrategie für Neuzugänge, die bei der Flächenimpfung nicht dabei waren, so Trautwein. Wie sollen beispielsweise Neuzugänge, die nicht mobil sind, ins Impfzentrum gelangen? Es ist derzeit nicht vorgesehen, dass das Impfteam ein drittes Mal in die Pflegeheime kommt, um einzelne Bewohner nachzuimpfen, erklärt die Heimleiterin.

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„Aber auch von alldem abgesehen wäre eine Lockerung der hohen Hygienestandards derzeit nicht möglich, weil ja noch völlig unklar ist, ob das Virus trotz Impfung weitergegeben werden kann. Insofern werden bis auf Weiteres alle notwendigen Hygienemaßnahmen und Regelungen auch nach dem zweiten Impftermin hinaus unverändert fortgeführt werden müssen. Die neuen Hygienestandards werden uns sicher noch sehr lange begleiten“, macht Trautwein klar.

FFP2-Maske verpflichtend

Das gilt auch für die Besuche. Seit Dezember gilt nach der neuen Corona-Verordnung, dass alle Personen, die die Einrichtung betreten, zusätzlich zum verpflichtenden Tragen einer FFP2-Maske, welche die Anforderungen der DIN 149:2001 oder eines vergleichbaren Standards erfüllen muss, einen gültigen negativen Test vorweisen müssen. Die dem Testergebnis zugrundliegende Testung mittels PoC-Antigen-Test darf höchstens 48 Stunden und mittels eines PCR-Tests höchstens drei Tage alt sein.

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Um die Situation angesichts der steigenden Anzahl der Testungen etwas zu vereinfachen, werden seit dem 18. Januar an drei Tagen zu festgelegten Zeiten Schnelltests für Besucher im Caritas-Altenzentrum durchgeführt. So können sich alle Besucher ohne vorhergehende Terminabsprache montags und mittwochs von 10 bis 11 Uhr und freitags von 13 bis 14 Uhr unkompliziert im CAZ testen lassen. Außerdem werden Nottestungen auch samstags nach vorheriger Terminabsprache ermöglicht. Die Besuchszeiten sind dann nachmittags ausgewiesen. Neben den üblichen Hygienemaßnahmen gelten im CAZ weiterhin strenge Besuchsregelungen zur Kontaktreduzierung: Ein Pflegeheimbewohner darf innerhalb einer Woche nur Besuch von ein und derselben Person erhalten, an insgesamt zwei Tagen in dieser Woche.

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„Da die Besucherzahlen derzeit auf eine Person an zwei Tagen pro Woche je Bewohner beschränkt sind und die Testungen von Besuchern bei uns im Haus innerhalb eines festgelegten Zeitkorridors stattfinden, konnten wir den Aufwand etwas eingrenzen. Die Anzahl der Testungen von Besuchern, Bewohnern und des Personals belaufen sich trotzdem auf etwa 3000 im Monat. Hinzu kommen Spontantestungen beispielsweise von Handwerkern oder Therapeuten, die unsere dafür geschulten Pflegekräfte neben ihren eigentlichen Aufgaben durchführen“, beziffert es Martha Trautwein. Wenn man den Aufwand für die Vor- und Nachbereitung der Testungen - Bestellung, Dokumentation, Einholen der verschiedenen Einwilligungserklärungen und so weiter - einberechne, belaufe sich der Zusatzaufwand für die Testungen sicher auf 30 bis 40 Stunden pro Woche, die neben dem Tagesgeschäft geleistet werden müssten. „Ohne die Einschränkung des Besucherstroms und die zeitliche Eingrenzung der Testungen wäre das für uns kaum zu bewältigen“, sagt Trautwein.

„Die meisten Besucher halten sich an die Auflagen und zeigen Verständnis. Einige loben sogar die logistische Ausführung und die Umsetzung der Hygienevorgaben. Es gibt natürlich auch Einzelfälle, wo sich Angehörige uneinsichtig zeigen und die Hygieneregeln wiederholt missachten. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie bei einem unbemerkten symptomfreien Verlauf die ganze Einrichtung gefährden könnten“, meint die Heimleiterin und fügt hinzu: „In solchen Fällen müssen wir leider auch mal ein Hausverbot aussprechen, um unsere Bewohner und unsere Mitarbeiter zu schützen und sie keinem vermeidbaren Risiko auszusetzen.“

Spuren hinterlassen

Die Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach - das vergangene Jahr mit Einschränkungen, kurzer Entspannung und dann dem Corona-Ausbruch im Herbst hat bereits seine Spuren hinterlassen. „Jetzt durften einige geimpft werden, leider aber nicht alle. Die Umsetzung und Einhaltung der sich ständig verändernden Corona-Verordnungen hat allen Beteiligten viel Kraft, Umsicht und Einsicht abverlangt. Die Leitungskräfte mussten die von der Regierung beschlossenen Verordnungen oft von heute auf morgen in Konzepte gießen. Gleichzeitig durften aber die Mitarbeiter nicht überfordert werden und die Bedürfnisse der Bewohner und deren Angehörige nicht aus dem Blick geraten. Es war und ist ein Balanceakt, der uns alles abverlangt. Wir alle sind derzeit an der Belastungsgrenze. Mit dem Beginn des Impfens haben wir jetzt aber den Ausblick, dass sich die Situation entspannen kann. Ich bin guten Mutes, dass wir diese Krise bewältigen können, wenn jeder für die Situation des anderen Verständnis aufbringt“, sagt Trautwein.

Um möglichst schnell wieder zu einer Art Normalität zurückkehren zu können, sieht die Heimleiterin aber auch Verbesserungspotenzial. „Ich wünsche mir eine Regelung zur Impfung von Neuzugängen und ehemaligen Covid-Erkrankten, die schon länger wieder genesen sind, entweder über ein mobiles Impfteam oder über den Hausarzt. Wünschenswert wäre auch, dass genug Impfstoff für alle vorhanden ist“, sagt Trautwein abschließend.

Eine Grafik mit den aktuellen Corona-Zahlen gibt's hier:

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Redaktion Redakteurin, zuständig für Plankstadt