Geburtstag - Heinz Ochs wird am Sonntag 90 Jahre alt / Er war lange Zeit Gemeinderat Ein Leben für die Musik

Von 
Ulrich Kobelke
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Plankstadt. Mit erfüllten 90 Jahren blickt Heinz Ochs auf ein facettenreiches Leben zurück – besonders was seine Tätigkeit als Musiker anbelangt. In den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg gab es zahlreiche Musikkapellen und Bands und auch bekannte Solomusiker in der Gemeinde, aber keiner prägte über einen so langen Zeitraum – nämlich 75 Jahre – die Plankstadter Musikszene so sehr wie Heinz Ochs.

Heinz Ochs mit einem leicht spitzbübischen Lächeln. Er spielt heute noch oft Klavier – unter anderem im Caritas-Altenzentrum. © Kobelke
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Ohne Zweifel gehörte Heinz Ochs zusammen mit seinem Bruder zu den bekanntesten und beliebtesten „Plänkschter“ Originalen überhaupt und Heinz mit seinem musikalischen Talent ist aus dem gesellschaftlichen Leben seiner Heimatgemeinde gar nicht wegzudenken. Ob Veranstaltungen der Gemeinde wie Ehrungen, Altenfeiern, Gedächtnis am Volkstrauertag, Weihnachtsfeiern und Veranstaltungen örtlicher Vereine, Trauerfeiern, Klassentreffen und Veranstaltungen der Jumelage mit Castelnau-le-Lez, der Partnerstadt der Gemeinde – Heinz Ochs fand immer den richtigen Ton und begeisterte Zuhörer.

Jahrzehntelang genossen Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei ihm eine solide Ausbildung am Klavier und an der Klarinette; die Förderung des musikalischen Nachwuchses war ihm stets ein Herzensanliegen.

Heinz Ochs wurde am 24. Mai 1930 in Plankstadt im Waldpfad 16 als erster der Zwillinge geboren, Dr. Paul Bönner und sein Schwiegersohn Dr. Ernst Klehr gehörten zu den Geburtshelfern. Er besuchte die Volksschule in Plankstadt, das Realgymnasium in Schwetzingen und erhielt seine musikalische Ausbildung am Konservatorium in Heidelberg.

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Von 1956 bis 1988 war er Mitarbeiter der Firma Siemens in Mannheim. Am 24. Mai 1980 heiratete er seine Gattin Annerose, eine ausgebildete Konzertsängerin, die zusammen mit ihm ebenfalls bei vielen offiziellen und privaten Gelegenheiten ihr musikalisches Können unter Beweis stellte. Auch überregional war er aktiv, so war er lange Jahre Mitglied des Polizeiorchesters Mannheim und dem Musikverein in Dudenhofen ist er seit vielen Jahren verbunden. Dass er seit Jahrzehnten dem Musikverein Plankstadt angehört und bis zum Frühjahr 2005 als Vorstand des Vereins das musikalische Geschehen in seiner Heimatgemeinde mitprägte, war für ihn selbstverständlich und der Verein würdigte dies durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.

Fördermedaille in Gold

Für sein großes Engagement im Bereich der Musik verlieh ihm das Land die Landesehrennadel und der Blasmusikverband Baden-Württemberg ehrte ihn zum 90. Geburtstag mit Verleihung der Fördermedaille in Gold. Dass er in jungen Jahren vom Land Rheinland-Pfalz für die Rettung eines Ertrinkenden als Lebensretter geehrt wurde, ist nur eine Facette mehr in seinem Leben.

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Das soziale Engagement führte Heinz Ochs schon früh zur SPD, für die er 32 Jahre von 1962 bis 1994 dem Plankstadter Gemeinderat angehörte, bevor er in späteren Jahren zur Wählergemeinschaft der Plankstadter Liste wechselte. Für sein kommunalpolitisches Engagement wurde er mit der silbernen und goldenen Ehrennadel des Gemeindetages Baden-Württemberg ausgezeichnet, ebenso mit der Ehrenmedaille der Gemeinde Plankstadt.

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Er gehört bis heute zahlreichen Plankstadter Vereinen an, so der TSG Eintracht, der Arbeiterwohlfahrt, dem Roten Kreuz und dem Heimat- und Kulturkreis. Bei vielen Ehrungsveranstaltungen der Vereine stand der Name Heinz Ochs immer ganz oben auf der Ehrungsliste, und die jahrzehntelange Treue zu den Vereinen wird von diesen auch stets gewürdigt. Immer war er einer, der nie „Nein“ sagen konnte, wenn man an ihn mit der Bitte um musikalischen Beistand herantrat – oft bis an die Grenzen seiner Kraft und Gesundheit!

Ein tiefgreifender Einschnitt in sein Leben und ein herber Verlust war für ihn der Tod seines Zwillingsbruders Hans im Januar 2016 – bis heute trauert er sehr um ihn, besucht täglich sein Grab auf dem Friedhof und es vergeht kaum ein Gespräch, in dem er nicht mit wohlwollendem Gedenken von seinem Bruder spricht.

Die gesamte Plankstadter Musikszene ist ohne die beiden musikalisch hochbegabten „Ochse-Buuwe“ eigentlich gar nicht denkbar. Besonders in der Nachkriegszeit und der folgenden Zeit des Wiederaufbaus konnten die beiden so manche Mark durch ihre Auftritte zur Haushaltskasse beisteuern. Unvergessen ist sicher bei vielen die Tanzkapelle „Ramona“, die unter der Leitung von Herbert Doll im Adler auftrat; mit dabei neben den „Ochse-Buuwe“ auch Fred Boldan und als Stehgeiger Robert Schüßler.

Auch zusammen mit Dr. Lothar Gaa als Pianist, Hans Stroh junior, dem „Strohs-Moppel“ oder Karlheinz Silberer traten die beiden auf – und es gibt eigentlich keinen Musiker in Plankstadt, mit dem Heinz nicht gemeinsam musiziert und aufgetreten wäre, besonders gilt dies für auch Reinhold Gund oder den Schlagzeuger Adolf Berlinghof. Ihre Engagements führten die Brüder aber auch weit über Plankstadt hinaus; sie waren in der Region bekannt wie „bunte Hunde“ und hier waren Verwechslungsgeschichten der Zwillinge an der Tagesordnung.

In seinen späten Jahren gehören besonders die Seniorinnen und Senioren diverser Alten- und Pflegeheime zu Heinz Ochs’ Zuhörern, wenn er zusammen mit Ruth Miedreich-Hornung und vielen jungen Künstlern den Menschen dort Freude und unterhaltsame Stunden bereitet. Nicht nur im Caritas-Altenzentrum Sancta Maria ist er häufig zu Gast, auch in Heidelberger Heimen gehört er zu den gern gehörten Künstlern.

Nun wäre es bei Heinz Ochs verkehrt, wollte man seine Bekanntheit allein in beruflichem, musikalischem oder kommunalpolitischem Engagement sehen. Mit einer Fülle von Erzählungen aus der Jugendzeit bis heute über Begebenheiten, Erlebnisse, auch Streiche, über Begegnungen mit den verschiedensten Persönlichkeiten könnte er ein abendfüllendes Programm zusammenstellen. Natürlich konnten sich die beiden Zwillingsbrüder in kniffligen Situationen schon mal ganz gut behelfen, sei es in der Schule oder in den 1950er Jahren beim zeitweiligen Autofahren mit nur einem Führerschein. Viele solcher Geschichten wissen die „Ochse-Buuwe“ zu erzählen, seien sie beruflicher oder privater Natur bis hin zu Verwechslungen im Krankenhaus oder – und da war es ganz besonders wichtig – auch bei so manchem amourösen Abenteuer in der Jugendzeit.

Bank bricht zusammen

Kaum jemand erinnert sich heute noch an die erste Seniorenweihnachtsfeier im Saal des Gasthofs „Adler“ in den frühen 1960er Jahren, wo die beiden Brüder das Klavierstück zu vier Händen „Die Petersburger Schlittenfahrt“ zu Gehör bringen sollten. Im Saal herrschte Stille, die Zwillinge griffen in die Tasten – da brach krachend die Bank zusammen, auf der sie saßen. Man kann sich das Hallo und das Gelächter im Saal vorstellen ob dieser unvorhergesehenen Einlage! Nur Bürgermeister Georg Baust zeigte sich verärgert, denn er vermutete hinter der Aktion Absicht der beiden „Ochse-Buuwe“. Ob dies so war oder nicht – dieses Geheimnis ist bis heute nicht gelüftet, aber zuzutrauen wär’s den beiden gewesen.

Heinz brachte sein großes musikalisches Talent auch als Pianist und Saxofonist in der AFN-Bigband der US-Army und weiteren großen Bigbands ein und erlebte so manche Konzertreise in ferne Länder, darunter in die USA, nach Libyen und Frankreich, nach Japan und ein mehrmonatiger Aufenthalt auf den Azoren, von denen er heute noch schwärmt.

Der 90. Geburtstag ist ein guter Anlass zum Feiern. Aber dann kam die Corona - Pandemie. Und so muss auch Heinz Ochs auf die große Gratulationscour schweren Herzens verzichten und die Feier verschieben, was alle bedauern, besonders auch seine 100-jährige Cousine Sannchen Treiber. Bleibt zu hoffen, dass der Jubilar seine Feier in größerem Kreis nachholen kann – zumal ja auch am gleichen Tag das 40-jährige Ehejubiläum von Heinz und Annerose ansteht. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ – dieser Spruch gilt auch diesmal und so bleibt es im Moment bei fernmündlichen und schriftlichen Gratulationen, die jedoch nicht minder herzlich ausfallen dürften.