Dr.-Erwin-Senn-Halle - Vor rund 60 Jahren wurde das Gebäude der Bestimmung übergeben / Viele TSG-Mitglieder brachten ihr „Herzblut“ bei der Errichtung ein Erste Nutzer im Rohbau waren die Sänger

Von 
Ulrich Kobelke
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Über die Zukunft der Dr.-Erwin-Senn-Halle wird intensiv diskutiert. Rechts ist die alte Halle zu sehen, die 1958 eingeweiht wurde, links der Anbau von 1989. © Gemeindearchiv

Plankstadt. Bei den verschiedenen Hallenjubiläen des vergangenen Jahres im Ort – 50 Jahre Sporthalle Friedrichsschule und 40 Jahre Mehrzweckhalle – ist die älteste und erste Sporthalle Plankstadts, die Dr.-Erwin-Senn-Halle, etwas stiefmütterlich gar nicht erwähnt worden, denn bereits im Dezember 1958, also vor über 60 Jahren, wurde diese Halle ihrer Bestimmung übergeben.

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Dabei hat der Bau der Halle im Vergleich zur Errichtung der anderen durchaus seine Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale. Sowohl Werner Weick zum 75-jährigen Vereinsbestehen als auch Eugen Pfaff zum 100. TSG-Jubiläum haben sich in ihren Chroniken der Bau- und auch der Vorgeschichte ausgiebig gewidmet.

Wünsche für eine Halle gab es schon lange, aber erst 1957 nahmen sie konkrete Formen an. Damals glaubte man zunächst, dass die Kosten die Höhe von 35 000 Mark nicht überschreiten würden. Es war geplant, diese Gelder durch vereinseigenes Kapital, Sonderspenden der Mitglieder – wobei an 20 Mark pro TSG-Mitglied gedacht war – sowie Mitglieder- und Fremddarlehen aufzubringen. Bereits bei Vorlage der Pläne durch Architekt Reinhold Schardt gab es den ersten Dämpfer, denn dieser rechnete mit Kosten von 90 000 Mark zuzüglich 63 000 Mark für Nebenräume.

Die Meinungen bezüglich der Hallengröße sowie der Beurteilung der finanziellen Konsequenzen gingen damals weit auseinander und manchmal entstand der Eindruck, als wolle man die ganze Aktion Hallenbau wieder abblasen. Aber in dieser Situation war Dr. Erwin Senn ein vehementer Befürworter des Neubaus. Und er war die gewaltige Triebfeder, die dafür sorgte, dass am Bau festgehalten wurde.

Spenden sichern Kostendeckung

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Ein weiterer großer Freund und vor allem Förderer war der Bauunternehmer Adam Wiest. Er führte die Bauarbeiten durch und räumte dem Verein bei der Zahlung attraktive Konditionen ein. Großzügig dem Verein gegenüber zeigte sich auch die Schwetzinger Schwanen-Brauerei.

So konnte der Verwaltungsrat des Vereins dann doch noch den Beschluss zum Bau fassen. Im Mai 1958 begannen die Arbeiten. Diese gingen zügig voran und bereits im Juli 1958 konnte der MGV Sängereinheit anlässlich seines 90-jährigen Bestehens ein großes Wertungssingen im Rohbau der Halle veranstalten. Dafür zeigte der Chor sich der TSG gegenüber mit einer Spende dankbar.

Mentor stirbt bei Unfall

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Schon am 20. Dezember 1958 wurde die fertige Halle in einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben. Die weiteren Außenarbeiten begannen dann am 10. Oktober 1959 – ein denkwürdiger und vor allem trauriger Tag für den Verein, denn Dr. Erwin Senn, der unermüdliche und eigentliche Initiator des Projekts, erlitt genau an diesem Tag einen tödlichen Verkehrsunfall.

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Sein ungewöhnlicher Einsatz in den Jahren zuvor veranlasste den Verwaltungsrat, ihm zu Ehren und zum Gedenken die Halle „Dr.-Erwin-Senn-Halle“ zu nennen.

Zahlreiche Mittel flossen dem Verein zur weiteren Finanzierung zu. Es waren Spenden, zinslose Darlehen von Mitgliedern, normale Darlehen, Zuschüsse der Gemeinde, Beträge aus der Vereinskasse, Zuschüsse des Badischen Sportbundes und des Regierungspräsidiums, die die Kosten nach und nach deckten.

Von ganz großer Bedeutung waren aber sicherlich auch die zahllosen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder, die in den Chroniken mit 30 000 Mark beziffern werden. Es war ein Kraftakt und man konnte letztendlich von einer ausgewogenen Finanzierung sprechen.

Neben Dr. Erwin Senn war es auch der Bauunternehmer Adam Wiest, dem für seine Unterstützung mit der Ehrenmitgliedschaft und der Auszeichnung mit der Karl-Seitz-Plakette, der höchsten Vereinsauszeichnung, gedankt wurde.

Wie alle Gebäude dieser Art, waren in den Folgejahren immer wieder Verbesserungen und neue Arbeiten erforderlich. 1987 folgte für 160 000 Mark eine umfangreiche Instandsetzung, wobei auch dabei wieder über 1200 Arbeitsstunden durch Mitglieder geleistet wurden. Einzelne Mitglieder wie auch einzelne Abteilungen waren auch hier unermüdlich im ehrenamtlichen Einsatz.

Der rührige Vorsitzende Gerhard Treiber war es, der in den Folgejahren die treibende Kraft für einen weiteren Ausbau der Halle war. Die Arbeiten am Anbau begannen im Jahr 1989, der schließlich mit 600 000 Mark zu Buche schlug. Auch dabei waren die Spendenbereitschaft und besonders der persönliche Arbeitseinsatz der Mitglieder wieder vorbildlich. Besonders engagierten sich der Architekt Karlheinz Renkert, der den Plan für den Anbau kostenlos erarbeitete oder auch Karl Rothacker, der sich ebenfalls beruflich stark einbrachte.

Diskussion über die Zukunft

Und wie sieht man die Halle heute? Die Diskussion über die Zukunft nimmt kein Ende. Vom baulichen Standpunkt her ist sie überholt und würde einem bau- und feuerpolizeilichen Gutachten nicht mehr standhalten. Es ist für viele verständlich, dass diejenigen, die von der ersten Stunde an dabei waren, mitgebaut, mitfinanziert und sportlich über die Jahrzehnte hinweg genutzt haben, einen Erhalt der Halle wünschen – sie haben ja gewissermaßen „ihr Herzblut“ eingebracht.

Vom baufachlichen Standpunkt aus betrachtet, erscheint ein Erhalt allerdings wenig sinnvoll. So wird man sich in Plankstadt wohl daran gewöhnen müssen, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Dr.-Erwin-Senn-Halle ihren Platz an der Jahnstraße verlieren wird, besonders, wenn an der Mehrzweckhalle eine neue zweite Halle entsteht.