Kunst - Julienne Matthias-Gund verteilt bunt bemalte Steine in der Gemeinde / Sie regt andere dazu an, bei der Aktion mitzumachen Farbkleckse in Ecken versteckt

Von 
Laura Amato
Lesedauer: 
So unterschiedlich können die Steine aussehen: Von einer Aufmunterung bis zu Weihnachtsgrüßen ist alles dabei. © Amato

Plankstadt. Wer zur Zeit mit aufmerksamen Augen durch die Gemeinde spaziert, entdeckt vielleicht ein kleines Kunstwerk, das mit einer lustigen Botschaft einen Glücksmoment verbreitet. An Straßenecken, Laternenmasten oder Treppenstufen, überall könnte sich ein selbstbemalter Stein von Julienne Matthias-Gund verstecken.

AdUnit urban-intext1

Auf einem von ihnen steht beispielsweise „Somewhere over the rainbow“, der in allen Regenbogenfarben schillert, auf einem anderen klebt ein Puschel und es ist zu lesen: „Die Mode ändert sich, der Stil bleibt.“ Unter dem Namen „Plankstones“ (Planksteine) hat die Aktion sogar eine eigene Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook.

Die Idee gab es bereits in ihrer Kindheit. Damals hat Julienne Matthias-Gund, die ja durch ihr Engagement beim Kulturforum und bei der Plankstadter Liste in der Gemeinde bekannt ist, mit Acrylfarbe Marienkäfer oder Regenbogen auf Steine gemalt und diese verschenkt. Doch die Familie Matthias-Gund entwickelte diese Idee jetzt noch weiter. Denn nicht nur Zeichnungen, sondern auch Lebensweisheiten, lustige Sprüche oder allerlei Gefundenes oder übriggebliebenes wird auf die Steine geschrieben oder geklebt: Eine Weihnachts-Diddlmaus verziert beispielsweise einen Stein mit der Aufschrift „Last Christmas“ (letztes Weihnachten), ein anderer hat die Beschriftung „Life is too short to wait“ (das Leben ist zu kurz zum Warten).

Idee aus dem Urlaub mitgebracht

Julienne Matthias-Gund war nicht die Erste mit solch einer Idee: Schon die sogennanten „Elbstones“ (Elbsteine) wurden in Norddeutschland verteilt. „Wir selbst kamen im Urlaub auf die Idee, Steine zu bemalen. Meine Familie hat schon immer gerne Steine gesammelt. Wenn einer von uns einen schönen entdeckt hatte, wurde er immer aufgehoben und mitgenommen“, erinnert sich Matthias-Gund im Gespräch mit unserer Zeitung.

AdUnit urban-intext2

Ihre Familie hatte auf Reisen handbemalte Steine entdeckt und wollte es sich zur Aufgabe machen, einen Klecks Farbe auch nach Plankstadt zu bringen. Nachdem die zwei Kinder, Maja (12) und Max (15), aus dem Ministrantenlager heimgekehrt waren, ging es vor rund einer Woche ans Bemalen und Verzieren. Die beiden halfen fleißig bei der Dekoration und beim Verteilen der Steine.

Bei der ersten Fuhre fiel es der Familie noch schwer zu entscheiden, wo sie die Steine platzieren sollen. „Es ist manchmal kein ganz leichter Prozess, einen Stein abzulegen, in den man so viel Arbeit hineingesteckt hat, ohne zu wissen, ob ihn überhaupt jemand findet oder ob man gar Feedback erhält“, verrät Julienne Matthias-Gund.

AdUnit urban-intext3

Trotz der kurzen Zeit seit Aktionsbeginn hat sie jedoch schon Rückmeldungen erhalten. Vor allem auf der Facebook-Seite freuen sich die Nutzer über die bunten Steine und stellen in Aussicht, selbst welche verteilen zu wollen.

Signatur auf der Unterseite

AdUnit urban-intext4

Julienne Matthias-Gund plant häufig ähnliche Aktionen, beispielsweise verteilte sie auch schon Abrisszettel mit Smileys in der Gemeinde, damit man „sich ein Lächeln mitnehmen kann“. Der Fokus liegt bei ihren Ideen immer darauf, beim Finder eine positive Reaktion auszulösen, sagt sie. Das Schönste an der Aktion sei der Gedanke, jemanden ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können.

Matthias-Gund platziert die Steine deshalb bewusst an Stellen, an denen Fußgänger, aufmerksame Radfahrer oder Kinder sie sehen können. Ihre Signatur, das gestempelte „Plankstones“-Logo, ist auf der Steinunterseite zu finden, so dass man gleich sehen kann, von wem der Stein stammt.

Matthias-Gund verteilt die Steine sehr bewusst, die Botschaft passt meist genau zum Ambiente des Ortes, an dem sie ihn niederlegt. In Kindergartennähe zum Beispiel platzierte sie einen Stein mit einem kleinen Plastikapfel und der Nachricht „Obst ist gesund“. Die Inspiration für solche Nachrichten bringt laut Matthias-Gund meist ihre Tochter Maja mit.

Was soll man machen, wenn man einen Stein findet? Nach der hoffentlich positiven Reaktion kann man den Stein mitnehmen, wenn man möchte. Gerne darf man ihn aber auch stehenlassen, damit auch andere sich daran erfreuen können, regt Julienne Matthias-Gund an. Noch schöner wäre es für sie aber, wenn sich noch andere Leute inspiriert fühlen, eigene Kreationen zu erstellen. Wer sich daran versuchen will, braucht nicht viel: einen Stein egal von welcher Größe, Acrylfarbe, wasserfeste Stifte, Stempel und ein bisschen Fantasie. Schon ist man bei der Aktion dabei, die jeden anregen soll, aufmerksamer die Umwelt wahrzunehmen, sich auch über kleine Dinge zu freuen und anderen etwas Gutes zu tun.