Fast vergessene Orte - Bis 1966 wurde ein Unterstand am Hüttenweg von Feldarbeitern genutzt / Nun lernen Schüler vor Ort vieles über die Landwirtschaft Hier herrschte der Feldschütz

Von 
Ulrich Kobelke
Lesedauer: 
Der Bauhof hat jetzt wieder eine Schutzhütte errichtet. Hier können sich unter anderem Schulklassen bei Besichtigungen unterstellen. © Kobelke

Plankstadt. Nach 54 Jahren gibt es wieder eine Hütte am Hüttenweg. Dafür hat das Landwirtschaftsprojekt mit Schaufeldern zum Gemeindejubiläum gesorgt. Zwar war bei dieser Schutzhütte eine Wand herausgebrochen worden, doch das ist mittlerweile wieder behoben. Wer mit dem Fahrrad, zu Fuß oder auch mit dem Auto in der nördlichen Plankstadter Flur unterwegs ist, dem mag schon mal aufgefallen sein, dass es da einen Hüttenweg gibt, obwohl weit und breit keine Hütte oder etwas Ähnliches zu sehen ist. Dieser Hüttenweg verläuft im Gewann Jungholz vom Baumlehrpfad zum „Grenzhöfer Chauseele“ (K 4144) und endet dort. Parallel dazu verläuft etwas ortsnaher der Raingewannweg von der Gaststätte der Kleintierzüchter ebenfalls zur Kreisstraße K 4144. Wegenamen, besonders in der Feldflur, weisen meist auf frühere Bedeutungen hin. So auch der Hüttenweg.

AdUnit urban-intext1

Tatsächlich gab es einmal, und so lange ist das gar nicht her, eine Hütte an der Einmündung dieses Weges in die Kreisstraße 4114. Es handelte sich um eine aus Stein gemauerte, mit einem steinernen Flachdach versehene Hütte, die an den Wänden nur drei Sehschlitze und die stets offene Eingangsöffnung hatte. Bei der Plänkschter Bevölkerung war diese Hütte unter dem Namen Schützenhütte bekannt. Und Schutz bot diese Hütte bei aufziehenden Unwettern auch den auf den Feldern arbeitenden Menschen allemal.

Schutz für die Hüter

Man muss sich vor Augen halten, dass Feldarbeit in alter Zeit nicht vom schnellen und schützenden Traktor aus verrichtet wurde, mit dem man im Notfall auch relativ schnell den heimatlichen Hof wieder erreichen konnte. Viele Menschen gingen zu Fuß oder fuhren mit dem Fahrrad zu den Feldern, um dort etwa Unkraut zu hacken oder beispielsweise Kartoffeln auszumachen. In diesem Gewann Jungholz befanden sich die Rottstücker, das Allmendgelände, das an die Ortsbürger zur Bewirtschaftung vergeben wurde und diese waren zumeist nicht im Besitz von Fuhrwerken mit Pferden oder gar Traktoren.

Natürlich war die Schützenhütte auch ein Unterstand für die früher bei der Gemeinde beschäftigten Feldschützen oder Feldhüter, die immer in der Gemarkung unterwegs waren, nach dem Rechten sahen und dafür sorgten, dass die Regeln auch in der Feldflur eingehalten wurden. In schlechten Zeiten versuchte schon mal der eine oder andere, auf den Feldern etwas zu ergattern und dass dies unterblieb oder gegebenenfalls geahndet werden konnte, dafür gab es die Feldhüter. In heutigen fetten Zeiten, wo keiner mehr auf Feldfrevel angewiesen ist, um sein Überleben zu sichern, glaubt man auf dieses Personal verzichten zu können. Heute bräuchte man sie vor allem, um den Müllsündern, die ihren Unrat im Feld ablagern, habhaft zu werden. Jede Zeit hat ihre eigenen Vorzeichen.

AdUnit urban-intext2

Die Sehschlitze in den Außenmauern der Schützenhütte sorgten natürlich dafür, dass der Schütz von seinem Standort aus vieles sehen konnte, aber selbst nicht gesehen wurde. Dies natürlich zum Nachteil der vielen Plänkschter Kinder und Jugendlichen, vor denen kein Obstbaum, besonders zur Zeit der Kirschreife, sicher war und die oft einen „Aufpasser“ abstellten, der die Umgebung im Blick behielt, ob nicht plötzlich der Schütz auftauchte – dann aber galt es, die Beine in die Hand zu nehmen und schnell das Weite zu suchen. Neben der Hütte gab es früher eine Schachtabdeckung, die auf einen alten Brunnen an dieser Stelle verweist. Im Laufe der Zeit verfiel die Hütte immer mehr und wurde teilweise von „bösen Buben“ mutwillig zerstört, bis sie 1966 von der Gemeinde ganz entfernt wurde. An ihrem Platz wurde ein Nussbaum – übrigens mittlerweile schon der zweite – gepflanzt und eine Holzbank darum herum errichtet – so wie wir den Platz heute noch vorfinden. Heute sehen wir beim Gang durch die Flur nur noch wenige Obstbäume auf den Feldern. Der Einsatz moderner landwirtschaftlicher Maschinen führte dazu, dass man die Obstbäume bis auf wenige nach und nach entfernt hat, denn sie störten doch die großen Maschinen. Und wie jedes Ding seine zwei Seiten hat, so auch hier: Die Bauern konnten nach dem Entfernen der Obstbäume ihre Felder besser bewirtschaften, die Raubvögel fanden keine Aussichtsbäume mehr, von wo aus sie auf Mäusejagd gehen konnten. Eigentlich viel zu spät errichtete man hohe Stangen als Aussichtsplätze für Raubvögel, denn ein großer Teil der Vögel war bereits abgewandert. Heute werden auch wieder vermehrt Obstbäume angepflanzt und Streuobstwiesen angelegt.

Da die Hütte auch ein Bauwerk einfachster Art und keinesfalls als Unterkunft geeignet war, tauchte in der Umgangssprache auch schon mal der Satz auf: „Du kannsch glei in die Schitzehitt’ ziehje!“ womit wohl gemeint sein sollte, dass der so Angesprochene aus seiner Wohnung geworfen werden sollte.

Bedeutung der Früchte

AdUnit urban-intext3

Und heute? Im Zuge des 1250-jährigen Ortsjubiläums im Jahr 2021 rief Gemeindearchivar Ulrich Kobelke zum Jubiläum ein Landwirtschaftsprojekt mit Schaufeldern ins Leben, das vor allem jüngeren Menschen und Kindern die Bedeutung unserer Feldfrüchte vor Augen führen soll. Außerdem wird durch das Projekt auch auf die große Bedeutung der Landwirtschaft für die Gemeinde bis ins 20. Jahrhundert hingewiesen. Die Landwirte Rolf Hallwachs und Hans-Peter Helmling legten auf einem Feld am Hüttenweg 14 Streifen mit Feldfrüchten an, die im Laufe des Jubiläumsjahres bepflanzt, gepflegt und abgeerntet werden. Als Unterstellmöglichkeit bei Besichtigungen für Schulklassen errichtete die Gemeinde eine Schutzhütte aus Holz, in der auch unterrichtsrelevante Erklärungen vermittelt werden können. Da die Hütte über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben soll, gibt es nach 54 Jahren wieder eine Hütte am Hüttenweg – allerdings am anderen Ende des Weges.