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Doomools un’ jezzard

Jean Cox war einer der letzten Heldentenöre

Gedenken an den berühmten Plankstadter Jean Cox. Der Sänger wurde vor hundert Jahren in den USA geboren - 2012 ist er verstorben.

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Gastbeitrag von Helmut Schneider
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Plankstadt. Am 24. Juni 2012, vor fast zehn Jahren, starb in Bayreuth der berühmte Heldentenor Jean Cox im Alter von 90 Jahren. Am 16. Januar 1922 wurde er in Gadsden, eine Provinzstadt im US-Staat Alabama, geboren – also vor hundert Jahren. Im Frühjahr 1963 war er mit seiner Familie in das neuerrichtete Schwedenhaus in der Lessingstraße 41 in Plankstadt eingezogen und wohnte im Anschluss mehr als 17 Jahre darin.

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Anlässlich seines Todes brachte der Verein „Doomools un‘ jezzard“ die Broschüre „Jean Cox – Erinnerung an einen großen Sänger“ heraus, die überaus großes Interesse fand.

Veranstaltung zu seinen Ehren

Jean Cox als Lohengrin 1968 in Bayreuth. © Schneider

Am 16. Januar 2014 veranstaltete der Verein zu Ehren dieses großartigen Sängers im Gemeindezentrum eine Gedenkveranstaltung. Die Feier war außerordentlich gut besucht. Viel Prominenz war anwesend. Vereinsobmann Ulf-Udo Hohl konnte die beiden Töchter des Sängers Marsha und Amelia, die Landtagsabgeordnete Rosa Grünstein, die Bürgermeister Werner Weick, Wolfgang Huckele (beide außer Dienst) und Jürgen Schmitt sowie den ehemals ersten Verdi-Bariton am Mannheimer Nationaltheater Michael Davidson begrüßen.

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Die Resonanz auf die Gedenkveranstaltung und die Broschüre war grandios. In der Schwetzinger Zeitung war zu lesen „Doch in den kühnsten Träumen (der Veranstalter) dürften sie kaum gedacht haben, dass der im Gemeindezentrum vorgesehene Platz nicht ausreichen könnte. Doch so war es, riesengroß war das Interesse der Plankstadter am wohl größten Sänger, der je in der Gemeinde wohnte.“

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Und weiter hieß es dort „…um den Besuchern einen Eindruck von der Stimmgewalt von Cox zu geben, spielte Helmut Schneider in seinem Vortrag Tondokumente ein...“. Außerdem: „Schneider ging dabei besonders auf die Zeit in Plankstadt ein und schilderte den Sänger als einen bodenständigen, nie abgehobenen Sänger, der sogar bei den Jubiläen der örtlichen Gesangvereine mitwirkte. Ohne Gage versteht sich – ‚denn mich könnt ihr ohnehin nicht bezahlen.‘“

Die Broschüre fand damals reichlich Abnehmer, sogar aus München, Nienburg/Weser und Köln. Der Verein hat jedoch noch eine größere Anzahl von den Broschüren vorrätig und diese können bei den Mitgliedern für den Preis von 5 Euro bestellt werden. In der Broschüre sind alle wesentlichen Fakten der ungewöhnlichen Sängerlaufbahn von Jean Cox aufgeführt. Zur Vervollständigung und Abrundung kann jedoch noch einiges angefügt werden.

Nur noch wenige Kollegen

In einem Gespräch mit dem Autor Anfang der 1970er Jahre bedauerte Cox, dass leider keine besonders guten Heldentenöre mehr vorhanden seien. Seine Kollegen Jess Thomas und James King seien wirklich gut gewesen. Doch sie hätten von ihrer Qualität eingebüßt. Dies war keineswegs eine Herabwürdigung von namhaften Heldentenor-Kollegen. Man konnte nachvollziehen, dass diese tatsächlich verbraucht waren. Ihnen ging es so wie anderen Heldentenören, die glaubten, bei jeder Vorstellung bis an ihre Grenzen gehen zu müssen.

Auf die Frage, wie es um den berühmten Kollegen Wolfgang Windgassen stehe, antwortete Cox: „Der ist ja abgetreten.“ Dann strahlte er und sagte: „Das ist ein Pfundskerl. Mit dem habe ich in Mannheim Othello gemacht.“ Cox trat in der Titelpartie auf und Windgassen fungierte als Gastregisseur. Den Schurken Jago sang in dieser Produktion der oben genannte Michael Davidson.

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Die großen Rollen

Windgassen, der wohl bedeutendste deutsche Tenor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sah in Jean Cox seinen legitimen Nachfolger als führender Heldentenor. So sang Jean Cox bei den Bayreuther Festspielen die tragenden Tenorrollen Erik im „Fliegenden Holländer“, Lohengrin, oder Parsifal, auch Walther von Stolzing in „Der Meistersinger von Nürnberg“ und schließlich Siegfried, sowohl als Siegfried als auch in der „Götterdämmerung. In der Tat: In der Riesenpartie des Siegfried war er weltweit die Nummer Eins.

Um die Qualität Windgassens zu untermauern, sei der derzeit führende deutsche Dirigent Christian Thielemann zitiert. Der schreibt in seinem Buch „Mein Leben mit Wagner“ über den Sänger: „Wolfgang Windgassen ist das Paradebeispiel für die Ambivalenz (Doppelwertigkeit) einer Sänger-Wahrnehmung. Auf dem Grünen Hügel galt er in den Fünfziger- und Sechzigerjahren als einmalig, eine musikalische und darstellerische Intensität wie die seine hatte man kaum erlebt.“

Dass sich Cox mit Windgassen so prima verstand, lag wohl an den vielen Gemeinsamkeiten der beiden Sänger. Sie beide waren schon vom Aussehen her imposante Bühnendarsteller. Cox war beim Mannheimer Nationaltheater fest engagiert, Windgassen an der Staatsoper Stuttgart, jeweils mit Votum auf Gastspiele in anderen Opernhäusern. Beide waren von Anfang an Tenor und kein hochgetrimmter Bariton. Beide begannen ihre Sängerlaufbahn im lyrischen Fach und arbeiteten sich langsam im Heldenfach nach vorne – und sie beide blieben schließlich höhensicher.

Ausgerechnet bei Wagners schwersten Heldentenorpartien, dem Tannhäuser, dem Siegfried und dem Tristan, ist Höhensicherheit nämlich gefordert. Man stelle sich vor, dass nach vier Stunden Götterdämmerung der Siegfried-Darsteller noch ein exponiertes hohes C zu singen hat. Cox sang wie Windgassen alle schweren Heldentenorpartien und das auch in Gastspielen an der Mailänder Scala und der New Yorker Metropolitan Opera.

Nicht viele Aufnahmen

Bedauerlicherweise gibt es wenige Schallplatten und CDs mit Cox. Das hat zweierlei Gründe: Erstens war Cox ein Bühnendarsteller und kein Plattenstar. Zweitens: Aufnahmen mit den großen Heldentenorpartien gab es viele und der Aufwand für solche Aufnahmen war enorm. Ein Live-Mitschnitt der „Meistersinger“ bei den Bayreuther Festspielen mit Cox in der Partie des Stolzing ist allerdings bekannt und ein Beleg für seine Extraklasse.

Auch im Fernsehen war Jean Cox zu sehen, und zwar in Werner Egks Oper die „Verlobung in San Domingo“ und in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“. Zweimal war er zudem in der beliebten Unterhaltungssendung des Hessischen Rundfunks „Der Blaue Bock“. Dabei stellte er sich in Anlehnung an eine komödiantische Vorabend-Krimireihe mit Günter Pfitzmann mit „Gestatten, mein Name ist Cox“ vor.

Abschließend sei der ehemalige Bayreuther Festspielleiter und Komponistenenkel Wolfgang Wagner zitiert, der einen Katalog aufstellte, was von Sängern verlangt werde: eine klangschöne und in jeder Hinsicht hervorragend ausgebildete Stimme, Musikalität, gutes Aussehen, schauspielerische Fähigkeiten mit vollkommener Körperbeherrschung, Intelligenz, Charakter und die Einfügung in ein Ensemble und dessen Gesamtleistung – und gute Nerven und nicht zuletzt Humor. Kurz und bündig, so Wolfgang Wagner: „Bei Jean Cox ist alles vorhanden.“

Zur Person: Jean Cox

  • Jean Cox wurde am 16. Januar 1922 in den USA geboren. Er studierte dort an verschiedenen Universitäten Gesang.
  • Als Stipendiat kam er in den 1950er Jahren nach Europa und sang später unter anderem am Nationaltheater in Mannheim.
  • Er starb im Alter von 90 Jahren in Bayreuth, wo er auch häufig als Sänger aufgetreten war.
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