Evangelische Kirche

Künstlertandem „DuWieDuBist“ gestaltet literarisch-musikalischen Abend in Plankstadt

Am vergangenen Wochenende präsentierten Susanne Bohn und Enno Pigge in der evangelischen Kirche einen literarisch-musikalischen Abend zum Thema „Frieden“ und haben bei den Besuchern einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Von 
Maria Herlo
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Enno Pigge und Susanne Bohn sind in der evangelischen Kirche zu Gast und bieten einen literarisch-musikalischen Abend. © Lenhardt

Plankstadt. Sie stehen beide seit ihrer Kindheit auf größeren oder kleineren Bühnen, seit 2018 gemeinsam: Susanne Bohn und Enno Pigge. Am vergangenen Wochenende präsentierten sie in der evangelischen Kirche einen literarisch-musikalischen Abend zum Thema „Frieden“ und haben bei den Besuchern einen tiefen Eindruck hinterlassen.

„Die meisten Gedichte und Prosatexte des Abends stammten aus der Friedens-Fibel, einer Text-Anthologie, die vor 40 Jahren, 1982, sowohl im Eichborn Verlag als auch bei der Büchergilde Gutenberg erschienen ist. Herausgegeben wurde sie vom Verband deutscher Schriftsteller“, informierte Enno Pigge, der als Moderator durch den Abend führte. Zum ersten Mal wurde die Auswahl in der Zeit des Kalten Krieges, als die Gefahr eines Atomkriegs erheblich wuchs, vorgestellt.

Mitherausgeber und Redakteur der Sammlung war Frank Arlig, Schriftsteller, Journalist, Verleger und Friedensaktivist aus Frankfurt am Main. Eigentlich lautete sein bürgerlicher Name Karl Rudolf Pigge und ist der 2018 verstorbene Vater von Enno Pigge. Anwesend an der Veranstaltung war die betagte Witwe Ursula Pigge, mit der Arlig 62 Jahre verheiratet war. Die Veranstaltung dürfte für sie mehr als Rückschau bedeutet haben.

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Mit ihrem erstmals öffentlich präsentierten Programm, das die alten Texte angesichts des Kriegs in der Ukraine brennend aktuell erscheinen ließen, durchschritt das Duo Bohn/Pigge ein wunderbares Terrain an Ausdrucksmöglichkeiten: Sorgen verband es mit Hoffnung auf den Frieden, Gedichte und Prosatexte, die an die Schrecken vergangener Kriege erinnerten, mit wunderbarer Musik. Und es bestach insbesondere da, wo aus seinen Vorträgen, ob Text oder Gesang, intime emotionale Regungen erwuchsen.

Künstlertandem „DuWieDuBist“ in Plankstadt: Himmel und Erde berühren sich

Zu Beginn lud Enno Pigge die Besucher ein, gemeinsam das Lied „Wo Menschen sich vergessen“ aus dem Neuen Gesangbuch anzustimmen. Die Verse stammen von Thomas Laumann und die Musik dazu hat Christoph Lehmann komponiert. Und es handelt davon, dass dort, wo Menschen die ausgetretenen Pfade verlassen und neu beginnen, Bewegung in ihr Leben kommt, Himmel und Erde sich berühren, „dass Friede werde unter uns“.

„Mein Liebster, es ist schade, dass du heute so wenig Zeit für mich hast, ich wollte mit dir über etwas reden, dass mich seit geraumer Zeit mehr und mehr ängstigt . . . ich fürchte mich, dass alle Menschen, die wir kennen oder auch nicht kennen, von einem Atomkrieg vernichtet werden. . .“ Im sensiblen Dialog mit dem Akkordeon ließ Susanne Bohn die Anwesenden gleich hineinhören in den ersten Text aus der Anthologie mit dem Briefgedicht „Mein Liebster“, das Zuhörer den ganzen Abend hindurch begleitete.

Künstlertandem „DuWieDuBist“ in Plankstadt: Texte aus der Friedens-Fibel

Geschrieben hat es Angie Döpper, und Pigge bedauerte, dass er keinen Kontakt zu ihr und ihrer Familie herstellen konnte, denn gerne hätte er mehr über diesen 40 Jahre alten Brieftext erfahren. Das Künstlertandem hat ihn mit einem selbst verfassten Zwischentext „Meine Liebste – 40 Jahre danach“ kombiniert.

Auch bei weiteren Texten aus der Friedens-Fibel haben Susanne Bohn und Enno Pigge das gesamte Spektrum der Tonsprache ausgeschöpft, von dramatischen Zuspitzungen bis hin zu versöhnlichem Wohlklang. Dazu gehören „Befriedungsakte“ von Frank Arlig zum Beispiel, im Zusammenspiel mit Musik aus „Mon Oncle“, oder „Wenn Sie mich fragen“, ein Tonbandprotokoll eines Interviews, das der Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar mit einem ehemaligen Soldaten der Wehrmacht führte, sowie „Kinderwunsch“ des Lyrikers Peter Maiwald. Aber auch Texte außerhalb der Friedens-Fibel brachte es zu Gehör, darunter„The First Peace“ von Nicolas Black Elk, „Chant for Peace“ von Peter Michael Haas oder „Mein Gott, ist Frieden denn so schwer?“ nach Schriften des KZ-Häftlings Martin Niemöller.

In den Bann zogen die Zuhörer besonders Susanne Bohns Interpretation von Terje Nilsens größtem Hit aus dem Jahr 1974, „Mjelle“. Gestochen klar auf Norwegisch artikuliert, geriet ihr grandioser Gesang zu einer atmosphärisch dichten Klangfarbenmusik von großer Suggestionskraft, die das Publikum tief berührte. Auch sonst fesselte sie die Zuhörer mit aparten Klängen am Klavier, am Akkordeon oder an der indianischen Flöte. Dazu passten die berührenden alten sowie neuen Friedenstexte, die das Künstlertandem im Rahmen der Friedensdekade ausgewählt hat. Es zeigte darin sein sicheres Gespür, wie nahe das Schwere und Leichte nebeneinanderliegen, manchmal bloß durch eine nuancierte Färbung der Stimme.

Freie Autorin