Gemeindebücherei - Finissage „Heiß auf Lesen“ für Erwachsene / Verschiedene Werke werden vorgestellt /Johannes Häfner unterstreicht den Abend musikalisch Lektüre, die zum Austausch anregt

Von 
Maria Herlo
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An einer Schnur hängen die ausgefüllten Blätter der fleißigen Leser. Auf diesen haben sie anonym vermerkt, um welches Buch es sich handelt, worum es geht und wie es dem Leser gefallen hat. Auf einigen waren auch Bilder zu finden, vom Ort der Lektüre. © Lenhardt

Plankstadt. Wie bringt man Kinder zum Lesen? Indem man eine Aktion unter dem Motto „Heiß auf Lesen“ initiiert, in der es auch etwas zu gewinnen gibt. Bei diesem landesweiten Projekt ist die Gemeindebücherei schon zum vierten Mal dabei. Wer es in den Sommerferien schaffte, eins oder mehrere Bücher zu lesen und bei der Rückgabe den Inhalt erzählte, nahm an einem großen Gewinnspiel mit attraktiven Preisen teil. Die Resonanz war beeindruckend.

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Was bei den kleinen Lesern so gut funktioniert, könnte auch Erwachsene ansprechen, dachte sich das Team der Bücherei um Leiterin Claudia Verclas. „Wir dachten“, sagte sie, „dass Erwachsene auch mal gern erzählen, was sie gelesen haben.“ Deshalb hat das Büchereiteam sich entschlossen, „Heiß auf Lesen“ auch für sie anzubieten, allerdings in einer etwas anderen Form. „Anfang August wurde das Regal mit neuem Lesestoff enthüllt“, erklärte Verclas im Gespräch mit unserer Zeitung das Konzept, „daraus durften blind Bücher entnommen werden. Die Leser erhielten dazu einen Vordruck, auf dem sie anonym vermerkten, welches Buch es war, worum es darin ging, wie es ihnen gefiel und wo sie es gelesen haben.“ Auch hier war der Zuspruch sehr groß, wie die zahlreichen ausgefüllten Vordrucke, die an einem Seil zur Ansicht aufgereiht waren, zeigten. Einige Leser haben zudem ein Foto mitgeliefert vom Ort der Lektüre.

Zur Finissage am Donnerstagabend hat das Büchereiteam eine kleine Party organisiert. Der dafür gestaltete Bereich mit Stehtischen, mit selbst gemachten Häppchen, Wein und Musik, bildete die passende Atmosphäre. Die Grundstimmung von Billy Joels Welterfolg „Piano Man“, dem Song „New York State of Mind“ oder „This Love“ der US-Band Maroon 5 brachte der junge Musiker Johannes Häfner wunderbar zum Tragen. Doch nicht nur die Musik, mit der Häfner die Präsentation der einzelnen Buchtitel begleitete, ging unter die Haut, sondern auch die Erklärung der Büchereileiterin angesichts des furchtbaren Ereignisses in Halle. „Es ist mir wichtig zu erwähnen“, betonte sie, „dass Bibliotheken wie die unsere in Plankstadt Orte sind, an dem ein vielfältiges Miteinander gelebt werden kann, ohne Hass und ohne Ausgrenzung. Die Bücherei möchte allen Menschen die Möglichkeit bieten, sich zu informieren und weiterzubilden, und niemanden ausgrenzen.“

Zwischen Vergangenheit und jetzt

Passend zum 30. Jahr nach dem Mauerfall stellte Claudia Verclas den Debütroman der Schriftstellerin Anja Baumheier vor mit dem Titel „Kranichland“. Darin erzählt die 1979 in Dresden geborene Autorin eine bewegende Familiengeschichte über das geteilte Deutschland. Verclas zeigte sich begeistert, das Buch hat sie nicht mehr losgelassen. „Sein Reiz besteht darin“, sagte sie, „dass es hin und her springt zwischen der Vergangenheit, dem Jahr 1947, und der Gegenwart. Die Zeitspannen werden immer kürzer, bis sich der Knoten auflöst und das Geheimnis der Familie im vereinten Deutschland schließlich aufgedeckt wird.“

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Keinen Hehl machte Büchereimitarbeiterin Susanne Schwender daraus, dass ihr der Roman „Ein Himmel voller Sterne“ von Marie-Sabine Roger besonders gut gefallen hat, „weil es unglaublich witzig und spritzig geschrieben ist“. Einer der Protagonisten, Merlin Deschamps, ist Comic-Illustrator, der mit seinem Leben eigentlich zufrieden ist. Nachdem aber sein bester Freund Laurent stirbt, verändert sich einiges. Aus den Auszügen, die Schwender daraus vorlas, wurde den Zuhörern schnell klar: Dieses unterhaltsame Buch lohnt sich auf jeden Fall, gelesen zu werden wie auch das nächste, das Lena Reffenmaier ausgewählt hat: „Auerhaus“ von Bov Bjerg. Darin geht es um sechs Jugendliche, die unter sehr originellen Umständen eine WG gründen. „Es ist eine zauberhafte Geschichte über Freundschaft, über Liebe, den Sinn des Lebens, geschrieben in einer leicht verständlichen, direkten Sprache“, geeignet sowohl für Jugendliche als auch für Ältere.

Aus dem Bücherstapel zog Leserin Erdmute Entz den Band „Die Kreuzfahrer“ von Wladimir Kaminer. „Es war nicht unbedingt mein Geschmack“, gestand sie, „aber ich habe Kaminer einige Male live erlebt und war von seinem Humor und seiner Eloquenz total begeistert.“ Beim Lesen sah sie ihn vor sich. Auf diese Weise hatte sein Sprachwitz, seine Ironie und satirischen Bemerkungen eine besonders starke Wirkung.

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