Mitmachaktion - Leser schicken uns ihre liebsten Mundartbegriffe / Vor allem im kulinarischen Bereich ist der Dialekt verbreitet / Schimpfwörter besonders charmant S’Gschärr werd’ hier gedriggelt

Von 
Saskia Grössl
Lesedauer: 
Das „Gschärrabdrigglhondischl“ hilft ganz klassisch nach dem Abwasch. © Grössl

Plankstadt. Der Kurpfälzer Dialekt bewegt die Menschen. Das hat der Verein „Doomools un’ jezzard“ mit seinem Artikel zur Mundart gezeigt. In den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram haben wir nach den liebsten Dialektwörtern gefragt und große Resonanz bekommen.

AdUnit urban-intext1

Der Dialekt scheint beliebt zu sein. An unserer kleinen Umfrage, ob sie Mundart sprechen, haben insgesamt 83 Nutzer teilgenommen. 53 von ihnen reden Dialekt, 30 nicht. Daher war unser kleines Rätsel mit der Frage, was „Keesgrieb“ bedeutet, für die meisten gut zu lösen. „Kiesgrube“ – das wussten 73 Teilnehmer. 50 Teilnehmer tippten auf „Käsereibe“, 16 auf „Lausbube“ und 15 auf „Kekskrümel“.

Doch unsere Leser und Leserinnen hatten noch mehr schöne Wörter zu bieten. Vor allem, dass sich manche Wendungen im Kurpfälzer Dialekt so schön verkürzen, gefällt den Nutzern. So wird die doch recht lange Frage: „Meinst du wirklich, dass . . .?“ im Dialekt ganz einfach zum kurzen „Moonsch?“

Und sowieso gibt es ja manche Wendungen, die fast universell anzuwenden sind. Das kurze Wörtchen „alla“ zum Beispiel, das ja bei Auswärtigen zu Missverständnissen führen kann. Denn es geht nicht um „Allah“, zu dem die Muslime beten, sondern es stellt eine Begrüßung oder eine Verabschiedung dar. „Alla mol!“ ruft man sich zu, wenn man nach einem kurzen Schwätzchen wieder seiner Wege geht.

Auf geht’s!

AdUnit urban-intext2

„Alla“ kann aber auch „richtig, also doch“ bedeuten, wie in „Alla, no schdimmds doch“ (Also, dann stimmt es doch). Und zur Eile kann man damit auch antreiben: „Alla hopp!“ (auf geht’s).

Auch kulinarisch ist der Dialekt unter den Teilnehmern unserer Umfrage verbreitet. Da kommt offenbar des Öfteren „Knebbelskraut“, also Rosenkohl, auf den Tisch. Und zum Vespern gibt es dann ein „Lewwerworschtebrot“, also ein Leberwurstbrot. Die „Geelerriewe“ (Karotten) gibt es vielleicht als Beilage – die sind hoffentlich noch nicht „fadozzelt“ (vertrocknet). Und der Nachtisch könnte ja ein Kuchen sein – mit „Riwwel“ (Streusel).

Bloß nichts „faschamariarä“

AdUnit urban-intext3

Hinterher muss man nadierlisch (natürlich) auch die Küche aufräumen und sich um das Geschirr kümmern. Da hilft ein „Gschärrdriggler“, also eine Geschirrspülmaschine, oder, wenn man keinen hat, dann kommt das „Gschärrabdrigglhondischl“ (Geschirrhandtuch) zum Einsatz. Das ist dann vielleicht sogar „geblimmlt“ (geblümt) – wer weiß?

AdUnit urban-intext4

Manchmal kommt es zu Unfällen, zum Beispiel, wenn man irgendwo „weddagebrummt“ (dagegengestoßen) ist oder wenn man „inne-nannanei“ (ineinander hinein) läuft. Vielleicht „babbt“ (klebt) man auch irgendwo fest. Und manches Mal geht dabei vielleicht auch etwas kaputt und ist hinterher „faschamariad“, also zerkratzt. Das ist übrigens ebenfalls ein Lehnwort aus dem Französischen.

Schuld an solchen Unannehmlichkeiten könnte zum Beispiel ein „Olwanoggl“ sein, also eine ungehobelte Person. Arm dran, wer so jemanden unter seinen „Ookhearischä“ (Angehörigen) hat. Und wie findet man bei Kindern heraus, zu welcher Familie sie gehören? Man fragt ganz einfach: „Wem kheaschan du?“ (Zu wem gehörst du?).

Einer meiner persönlichen Favoriten ist das Wort „uuschiarisch“ (unhandlich). Wenn ich den „uuschiarische“ Karton tragen muss, hoffe ich auch, dass jemand mir hilft, ohne erst mit mir zu „dischbediere“ (disputieren) – bevor der Karton mir „schirga“ (fast) runterfällt. Besonders charmant sind auch die Uznamen oder harmloseren Schimpfwörter wie der „Labbäduddl“ (einfältiger Mensch) oder der „Laggl“ (langer, unbeholfener Mensch). Wenn man sich über einen Jungen ärgert, bezeichnet man ihn durchaus einmal als „Banggadd“ (frecher Junge). Und wenn jemand blöd oder bescheuert ist, dann ist er einfach „dabbed“.

„Holla, die Bopp danzt“ (jetzt geht es ab) möchte man zu so vielen netten Wörtern sagen. Natürlich hat jede Gemeinde noch einmal lokale Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen, ja sogar einzelne Familien haben vielleicht ihre ganz eigenen Wörter, und vor allem die Schreibweise ist sicherlich manches Mal so oder so möglich. Schließlich ist der Dialekt eine gesprochene und keine geschriebene Sprache. Bleibt zu hoffen, dass er erhalten bleibt und immer wieder durch die Straßen schallt. Schließlich steht nichts so sehr für die Heimat wie die Sprache, die für sie charakteristisch ist. Danke für alle Einsendungen!

Redaktion Redakteurin, zuständig für Plankstadt