Vogelpark - Der Lockdown lässt die üblichen Geldspenden versiegen / Nicht jedes Gemüse eignet sich zum Verfüttern – was stattdessen gebraucht wird Vogelpark Plankstadt: Im Lockdown fehlen Spenden

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Sascha Balduf
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Wenn Sven Berlinghof am Morgen den Vogelpark betritt, um die Tiere zu füttern, warten auf ihn öfter einmal Futterspenden, die am Zaun hängen oder vors Tor gelegt wurden. Das freut den Vorsitzenden des Kanarien- Exoten- und Vogelschutzvereins zwar grundsätzlich, doch oft enthalten die Spenden eher kaum brauchbare Küchenabfälle. Die Entsorgung wird zum Mehraufwand für die Ehrenamtlichen des Vereins, die sich täglich um Tiere und Park kümmern.

Plankstadt. Derzeit plagen die Vogelfreunde aber eher andere, essenzielle Sorgen: „Der Vogelpark ist eine Freizeiteinrichtung und dementsprechend geschlossen, seit der Lockdown verhängt wurde“, erklärt Sven Berlinghof. Seitdem sieht es in der Vereinskasse mau aus - die Spendenbox im Eingangsbereich des Vogelparks bleibt ohne Besucher logischerweise auch leer. Geld, das der Verein braucht, um Futter und anderes Verbrauchsmaterial zu kaufen und die Volieren instand zu halten.

Ein Ananas-Strunk taugt nun wirklich nicht als Futter. Dennoch findet Vorsitzender Sven Berlinghof immer wieder Küchenabfälle als Spenden am Tor. © Sascha Balduf

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„Wir sind jetzt zwar noch nicht in finanziellen Schwierigkeiten und können auch alle Tiere ganz normal ernähren, aber wir wissen natürlich auch nicht, wie lange wir noch mit diesen Einschränkungen leben müssen“, sagt Sven Berlinghof. Neben den Spenden finanziert sich der Verein über Mitgliedsbeiträge und die Pacht der an den Vogelpark angegliederten Wirtschaft.

Immerhin, manche Kostenpunkte fallen wegen der Pandemie ebenfalls flach. Nachdem beim Freiwilligentag viele fleißige Helfer mit angepackt hatten, um eine alte, instabile Voliere abzureißen und das ehemalige Wasservogeldomizil für die Aras umzugestalten, wollten die Vereinsmitglieder eigentlich die neue Voliere aufbauen und die Aras umziehen. Im Hinblick auf den Infektionsschutz war das jedoch nicht mehr drin - zumal viele Vereinsmitglieder einer Risikogruppe angehören und nicht helfen können.

So fehlt noch ein Teil des Dachs an der neuen Ara-Voliere und der Bauwagen, der beim Helfertag bereits in bester Peter-Lustig-Manier geschmückt wurde, steht noch nicht an seinem neuen Platz. Er hätte den Papageienvögeln als Unterschlupf für den Winter dienen sollen, inklusive Rotlichtlampe für die Extraportion Wärme an frostigen Tagen. So verbringen die blau-gelben Exoten die kalten Monate noch einmal im Winterhaus.

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„In die alte Ara-Voliere wollten wir unsere beiden Uhus umziehen, weil sie dort viel mehr Platz haben“, berichtet Sven Berlinghof, „Leider gab es kürzlich einen kleinen Ehekrach und ,Rudi’ ist erst mal ohne seine Partnerin dort aufgeschlagen.“ Man könnte sagen, „es ist der Wurm drin“.

Tatsächlich nicht drin ist der, wie man vielleicht meinen würde, im Futter, das die Vogelfreunde auch im Winterhaus lagern. Dieses lässt sich grob in vier Kategorien einteilen: Großvogelfutter, für Hühner und Enten, Papageienfutter, Wellensittichfutter und Kanarienfutter. Eine bunte Mischung aus Kernen, Saaten und Getreide versorgt die Tiere mit allen Nährstoffen.

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Wellensittiche begnügen sich dabei mit Hirse und kleineren Samen, Kanarienvögel und Papageien freuen sich über Sonnenblumenkerne. „Eine Besonderheit sind die Loris“, erläutert Berlinghof und holt eine Dose aus einem Regal, „sie ernähren sich in der Natur von Nektar, den sie mit ihrer langen Zunge aus Blüten holen. Wir haben dafür ein speziellen Pulver, das wir mit Wasser zu einem Brei anrühren.“

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Jedes Tier wird im Vogelpark nach seinen Bedürfnissen gefüttert - und bekommt entsprechend mal einen Leckerbissen aus den Futterspenden, die oft anonym abgegeben werden. „Wir haben auch feste Spender, zum Beispiel den Obsthof Gießer, der uns immer wieder mit frischen Äpfeln versorgt“, sagt Sven Berlinghof, „aber vieles liegt oder hängt am Eingang.“

Oft sind es Backwaren, die die Ehrenamtlichen finden - denn wer kennt nicht die Volksweisheit, dass man Enten mit trockenem Brot füttert. Als Beilage bekommen es die watschelnden Wasserbewohner sogar - weil es ihnen schmeckt und vor allem, weil es gut sättigt. Platz eins auf ihrem Speiseplan nimmt es aber keineswegs ein.

Schimmel auf Brötchen

„Und problematisch wird es dann bei solchen Spenden“, sagt Berlinghof und zeigt eine Plastiktüte mit Brot, Brötchen und süßen Teilchen. Letztere sind für die Tiere ohnehin unverträglich, das Problem ist aber ein anderes: „Auf diesem Brötchen kann man deutlich Schimmel sehen“, erläutert Berlinghof und zieht einen Kaiserweck heraus, „damit ist eigentlich die ganze Tüten unbrauchbar, weil wir nicht wissen können, wohin sich die Sporen überall ausgebreitet haben.“

Er wirft die Backwaren in eine Tonne, in der schon andere Spenden gelandet sind: ebenfalls verschimmelte Gurken, eine - abgebissene - Banane und rohe Kartoffelschalen. „Neulich war sogar der Kopf einer Ananas dabei“, ergänzt der Vorsitzende.

Das ungenießbare Grünzeug beschäftigte die Papageien immerhin eine Weile als Spielzeug. Dabei will Berlinghof nicht falsch verstanden werden, er freut sich über Spenden - solche, mit denen die Vögel noch etwas anfangen können: „Wenn Obst oder Gemüse mal eine weiche Stelle oder einen braunen Fleck haben, stört das die Tiere nicht“, sagt er, „aber etwas, das ich selbst unter keinen Umständen mehr essen würde, kann ich doch nicht unseren Vögeln vorsetzen.“

Die Sorgfalt beim Füttern hat sich auch schon rumgesprochen. Wenn Sven Berlinghof mit seinem Eimer voller Körner zum Ententeich aufbricht, beginnt in den Bäumen auf dem Gelände das Zwitschern. Es ist, als hätten sich alle Tauben der Nachbarschaft versammelt, um zu dinieren. „Die armen Kerle finden im Winter eben auch kaum etwas zu fressen“, sagt Berlinghof und wirft einen Schwung Futter ins Gehege. Das Nahrungsangebot für Wildvögel ist im Winter nicht gerade üppig. Große Landwirtschaftsflächen und vom Menschen bebautes Gelände tragen ihren Teil dazu bei. Kein Wunder also, dass sich ein Buffet, wie es ihre im Gehege lebenden Artgenossen geboten bekommen, auch bei den Vögeln in freier Wildbahn herumspricht.

Um sicherzugehen, dass die Enten - bei aller Nächstenliebe - genug abbekommen, versenken die Vereinsmitglieder immer wieder Essbares in deren Tümpel, dass die Tauben nicht anrühren. Auch hier kommt das trockene Brot zum Einsatz.

Freizeit ist tabu

Es ist ruhig geworden im Vogelpark. Keine Familien vor zwitschernden Volieren, kein Kinderlachen und keine Gespräche auf der Parkbank. Zwar sind die Toren der Einrichtung meistens geöffnet, weil für den Abholservice der Gaststätte eine Zugangsmöglichkeit gewährleistet sein muss, aber dennoch bleibt der Freizeitaspekt tabu. Auf dem Weg zum Ausgang wirft Sven Berlinghof noch einen Blick in die eingemauerte Spendenbox. Sie zeigt das gleiche Bild wie seit Wochen: leer.

Weitere Infos und Mitgliedsanträge finden Sie unter www.vogelparkplankstadt.de

Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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