Blick in die Geschichte - Vor 70 Jahren wurden die letzten fünf Häuser für die Eisenbahnersiedlung fertiggestellt / Gemeinsames Bad im Erdgeschoss Wie eine eigene Dorfgemeinschaft für sich

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Und so sieht diese Straßenecke heute aus. Insgesamt ist der Ort doch noch deutlich gewachsen. Autos sind heutzutage mehr zu sehen als damals. © Moosbrugger

Plankstadt. Alte Fotos geben stets interessante Einblicke in die Vergangenheit – besonders, wenn man sie mit den heutigen Ansichten vergleicht. Vor 70 Jahren – also 1950 – wurden die letzten fünf Häuser für die Eisenbahnersiedlung fertiggestellt und bezogen.

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Ein Zeitungsartikel aus dem April 1950 erklärt die Geschichte der Eisenbahnsiedlung. Außenrum finden sich Annoncen der Handwerker, die die Arbeiten an den Häusern durchgeführt haben – alle aus Schwetzingen und Umgebung. Auf dem historischen Foto, das uns Andreas Moosbrugger hat zukommen lassen, fällt der Blick im Hintergrund auf die katholische Kirche St. Nikolaus. Wie leer alles noch war – der Blick schweift frei den Brühler Weg entlang bis zur Ecke Mozartstraße. Das Haus in der rechten Bildhälfte hat die Bäckerei von Oskar Pfister beherbergt.

Wohnungen für Bedienstete

„In drei Jahrzehnten ist zwischen dem Eisenbahnausbesserungswerk und Plankstadt eine Siedlung entstanden, die ihrer Größe nach eine Dorfgemeinschaft für sich sein könnte. Nach dem Ersten Weltkriege wurde deutlich, dass in der Nähe des Ausbesserungswerkes, das 1914 erbaut worden war, eine Siedlung entstehen müsse, um den in und um Schwetzingen beschäftigten Eisenbahnbediensteten Wohnungen zu schaffen. In Heidelberg kamen deshalb im Jahre 1919 Arbeiter des EAW zusammen und gründeten eine Siedlungsgenossenschaft. Die Eisenbahn sagte ihre Unterstützung zu und kaufte zwölf Hektar Ackerland“, so heißt es in dem alten Zeitungsartikel. Mit finanzieller Unterstützung der Bahn sowie 200 Mark Geschäftsanteilen der Mitglieder begannen die Arbeiten. In Blocks, die entweder vier, sechs oder acht Wohneinheiten umfassten, wurden bis 1933 insgesamt 174 Wohnungen fertiggestellt. In der Hebelstraße wurden bis 1936 16 Wohnungen erbaut.

Nach der Währungsreform

„An den Zeitverhältnissen gemessen, war die Arbeit, die nach Kriegsschluss an der Eisenbahnsiedlung geleistet wurde, ungleich schwerer als in dem Zeitraum zwischen den beiden großen Kriegen“, heißt es im Zeitungsartikel. Die Siedlung sei zu einem Dorf für sich herangewachsen, in dem 180 Familien mit 1240 Köpfen wohnten. Dass bis nach der Währungsreform nicht gebaut worden sei, habe an der Baustofffrage gelegen.

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Der Bau der fünf Häuser auf den Bildern habe 1949 begonnen, die bereits am 15. Dezember von Bediensteten der deutschen Bundesbahn bezogen waren. „Jedes Haus enthält sechs Wohnungen mit je zwei Zimmern, Küche und einem gemeinsamen Bad im Erdgeschoss. Zumindest in dieser Hinsicht hat sich der Wohnkomfort in der heutigen Zeit allerdings gebessert. grö