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Rückblick - Das Gemeindegeschehen im Jahr 1997 beleuchten

Ära Klein startet

Das Gemeindegeschehen im Jahr 1997 beleuchten

Von 
jd
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Hartmut Andermann (Geschäftsführer der Bauunternehmung G.A. Müller, v.li.), Bürgermeister Walter Klein, Bauamtsleiter und KWG-Geschäftsführer Anton Rothas, Bürgermeister a.D. Helmut Müller, Pfarrer Wilhelm Nauber und sein katholischer Kollege Stefan Kälble starten am 4. Juli 1997 mit einem symbolischen Spatenstich den Bau des St. Joseph Kindergartens in der Schulstraße. © svs

Reilingen. Erstmals in seiner noch jungen Amtszeit blickte der am 13. April 1997 mit beeindruckenden 52,57 Prozent der gültigen Stimmen schon im ersten Wahlgang zum Bürgermeister berufene Walter Klein Anfang des Jahres 1998 auf ein herausforderndes Jahr zurück. Ein Jahr, das mittlerweile ein Vierteljahrhundert von der Gegenwart entfernt ist, was einen Blick auf die Klein‘sche Revue des Jahres 1997, die Gemeinde zählt damals 6944 Einwohner, aktuell sind es über 7800, schon wieder interessant macht.

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„So manche Wünsche blieben bei einer anhaltenden finanziellen Schwächephase auf der Strecke. Trotz aller Einsparungen ist es erstmals nicht gelungen, im Verwaltungshaushalt einen Überschuss zu erwirtschaften“, stellt Klein gleich zu Beginn bedauernd fest, nicht ohne hinzuzufügen, dass es rund der Hälfte der 54 Kreisgemeinden nicht besser ging.

In einem unterschied sich die Vergangenheit nicht von der Gegenwart – es wurde kräftig gebaut, der Gemeinderat befasste sich mit zahlreichen Bauangelegenheiten: „Um den Wohnungsbau weiter zu fördern, wurde eine ganze Anzahl von Planfeststellungsverfahren eingeleitet, fortgeführt oder zur Rechtskraft gebracht“, rekapituliert Klein und verweist auf das Leitplanverfahren „Fröschau-Wörsch“, das im Jahr 1997 abgeschlossen werden konnte. Ausgewiesen worden sei ein weiteres Gewerbegebiet „Rott“ und im Gewerbegebiet „Hägebüch II“ sei es jetzt zulässig, Einzelhandelsbetriebe des Lebensmittelgewerbes anzusiedeln. „In der Wilhelmstraße 86 will schon im Folgejahr Penny einen Verkaufsmarkt eröffnen“, blickt Klein in die Zukunft, die in der Gegenwart längst Vergangenheit ist: Der Discounter findet sich heute in der Siemensstraße und an seinem ehemaligen Standort in der Wilhelmstraße residiert das PCR-Testzentrum des Rhein-Neckar-Kreises.

Dank einer um eine Million Deutsche Mark (DM wohlgemerkt!) aufgestockter Landeshilfe konnte die Ortskernsanierung weitere Fortschritte verzeichnen, fährt Klein fort und verweist auf positiv verlaufene Eigentümergespräche, die „bedeutende Veränderungen“ erwarten ließen. In der Hauptstraße 54/56 konnte die vorhandene Bausubstanz abgebrochen werden. „Dort verwirklicht die Gemeinde einen neuen Kindergarten, der unter Betriebsträgerschaft der katholischen Kirchengemeinde stehen soll. Im vorderen, der Hauptstraße zugeordneten Grundstücksteil sollen betreute Seniorenwohnungen entstehen.“ Die Wohnungen stehen und der Kindergarten St. Josef dürfte bald sein 25-jähriges Bestehen feiern.

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„Eingeebnet wurde das Gebäude in der Hauptstraße 66. Dort baut der Eigentümer, unterstützt durch Fördermittel der Ortskernsanierung, ein zweigeschossiges Wohnhaus, in dem der örtliche Polizeiposten untergebracht werden soll“, stellt Klein fest. Mittlerweile ist die Präsenz der Polizei vor Ort seit 2006 Geschichte, haben die Beamten ihren Polizeiposten doch in Neulußheim, der für beide Gemeinden zuständig ist.

„Auf dem Gelände in der Hockenheimer Straße 14 sind 14 neue Stellplätze sowie eine überdachte Bushaltestelle mit integriertem Fahrradabstellplatz angelegt worden“, merkt Klein an und lenkte den Blick auf den noch heute attraktiven Platz gegenüber dem Rathaus.

„Im Rahmen der Flurbereinigung konnte das Erdwegenetz weiter ausgebaut werden. Am Knotenpunkt L 599/B 39 staut sich immer wieder der Verkehr. Abhilfe soll eine vom Land zu finanzierende Ampelanlage schaffen.“ Was gleichfalls geschehen ist, auch wenn die Bundesstraße an dieser Stelle zur Landesstraße zurückgestuft wurde. Zudem erhielt die Einmündung vor einigen Jahren eine Rechtsabbiegespur in Richtung Walldorf.

„Bedeutendste Hochbaumaßnahme war der am 4. Juli mit einem obligatorischen Spatenstich aufgenommene Neubau des Kindergartens St. Josef, der wie schon erwähnt auf dem hinteren Bereich des Grundstücks an der Hauptstraße gebaut wurde. Er soll 1,8 Millionen DM kosten und die überalterte Einrichtung auf der Gegenseite ersetzen“, seufzt Klein wohl angesichts der finanziellen Belastung, die seinem Nachfolger Weisbrod nur ein müdes Lächeln abringen dürfte. „Für den Nachwuchs stehen in der Gemeinde insgesamt 284 Betreuungsplätze zur Verfügung“, resümiert Klein für das Jahr 1997 – zum Vergleich: aktuell sind es über 400 Kinder, die in der Gemeinde betreut werden, wobei sich die täglichen Öffnungszeiten der Einrichtungen stark erweitert haben.

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Wechsel an der Gemeindespitze

Nach 16 kräftezehrenden Jahren hat sich Bürgermeister Helmut Müller im April 1997 nicht mehr dem Bürgervotum gestellt. „Unter seiner Ägide hat die Gemeinde eine stetige Aufwärtsentwicklung verzeichnet, die auch durch schmerzhafte Rückschläge, wie den verheerenden Hallenbrand, nicht aufzuhalten war“, bescheinigt Klein seinem Vorgänger im Amt.

Zu einem kulinarischen und viel besuchten Höhepunkt avancierten die dritten Süddeutschen Spargeltage, führt das Gemeindeoberhaupt aus und erwähnt bei den klassischen und nichtklassischen Jubiläen besonders das seltene 100-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr und des Sängerbundes 1897 – bei beiden steht in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen im Kalender.

„Seit drei Jahren beschäftigt sich der Diplomgeologe Ludwig Hildebrand mit den Bodenfunden der ehemaligen Burg Wersau. Finanziell unterstützt hat die Gemeinde die ,Notbergungen‘ auf dem Areal“, lenkt Klein den Blick auf die Ausgrabungen auf dem Burggelände, die damals noch in den Kinderschuhen steckten. Dennoch – „erstmals gab es auch den Versuch, Schulkinder bei der Bergung von Bodenfunden zu beteiligen“.

Der Rückblick endet mit einem versöhnlichen Ausblick in die Zukunft – zumindest was die kommunalen Finanzen betrifft. Bürgermeister Walter Klein zeigte sich zuversichtlich, „die schwierige Finanzsituation zu meistern und auch die Herausforderungen des Folgejahres erfolgreich zu bestehen“. jd

Info: Der Jahresbericht 1997 findet sich unter www.reilingen.de

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