Corona-Erkrankung - Christiane Benetti kehrt nach überstandener Krankheit an ihren Arbeitsplatz im Rathaus zurück / Erfahrungsbericht soll Bürgern Ängste nehmen „Durch das Gesundheitsamt gut betreut“

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aw/cb
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Bürgermeister Stefan Weisbrod freut sich, seine Mitarbeiterin Christiane Benetti wieder im Kreis der Kollegen begrüßen zur dürfen. Das Bild entstand schon zu einem früheren Zeitpunkt, als es um ein kommunales Gebäude der KWG ging. © Gemeinde

Reilingen. Ende letzter Woche vor dem Rathaus und am Samstag vor dem Rewe-Markt wurden auf Initiative der Verwaltung Mundmasken an die Bürger abgegeben, die in Zeiten der Corona-Pandemie für ein gewisses Maß an Schutz sorgen sollen. Bei diesen Aktionen, speziell bei der vorm Rewe-Markt, kam Bürgermeister Stefan Weisbrod mit vielen Bürgern – natürlich im erforderlichen Sicherheitsabstand – ins Gespräch und nahm eine wichtige Erkenntnis mit: „Ich habe am Wochenende bei meinem Rewe-Stand die Erfahrung gemacht, dass die Menschen doch große Ängste und über den Verlauf der Krankheit keinerlei Vorstellung haben.

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Weshalb es ihn freute, am Montag, 20. April, Christiane Benetti zurück im Rathaus begrüßen zu dürfen. Und dies aus zweierlei Gründen: Zum einen freut es ihn natürlich, dass Benetti von ihrer Corona-Erkrankung genesen ist, zum anderen, dass sie bereit ist, ihre Erfahrungen in Form eines Berichts mitzuteilen. „Für viele Menschen ist das eine ganz wichtige Information und damit eine tolle Sache“, befindet der Bürgermeister.

Eine Meinung, der wir uns anschließen, Informationen sind immer hilfreich, weshalb wir den Bericht von Christiane Benetti gerne wiedergeben:

Mein Covid-19-Tagebuch

Nach meiner Genesung von Covid-19 möchte ich einen kleinen Erfahrungsbericht abgeben. Meine Erkrankung begann Mitte März mit Kopf- und Muskelschmerzen, ähnlich einem Muskelkater oder Verspannungen, sowie einem leichten trockenen Husten. Auch am darauffolgenden Tag wurden die Beschwerden nicht besser. Aufgrund der Nachrichten und Informationen habe ich mich durch meinen Hausarzt krankschreiben lassen, um niemanden anzustecken, falls die „Erkältung“ nicht doch etwas mit dem Coronavirus zu tun haben sollte.

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Meine Familie und ich haben uns eine freiwillige Quarantäne auferlegt und sämtliche Kontakte vermieden. Die nächsten zwei Tage verbrachte ich im Bett mit starken Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Ich war immer noch überzeugt davon, dass es nur ein grippaler Infekt ist. Zum Wochenende hin ging es mir schon wieder besser. Leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn montags begann erneut mein Husten mit leichten Halsschmerzen und auch die Nase ging zu. Kopfschmerzen wurden zum täglichen Begleiter.

Nach einer Woche war ich aufgrund meiner Symptome leider noch nicht in der Lage, wieder arbeiten zu gehen, so dass ich eine weitere Woche krankgeschrieben wurde. Am darauffolgenden Wochenende bekamen auch mein Mann und meine Tochter Symptome: Es begann mit Husten, Niesattacken, Gliederschmerzen und leichtem Fieber. Mein Mann nahm nach dem Wochenende Kontakt mit unserem Hausarzt auf und wurde auch wegen meiner Erkrankung sofort zum Test auf Covid-19 vorgeschlagen.

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Die Zugangsdaten für die Testung kamen kurzfristig vom Gesundheitsamt per E-Mail. Im perfekt organisierten Drive-In-Testzentrum in Schwetzingen wurde der Test durchgeführt. Im Vier-Minuten-Takt wurden die Abstriche direkt am Autofenster abgenommen. Der Abstrich ist nicht sehr angenehm, aber man übersteht es.

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Schon am nächsten Tag kam der Anruf vom Gesundheitsamt mit dem positiven Testergebnis. In diesem Zusammenhang erhielt die ganze Familie eine amtliche „Anordnung zur Absonderung“ für die kommenden 14 Tage. Im achtseitigen Dokument werden die Grenzen klar beschrieben: Kein persönlicher Kontakt zur Außenwelt, die Wohnung darf nicht verlassen werden. Zudem ist ein tägliches Online-Tagebuch mit Temperatur und Atemfrequenz zuführen.

„Anordnung zur Absonderung“

Da meine Tochter ebenfalls erkrankt war, wurde auch sie am folgenden Tag getestet und erhielt ebenso nach einem Tag die Mitteilung des Gesundheitsamtes über das positive Testergebnis.

Aufgrund der beiden Ergebnisse von meinem Mann und meiner Tochter wurde nun auch bei mir noch eine Testung durchgeführt, obwohl man davon ausging, dass sich – im Falle einer Erkrankung – bei mir nach zwei Wochen wohl keine aktiven Viren mehr nachweisen lassen würden. So wurde 18 Tagen nach Beginn meiner Symptomatik ebenfalls ein Rachenabstrich genommen. Am Montag darauf kam dann mein positives Testergebnis, was uns alle sehr überraschte. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir schon sehr gut, lediglich ein leichter Reizhusten war noch zu verspüren.

Auch meinem Mann und meiner Tochter ging es nach zwei, drei Tagen schon wesentlich besser und wir haben die Quarantänezeit dank des schönen Wetters auf der Terrasse verbringen können. Während der Quarantäne wurden wir regelmäßig vom Gesundheitsamt beziehungsweise von der Uniklinik in Heidelberg kontaktiert, die sich nach unserem Befinden und den Symptomen erkundigt haben.

Bei einer eventuellen Komplikation wie beispielsweise schwere Atemnot oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wären wir sofort in die Klinik eingewiesen worden. Für diese Versorgung möchten wir uns ganz herzlich beim Gesundheitsamt und bei der Uniklinik Heidelberg bedanken, denn das gab ein gutes Gefühl der Sicherheit.

Als einziger in unserer Familie nicht erkrankt war unser Sohn, obwohl es schwierig ist, sich innerhalb der Familie so abzusondern, dass man sich nicht ansteckt.

Die Aufhebung der Quarantäne erfolgte nach gut 14 Tagen durch das Gesundheitsamt. Nach 48 Stunden ohne Symptome haben wir uns beim Gesundheitsamt gemeldet und wurden daraufhin aus der Quarantäne entlassen. Gemäß dem Robert-Koch-Institut sind wir nach Beendigung der Symptome genesen und dürfen uns unter Einhaltung der gängigen Hygiene- und Abstandsregeln wieder bewegen.

Für Plasmaspende melden

Im Nachgang werden wir uns zur Plasmaspende in der Uniklinik zur Verfügung stellen. Mit dem Plasma von genesenen Covid-19-Patienten werden Studien zur Entwicklung von Impfstoffen und Antikörpertherapien durchgeführt, was hoffentlich dazu führt, dass schnellstmöglich ein Impfstoff gegen diese Erkrankung entwickelt werden kann und wir alle bald wieder unser altes Leben zurückbekommen.

Alle Erkrankten in unserer Familie hatten einen leichten Verlauf, da wir auch keinerlei Vorerkrankungen haben. Auch wenn wir jetzt glimpflich davongekommen sind, empfehlen wir jedem dringend, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und größere Menschenmengen wie beim Einkaufen auf ein Minimum zu reduzieren. aw/cb