Am Feldrain - Ortsbegehung im Seniorenzentrum / Am 1. Juli ziehen die ersten Bewohner ein / 14 Personen leben gemeinsam in einer Hausgemeinschaft – ein familiäres Umfeld schaffen Ein Leben mit farblichen und blumigen Akzenten

Von 
Vanessa Schwierz
Lesedauer: 
Das Awo-Seniorenzentrum am Feldrain ist außen fertig, innen finden die letzten Arbeiten statt und die Einrichtung wird geliefert. Darüber und über den baldigen Start freuen sich Bürgermeister Stefan Weisbrod (v. l.), Christiane Geigle, Einrichtungsleiterin Elies Pastrik und Pflegedienstleiter Eric Seger. © Lenhardt

Reilingen. Bald ist es so weit: Die ersten Bewohner können in das neue Awo-Seniorenzentrum am Feldrain einziehen. Am 1. Juli geht es los, vier Bewohner werden dann Leben in die Einrichtung bringen. Bei einem Vor-Ort-Termin bekommt die Presse einen ersten Eindruck.

AdUnit urban-intext1

„Der Bau ist quasi abgeschlossen und wurde uns von der Baufirma Orbau Anfang Mai übergeben“, sagt Einrichtungsleiterin Elies Pastrik zu Beginn. Auch die Einrichtung ist in Teilen schon da. In den Verwaltungsräumen stehen bereits Tische und Stühle. Die Schränke sind noch leer. Die Küchen der Hausgemeinschaften sind eingebaut, die Möbel bereits in den Zimmern. „Beim Innenausbau muss noch einiges getan werden, aber dann kann es am 1. Juli losgehen“, zeigt sich Pastrik erfreut. Sukzessive werden die Bewohner dann in ihrem neuen Zuhause einziehen.

Durch die Corona-Krise ist allerdings einiges anders. Die Gemeinde hatte eine große Feier zur Einweihung geplant – sie muss ausfallen. „Für die Gemeinde ist es das größte Projekt der vergangenen Jahre. Da werden schon etwas Tränen verdrückt, dass es nicht in dem Maße gefeiert werden kann“, sagt Bürgermeister Stefan Weisbrod mit traurigem Blick. Aber er zeigt sich trotz allem optimistisch: „Wenn es zum Betriebsablauf passt und die Situation es zulässt, ist vielleicht im Herbst eine Besichtigung möglich.“

Die Räumlichkeiten sind fast überall gleich aufgebaut. Ein großer Gemeinschaftsraum mit Küche empfängt die Bewohner. „Hier fehlen noch Tische, Stühle und ein Fernseher an der Wand“, sagt Pastrik. Ein paar Meter weiter gehen links und rechts Gänge ab, dort befinden sich die Zimmer der Senioren – jedes mit eigenem Bad.

Küche steht immer zur Verfügung

AdUnit urban-intext2

Das Leben im Awo-Seniorenzentrum ist anders, die Bewohner leben in Hausgemeinschaften zusammen. Sechs Gruppen mit je 14 Personen werden das Haus am Feldrain bevölkern. „Das alles ist sehr familiär. Da muss niemand gestriegelt um acht Uhr beim Frühstück sitzen. Wenn man möchte, kann man auch im Morgenmantel essen – oder auch mal später“, erklärt Pflegedienstleiter Eric Seger. Und das gleiche gelte auch für die anderen Mahlzeiten. „Es gibt zwar einen groben Zeitrahmen, aber er ist keine Pflicht“, sagt Pastrik. Denn die Küche steht den Bewohnern immer zur Verfügung. Es gibt einen Kühlschrank, an den sie gehen können. Auch ein Saftautomat und Wasserspender werden aufgebaut. „Soweit es den Bewohnern möglich ist beziehungsweise sie Lust haben, können sie mit den angestellten Fachkräften auch gemeinsam kochen und sich bei der Wahl des Essens beteiligen“, erklären Seger und Pastrik weiter.

Im ersten und zweiten Obergeschoss fällt auf, dass mit Farbkonzepten gearbeitet wurde. Während im Erdgeschoss Gelbtöne dominieren, sind es türkise und beerige Töne in den weiteren beiden Stockwerken. Bürgermeister Weisbrod hatte sich zudem Blumennamen für die Hausgemeinschaften gewünscht – und dieser Wunsch wurde erfüllt. Pastrik machte sich Gedanken. So heißen die Hausgemeinschaften nun Rittersporn und Anemone, Margerite und Ringelblume sowie Enzian und Edelweiß.

Kein geschlossenes Haus

AdUnit urban-intext3

Neben der Möglichkeit, sich im Gemeinschaftsraum oder auf dem eigenen Zimmer – die im Schnitt etwa 21 Quadratmeter groß sind – aufzuhalten, können die Bewohner auch raus. „Wir sind ein offenes Haus“, betont Pastrik. Denn Bürgermeister Weisbrod fragt, wie es mit Menschen läuft, die zum Beispiel dement sind und eine Lauftendenz haben. „Bis zu einem gewissen Grad beobachten wir die Menschen. Gefährdete bekommen auch ein Armband, über das wir dann mitbekommen, wo sie hingehen. Wir sind kein geschlossenes Haus“, hebt die Einrichtungsleiterin noch mal hervor.

AdUnit urban-intext4

Des Weiteren ist es auch so, dass der Garten der Sinne eine gewisse Sicherheit bietet. Die Türen stehen den Bewohnern offen. Die Balkone sind zugänglich. Alles wird noch mit Gartenmöbeln ausgestattet, dass die Frauen und Männer es sich auch unter freiem Himmel bequem machen können. „Es kann natürlich auch mal draußen gegessen werden“, sagt Seger. Im Garten der Sinne stellt sich Pastrik noch einen Wasserlauf vor, aber „es muss sich auch einfach entwickeln“.

Ganz oben angekommen geht der Weg auf die Dachterrasse, von der man bis nach Heidelberg schauen kann. Eine Markise ist schon da, Möbel werden noch folgen – „Lounge-Möbel“ stellt sich Pastrik vor. Im obersten Stockwerk befindet sich zudem das „Wellnessbad“, wie die Einrichtungsleiterin es liebevoll nennt. „Dort wollen wir auch eine Friseurecke einrichten. Zweimal die Woche kommt dann jemand, um den Senioren die Haare zu schneiden“, erklärt sie. Noch sind Kleinigkeiten zu erledigen, bis die ersten Bewohner Anfang Juli einziehen. Dann wird das Haus auch eine Persönlichkeit entwickeln. Denn die Wände sind noch leer, die Matratzen in Folie eingepackt. „Wir freuen uns auf den Start“, signalisieren alle Anwesenden, wenn dann Leben in das Seniorenzentrum eingekehrt ist und die ersten Bilder der Bewohner an den Wänden der Hausgemeinschaften hängen.

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen