Im Porträt - Simon Schell (Grüne) rückt für Anna-Lena Becker in den Gemeinderat in Reilingen nach „Es war für mich eine Überraschung“

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Vanessa Schwierz
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Reilingen. Wenn er etwas anpackt, dann auch richtig, macht der Neue im Gemeinderat, Simon Schell, im Gespräch mit dieser Zeitung klar. Einen Grund vorschieben, die Nachrückerstelle für die Grünen nicht anzunehmen, kam für ihn nicht in Frage. „Es war eine Überraschung für mich und ich habe auch erstmal mit meiner Frau drüber gesprochen“, sagt der 41-Jährige und lacht. Auch wenn er als Lehrer viel zu tun habe, habe er doch die Möglichkeit, sich die Zeit etwas freier einzuteilen als manch anderer. Und so wurde er Anfang Dezember von Bürgermeister Stefan Weisbrod in den Gemeinderat aufgenommen, nachdem seine Kollegin Anna-Lena Becker aus dem Gremium verabschiedet war.

Unterwegs auf den Feldern bei Reilingen: Im Rücken hat der Neue im Gemeinderat, Simon Schell, die „Skyline“ der Gemeinde, wie er sie nennt. © Lenhardt
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Der Grünen-Ortsverband in der Gemeinde ist noch relativ jung. Im September 2013, also kurz vor der Kommunalwahl 2014, wurde er gegründet. Das politische Interesse wuchs auch bei Simon Schell. „Ich fühlte mich schon angesprochen, vor allem, wenn man älter wird, interessiert man sich mehr für den eigenen Ort – wenn es einen nicht gerade in die große weite Welt hinauszieht“, beschreibt Schell sein Interesse an der Kommunalpolitik.

Zur Person: Simon Schell

Simon Schell ist 41 Jahre alt (Jahrgang 1979) und wurde in Schwetzingen geboren. Er ist verheiratet und hat keine Kinder.

Er machte am Gauß-Gymnasium in Hockenheim 1998 sein Abitur, studierte im Anschluss an der Universität Heidelberg Physik und schloss mit dem Diplom ab.

Zwei Jahre absolvierte Schell sein Referendariat in Wesel (Nordrhein-Westfalen) an einem Gymnasium als Mathe- und Physiklehrer. Seit 2008 unterrichtet er an der Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen.

Schell ist seit den 1980er Jahren im evangelischen Posaunenchor und beim CVJM Mitglied. Außerdem ist er im Bau- und Förderverein tätig. Er wirkt als Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderates und als Beisitzer bei den Freunden Reilinger Geschichte mit.

Er rückte für Anna-Lena Becker (gewählt mit 1486 Stimmen) in den Gemeinderat nach. Seine erste Sitzung erlebte er Anfang Dezember.

Bei der Kommunalwahl 2019 hat Schell 1232 Stimmen bekommen.

Er ist Mitglied im Verwaltungsausschuss, im Kultur-, Sozial-, Hallen- und Sportausschuss, im Arbeitskreis Jugend und Schule sowie Vorstandsmitglied bei den Amici Reilingen – Mezzago. vas

Durchaus interessant fand er, den grünen Gedanken in der Gemeinde voranzubringen. Und wenn er auch christlich sei, habe er sich doch nie wirklich zur CDU hingezogen gefühlt. Die Partei der Grünen und die Menschen, die sich dort einbrachten, überzeugten den heute 41-Jährigen, Teil davon zu werden. Jochen Rotter kannte der Reilinger schon vom Handball, Anna-Lena Becker vom CVJM – so sprach auch menschlich vieles für die Grünen.

Onkel war seine Versicherung

Simon Schell zeigt sich bei dem Gespräch auf den Feldern bei Reilingen offen und ehrlich. Dass die Liste der Grünen 2014 nicht voll wurde, ist kein Geheimnis. Doch direkt einziehen wollte der Lehrer damals nicht, auch wenn das Interesse durchaus groß war. „Ich hatte eine Versicherung: meinen Onkel Peter Schell“, sagt Simon Schell. Denn vor sieben Jahre hätte der 41-jährige Schell nicht für die Grünen in den Gemeinderat einziehen dürfen. Bislang war für Gemeinden unter 10 000 Einwohnern geregelt, dass Familienangehörige nicht gleichzeitig Angehörige des Gemeinderats sein konnten. Diese „familiären Hinderungsgründe“ entfielen ab der Kommunalwahl 2019 durch die Reform der Gemeindeordnung von 2015.

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Damit war der Weg für Simon Schell frei: Hätte er genug Stimmen bekommen, wäre er 2019 in den Gemeinderat eingezogen. Doch dazu kam es nicht. Mit 1232 Stimmen wurde er Vierter und damit erster Nachrücker hinter dem Frauenteam aus Anna-Lena Becker, Lisa Dorn (damals Lautenschläger) und Carolin Hoffmann. Durch Jochen Rotter und Anna-Lena Becker hatte Schell im Vorfeld schon vieles über die Arbeit im Gemeinderat erfahren. „Ich habe rausgehört, dass mehr dahintersteckt, als man denkt. Schließlich gibt es auch nichtöffentliche Sitzungen“, sagt Schell.

Wichtig ist dem 41-Jährigen während seiner Amtszeit, die gute Arbeit seiner Vorgängerin Becker weiterzuführen. Dabei sei es zum Beispiel wichtig, einiges auch vom ökologischen Standpunkt zu betrachten. So ist für Simon Schell Transparenz ein zentrales Thema.

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Es sei für ihn denkbar, die Gemeinderatssitzung online verfolgen zu können, um mehr Interesse bei den Menschen zu wecken. Gerade durch die Corona-Pandemie seien solchen Optionen in anderen Gemeinden und Städten umgesetzt worden. „Es ist schließlich wie Fernsehen. Interessiert mich ein Punkt, kann ich einschalten, ansonsten umschalten“, erklärt Schell.

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Dass die Bevölkerung auf diese Art und Weise mitgenommen werden könne, ist ein Punkt, doch Schell sagt auch, dass die Gemeinde mit ihrer Homepage in dieser Richtung schon gut aufgestellt ist – auch was das Digitale angeht. Doch Übertragungen der Sitzungen könnten da noch draufgepackt werden. Ein Zusatzangebot, um noch mehr Menschen anzusprechen.

Auf Ökostrom umgestellt

Dass die Umsetzung des Jugendplatzes auf dem Weg ist, freut den 41-Jährigen. Er hoffe nun darauf, dass dieser auch bis 2024, wenn die nächste Kommunalwahl stattfindet, fertig ist. „Angenommen, es komme wieder mal das Thema Neubaugebiet auf, dann sollte man auch schauen, was innerorts noch erschlossen werden kann“, sagt Schell, dass mit Landesprogrammen eventuell auch ältere Häuser neu bezogen, renoviert oder gebaut werden könnten. Zudem könne man Flächenversiegelungen entgegenwirken, stellt der Neugemeinderat klar.

Als Grüner liegt Simon Schell der Klimaschutz am Herzen. So könne die Gemeinde auch als Vorreiter und gutes Beispiel vorangehen. „Da können wir zeigen, wie es gehen kann. So haben wir jetzt für die gemeindeeigenen Liegenschaften auf Ökostrom umgestellt“, nennt Schell ein Beispiel und führt weiter an, dass auch innerorts doch mal das Auto stehengelassen und aufs Fahrrad umgestiegen werden kann.

Für den Radverkehr sei man in der Gemeinde ganz gut aufgestellt. Es gebe nur wenige Lücken. „Auch die Hauptstraße ist nun fast überall auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert“, sagt der 41-Jährige, dass das ein Schritt in die richtige Richtung sei. Zudem gebe es viele Parallelstraßen, die von Fahrradfahrern genutzt werden können.

Auch er nutze diese immer wieder, denn gerne lässt Schell sein Auto stehen und steigt auf seinen Drahtesel. Je nach Unterrichtsbeginn fährt er zuweilen sogar mit dem Rad zu seiner Arbeitsstelle an die Schwetzinger Carl-Theodor-Schule. „Zur ersten Stunde ist es mir dann aber doch eher zu früh“, gibt er lächelnd zu.

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen