Wersauer Hof - Auf dem Biohof der Familie Hoffmann finden Reittiere einen artgerechten Stall / Tiere können sich frei bewegen / Futter gibt es per Chip Fitnesspark und Wohlfühloase für Pferde in Reilingen

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Franz Anton Bankuti
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Henry, Seta und Paid unterwegs auf einem Weg im Aktivstall. © Dietrich

Reilingen. Gleich von einem „Paradies“ zu sprechen, kann mitunter problematisch sein, weiß man doch, dass es auch dort schon Probleme gab, gerade wenn man an das Missverständnis mit dem Apfel denkt. Aber an guten Umständen, an einer guten Gesamtsituation erfreut man sich gerne. Und das gilt für Mensch und Tier gleichermaßen. Entsprechend wohl fühlen sich die Pferde auf dem Wersauer Hof der Familie Hoffmann. Dort leben sie in einem Aktivstall. Dies unterstreicht eine besonders artgerechte Haltung. Und dies wiederum bedeutet, dass alles danach eingerichtet und darauf ausgerichtet ist, dass Pferde vor allen Dingen Herdentiere, Dauerfresser und Lauftiere sind, zudem brauchen sie viel frische Luft.

Reilingen. Blick in den Aktivstall

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Den Wersauer Hof betreibt die aus Hockenheim stammende Familie Hoffmann seit über zwei Jahrzehnten. Vater Michael Hoffmann, gelernter Schlosser und studierter Maschinenbauingenieur, machte vor der Übernahme des Betriebes noch eine Ausbildung als Landwirt, Mutter Helga, von Hause aus Fotografin, arbeitete sich sehr schnell in den neuen Arbeitskomplex ein, gemeinsam baute man den Hof komplett neu auf. Längst ist er ein renommierter Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit einer Pferdepension, der Öko-Betrieb ist Mitglied des Bioland-Verbandes.

Die junge Agraringenieurin Carolin und ihr Vater Michael Hoffmann waren vor geraumer Zeit davon überzeugt, dass man als „Pferdepension der Zukunft“ auf einen sogenannten Aktivstall umstellen sollte, der seit etwa zwei Jahrzehnten bundesweit immer mehr Zuspruch findet. Anfängliche Skepsis wich bald der Logik, dass ein Aktivstall mit seinen verschiedenen Funktionsbereichen den Pferden als Herdentiere entgegenkommt und dafür sorgt, dass Pferde viel mehr in Bewegung sind und auch zum Fressen und zum Trinken stets unterwegs sein müssen. Die Weitläufigkeit des Geländes auf dem Wersauer Hof kam dem natürlich entgegen.

Keine festen Boxen

Für die Pferde bedeutet dies, dass sie nicht in Boxen stehen und dort gefüttert werden, sie sind selbst zu ihrem Futter unterwegs, auch zwischen Futterstelle und Wasser liegen kleine Wegstrecken, die von den Tieren längst ganz selbstverständlich zurückgelegt werden.

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„Es ist eine andere Welt für die Tiere, man sieht, merkt und spürt, dass sich die Pferde wohlfühlen, das ist ja das Optimale, was wir den Tieren anbieten können,“ freut sich Carolin Hoffmann.

Die Pferde leben grundsätzlich nicht in einzelnen Boxen, sondern in einem großen gemeinsamen Stall, in dem jeder sich seinen Platz suchen kann, eine Seite des Stalles ist offen, das Pferd kann so lange im Freien sein und bleiben, wie es sich eben dort wohlfühlt.

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Und wie ist das mit dem Füttern? „Nennen wir es Selbstbedienung“, lacht Carolin Hoffmann, ergänzt aber informativ, dass mit moderner Technik natürlich die Nahrungsaufnahme, vor allem die Menge der Nahrung, überprüft wird. Schließlich dürfen, so die Expertin Carolin Hoffmann, die Pferde nicht zu viel auf einmal fressen, zumal ihr Magen erstaunlicherweise relativ klein ist.

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Die Pferde gehen also in eine computergesteuerte Futteranlage. Dort sind sie registriert, sie selbst tragen einen Transponder um den Hals und der entsprechend programmierte Futterautomat gibt dann eine bestimmte Menge des Kraftfutters an das jeweilige Pferd ab.

Das Tier kann im Lauf des Tages mehrmals in diese Futteranlage gehen, bis es seinen per Computer überwachten Tagesbedarf zu sich genommen hat. Ergänzend dazu stehen auf dem Gelände überdachte Heuraufen, dort können sich die Pferde ebenso selbst bedienen wie an den Wasserstellen.

Gerne wahrgenommen werden natürlich die speziellen Möglichkeiten, sich auf dem Boden zu wälzen, hier finden die Pferde geeignete Plätze ebenso vor, wie es eine „Salzbar mit Lecksteinen“ gibt. Diese einzelnen Anlaufstellen sind auf dem Gelände verteilt, im Umkehrschluss bedeutet das: Die Pferde sind viel unterwegs.

Ruhig und ausgeglichen

„Viele der Pferdebesitzer, die ihr Tier bei uns in der Pferdepension haben, waren nach einiger Zeit beeindruckt, wie ruhig und ausgeglichen ihr Pferd wurde, das bestärkte uns natürlich bei dem Gedanken, dass der Wechsel zu einem Aktivstall richtig war“, freut sich Carolin Hoffmann ebenso wie ihr Vater Michael. Der Arbeitsaufwand ist dabei, so Carolin Hoffmann, keineswegs größer als bei der herkömmlichen Boxenhaltung. „Nur halt eben etwas anders, wir kommen aber erfreulicherweise damit den ganz natürlichen Lebensbedürfnissen der Pferde entgegen,“ betont Carolin Hoffmann, die sich bei ihrer Arbeit rundum wohlfühlt und von ihrem Partner Markus Michl optimal unterstützt wird. Markus Michl ist ebenfalls Agraringenieur und hat einen Ackerbaubetrieb mit Spargelanbau in Seckenheim.

„Natürlichkeit und Ursprünglichkeit ist uns ein großes Anliegen,“ fasst Carolin Hoffmann zusammen, denn zu dem Biohof samt Hofladen mit Straußwirtschaftsbetrieb und Übernachtungsmöglichkeiten, den Hauptaufgabenfeldern von Mutter Helga, ist der Aktivstall eine ideale Ergänzung. Sie sieht das auch als eine attraktive Bereicherung für das Leben im gesamtlandwirtschaftlichen Bereich in Reilingen. Ihre Interessen und die ihrer Kollegen bringt sie aktiv in der Gemeinde ein, bei der letzten Wahl wurde sie in den Gemeinderat gewählt und ist in der Fraktion der Grünen aktiv.

Carolin Hoffmann ist überzeugt, dass die gesunde Ergänzung von Tradition und neuen Erkenntnissen auch in dem weiten Bereich der Landwirtschaft und Tierhaltung der Schlüssel für eine Zukunft sind, in der wir grundsätzlich verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen können.

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