Gemeinderat - Großbrand von 2008 hat Spätfolgen / Verwaltung legt Widerspruch gegen eine Anordnung des Wasserechtsamts ein / Rösch: Ehrenamt ad absurdum geführt Grundwasser muss wohl saniert werden

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Vanessa Schwierz
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Großbrand im Jahr 2008 bei der Firma Eisel – der Qualm dringt aus dem Gebäude: Flammen wüteten im Keller auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern. Ein Großeinsatz in der Region, der bis heute Nachwirkungen hat. © Gemeinde

Reilingen. Das Wasserrechtsamt hat gegen die Gemeinde Reilingen als Trägerin der freiwilligen Feuerwehr im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Brandes auf dem Grundstück Eisel im Jahr 2008 eine Grundverfügung mit Sofortvollzug erlassen. Die Gemeinde Reilingen wird darin als Verantwortliche für die schädlichen Bodenkontaminationen der Grundstücke und als Eigentümerin verpflichtet, eine Detailuntersuchung mit anschließender Gefährdungsabschätzung vorzunehmen.

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Was war passiert? Bei einem Großbrand auf dem Grundstück der Firma Eisel im Reilinger Gewerbegebiet am 20. August 2008 entstand ein Schaden in Millionenhöhe. 540 Einsatzkräfte, 120 Feuerwehrfahrzeuge, fast 30 Stunden Löscharbeiten verbuchten die Einsatzkräfte an diesem Tag. Der gesamte Keller, mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern, in dem die Flammen wüteten, wurde mit Löschschaum „geflutet“. In dessen Eingangsbereich wurde eine Hitze von 460 Grad gemessen. Schwerstarbeit für hunderte Einsatzkräfte.

Nun, 13 Jahre später, soll die Gemeinde für die Kosten des Einsatzes aufkommen. Genauer gesagt für die Folgekosten, denn der eingesetzte Löschschaum – Schätzungen gehen von 50 bis 70 Tonnen aus – hat das Grundwasser erreicht, es muss großflächig saniert werden. Heute ist der eingesetzte Schaum wegen seiner Gefährlichkeit nicht mehr zugelassen, damals war dies unbekannt.

Kosten von 300 000 Euro

Vor fast drei Jahren hat Bürgermeister Stefan Weisbrod schon auf einer Bürgerversammlung festgestellt, dass die Gemeinde bisher rund 570 000 Euro für Gutachten, Bodenaustausch und Ähnliches in Folge des Brandes aufgebracht hat, zu mehr sehe sie sich nicht in der Pflicht. Das Wasserrechtsamt sieht dies anders und hat die Gemeinde aufgefordert, eine Detailuntersuchung samt Gefährdungsabschätzung in Auftrag zu geben. Die Kosten für das Gutachten belaufen sich auf rund 300 000 Euro. Die eigentliche Sanierung könnte am Ende in die Millionen gehen. Bürgermeister Stefan Weisbrod sagte gegenüber dem Gemeinderat, dass er überrascht gewesen sei, dass nach 13 Jahren eine Fachbehörde komme und Forschungen anstellt.

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Die Detailuntersuchung sei nach Überzeugung des Wasserrechtsamts notwendig, um die Größe, Fließrichtung und Lage der PFC-Fahne zu bestimmen. Erst auf Grundlage dieser Daten könne der Umfang der Sanierung bestimmt werden. Grundsätzlich könne die Detailuntersuchung auch zu dem Ergebnis kommen, dass die Belastung gering sei und wegen fehlender Grenzwerte und wenn das Grundwasserschutzgebiet Hockenheimer Rheinbogen nicht betroffen sei, aufgrund einer Unverhältnismäßigkeit keine Sanierung notwendig sei.

Die Ermessensauswahl auf die Gemeinde als alleiniger Störer sei fehlerhaft, wie Bürgermeister Weisbrod gegenüber dem Gremium erklärte, zumal zeitweise Kreis- und Landesbrandmeister die Einsatzleitung innehatten und diese damit nach Ansicht der Verwaltung ebenfalls Verhaltensstörer sind. Der Bürgermeister hat mit Schreiben vom 11. Januar, am letzten Tag der Widerspruchsfrist, gegen die Grundverfügung Widerspruch eingelegt. Bei einem gegenteiligen Beschluss des Gemeinderats könne der Widerspruch ohne Rechtsprobleme zurückgenommen werden.

Gemeinde als alleiniger Störer

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Doch dazu werde es nicht kommen. Die Gemeinderäte stimmten dem Vorschlag der Verwaltung zu, gegen die Grundverfügung des Wasserrechtsamts Widerspruch einzulegen. Die Untersuchungen erachte das Gremium als sinnvoll, doch die Gemeinde als alleinigen Störer zu deklarieren, der verantwortlich ist, sei nicht tragbar.

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Dieter Rösch (SPD), der gleichzeitig auch Vorsitzender beim BUND Hockenheimer Rheinbogen ist, zeigte sich erzürnt über die Vorgehensweise des Wasserrechtsamtes. „Da wird das ehrenamtliche Engagement ad absurdum geführt“, machte Rösch klar, und bestätigte damit die Aussage von Bürgermeister Weisbrod, der das ehrenamtliche Engagement der Einsatzkräfte an den Pranger gestellt sieht. „Das Wasserrechtsamt hat sich für die Auswahl der Gemeinde als alleinigen Störer entschieden, weil die Gemeinde die nun anstehenden Untersuchungen am effektivsten leisten kann, zumal diese Untersuchungen hauptsächlich auf gemeindeeigenen Grundstücken stattfinden“, zitierte Rösch die Sachdarstellung der Verwaltung, um die Absurdität dieser Situation darzustellen. „Da kann ich mir nur an den Kopf fassen und all die Gemeinderäte, die dies in den vergangenen Jahren erlebten auch“, machte Rösch seine Stellung zu dem Thema klar, das viele Absurditäten zu bieten habe.

Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen