Biodiversität

Handlungspakt zum Schutz der Insekten

Netz von landwirtschaftlichen Demonstrationsbetrieben wirbt für präventive Maßnahmen

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zg
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Katrin Naumann, Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar, Christina Haessler, Abteilung Landwirtschaft des Regierungs-präsidiums Karlsruhe, Landwirt Jürgen Schell, Simon Bayer (Sachbearbeiter Agrarstruktur und Biotopvernetzung) und Hannes Gawron (Biodiversitätsstärkungsberater) von der unteren Landwirtschaftsbehörde. © rp

Reilingen. Initiiert durch das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ hat das Land Baden-Württemberg ein umfassendes Handlungspaket zum Schutz der Insekten beschlossen. Das Biodiversitätsstärkungsgesetz (Änderungen im Naturschutzgesetz und im Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz) wurde im Jahr 2020 auf den Weg gebracht. Im Augenmerk ist der Ausbau von Biodiversitätsmaßnahmen in der Landwirtschaft.

Mitte des Jahres wurde vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein Netzwerk von Demobetrieben zur Förderung der biologischen Vielfalt (BiodivNetz BW) geschaffen. Gewonnenes Wissen und Erfahrung soll dadurch in der Praxis geteilt werden. Für den Rhein-Neckar-Kreis ist der Reilinger Kraichgaukornbauer Jürgen Schell im BiodivNetz BW vertreten.

Unter der Leitung von Christina Haessler vom Regierungspräsidium Karlsruhe starten diesen Herbst vorerst drei Betriebe mit der Umsetzung von Maßnahmen auf Ihren Feldern. Bis 2025 soll das Netzwerk auf alle Stadt- und Landkreise ausgebaut werden. Während des Vegetationsverlaufs werden die Betriebe bei Feldtagen dem Fachpublikum sowie der Öffentlichkeit für Fragen zur Verfügung stehen. Im Fokus steht der Austausch zu Chancen und Grenzen bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Die Demobetriebe bringen ihre gesammelten Erfahrungen ein und helfen durch eine praktikable Umsetzung die Biodiversitätsmaßnahmen voranzubringen.

Der Betrieb Schell verfügt über Erfahrungen im Anbau von ungespritztem Brotgetreide, beschäftigt sich darüber hinaus seit einigen Jahren mit der Steigerung der biologischen Vielfalt auf seinen Äckern und widmet sich verstärkt dem Ackerwildkrautschutz.

Hierfür ist er bereits jetzt im Austausch mit dem Umweltreferat des Regierungspräsidiums Karlsruhe und wurde schon zu diversen Fortbildungsmaßnahmen der Landwirtschaftsverwaltung als Referent herangezogen.

Im Rahmen des BiodivNetz BW erprobt Schell neben der Anlage von Blühflächen, insbesondere den Weizenanbau in weitem Reihenabstand sowohl mit blühender Untersaat als auch ohne, sowie den Maisanbau mit blühender Untersaat. Maßnahmen zum verzögerten Stoppelumbruch oder dem Verzicht auf mechanische Bodenbearbeitung auf bestimmten Teilflächen werden ebenso durchgeführt. Die Maßnahmen des Betriebs zielen vor allem auf die Förderung der Insekten- und Feldvogelpopulationen ab.

Habitat für Wildbienen

In Zusammenarbeit mit Katrin Naumann vom Landschaftserhaltungsverband werden punktuelle Maßnahmen umgesetzt. Angestrebt wird die Anlage eines Sandariums als Nisthabitat für Wildbienen. Die untere Landwirtschaftsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises ist in die Maßnahmenplanung und Umsetzung der Demoflächen eingebunden.

Infos zum BiodivNetzBW und den teilnehmenden Betrieben finden sich unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/landwirtschaft/biodiversitaet-in-der-landwirtschaft/biodivnetzbw/ zg