Seniorenzentrum am Feldrain - Mobiles Team impft Bewohner gegen Coronavirus / Bürgermeister Stefan Weisbrod dankt Helfern / Testpflicht für Besucher und Mitarbeiter Mobiles Team impft Senioren in Reilingen

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Volker Widdrat
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Bürgermeister Stefan Weisbrod (v. l.), ein Soldat der Bundeswehr, Sofia Papadopoulou, Sabrina Staudner, Bewohnerin Helga Kneis, Eric Seger und Elies Pastrik sind bei der Impfung dabei. © Lenhardt

Reilingen. „Das war kurz und schmerzlos.“ Helga Kneis ist zufrieden mit ihrem Impftermin am Mittwochvormittag. „Ich habe nichts gespürt“, meint die 89-jährige Bewohnerin des Seniorenzentrums Am Feldrain, nachdem ihr das mobile Impfteam des Rhein-Neckar-Kreises die Spritze gegen das Coronavirus verabreicht hat. Die Zahl der geimpften Menschen in der Region wächst täglich. Viele haben sogar schon ihre Zweitimpfung erhalten.

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„Wir hoffen, dass mit den Impfungen in unserem Seniorenzentrum so langsam wieder Normalität einkehrt“, sagt Einrichtungsleiterin Elies Pastrik. Vielleicht könne man bald wieder die Besuchszeiten lockern. Bis es so weit ist, stehen aber noch die Hygienemaßnahmen im Vordergrund. Abstand halten, Schutzmasken tragen, Hände desinfizieren und lüften. Vor jedem Betreten der Einrichtung steht ein Schnelltest an. Ein Bundeswehrsoldat, der in der Zeitung nicht genannt werden möchte, führt den Antigentest über ein Fenster neben dem Eingang durch. Die zur Unterstützung der Pflegeheime eingerichtete „Task Force Schnelltests“ war Anfang Januar durch den Bund den Ländern angeboten worden.

Die Testpflicht gilt für alle Besucher, wie Angehörige, Seelsorger, Ärzte, Handwerker, Physiotherapeuten und Mitarbeitende. Nach wenigen Minuten ist das Ergebnis da. Aber auch nach einem negativen Antigentest darf das Seniorenzentrum nur mit FFP2-Maske betreten werden. „Unser Personal muss sich dreimal wöchentlich testen lassen“, sagt Pastrik. Es wäre eine große Erleichterung, wenn der Soldat aus der Bruchsaler Eichelberg-Kaserne noch einige Wochen länger bleiben könnte, meint die Heimleiterin. Das Haus, für 84 Heimplätze eingerichtet, hat derzeit 40 Bewohner. 55 Mitarbeiter kümmern sich um die Senioren. Endlich wieder unbeschwert am Gemeinschaftsleben teilnehmen zu dürfen, das wünschen sich alle.

Der Eingangsbereich ist für Fasnacht dekoriert. Am Rosenmontag gibt es Pfannkuchen und Musik. „Wir müssen kreativ bleiben und überlegen, was wir alles anbieten können“, so Pastrik. Es sei einfach toll gewesen, als die Kinder vom „Haus der kleinen Hasen“ gegenüber für die neu eingezogenen Senioren gesungen hätten. Und der rege Austausch mit Briefen und Basteleien sei ebenfalls bestens bei Jung und Alt angekommen. „Wir sind tief beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Reilinger, darauf konnten wir noch gar nicht richtig reagieren“, dankt die Heimleiterin. Die Besuchszeiten sind noch auf Dienstag und Donnerstag jeweils von 15.30 bis 17 Uhr festgelegt. Als Bürgermeister Stefan Weisbrod an diesem Vormittag vorbeischaut, kommt er mit herzlichen Dankesworten. Der Rathauschef hat Schokolade dabei für Impfteam, Mitarbeitende und Bundeswehrhelfer.

Bürokratischer Aufwand groß

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„Wir hatten ja ein dynamisches Infektionsgeschehen“, erinnert Weisbrod nur ungern an den vergangenen Dezember. Damals waren 18 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden, darunter 14 Bewohner. Die Folge: Aufnahmestopp und Besuchsverbot. Solch eine Krisensituation möchte hier niemand mehr erleben. „Heute ist es mir um ein Dankeschön gegangen“, meint Weisbrod. In der Senioreneinrichtung wohnen in sechs Hausgemeinschaften jeweils 14 pflegebedürftige ältere Menschen zusammen. Der dritte Stock ist für die Impfaktion eingerichtet. 26 „Impflinge“ dürfen an diesem Tag den kleinen Piks mit großer Wirkung entgegennehmen.

Der eigentliche Vorgang ist schnell vorbei. „Der bürokratische Aufwand ist viel größer“, meint eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, die namentlich nicht genannt werden möchte. Vollmachten müssten eingesehen und mögliche Allergien abgefragt werden. Unsere Zeitung darf bei dem Prozedere zuschauen, Bilder sind nicht erlaubt. Mitarbeiterin Ursula Powik holt gerade den Impfstoff von Biontech ab, dann geht sie zum Dienst. Christa Kief sitzt nach der Impfung noch 20 Minuten und ruht sich aus, unter Beobachtung. „Es war angenehm“, meint die 84-Jährige und lacht: „Kein bisschen schmerzhaft.“ Der zweite Impftermin ist für März festgelegt. Bleibt zu hoffen, dass der Impfstoff auch gegen Mutationen wirkt.

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Personen, die von einer SARS-CoV-2-Infektion genesen sind, werden erst in ein paar Wochen geimpft, weil sie zumindest vorübergehend über einen gewissen Schutz verfügen. Ein Sprecher des Landratsamtes nennt auf Anfrage einige Zahlen: Bislang wurden in den Kreisimpfzentren Sinsheim und Weinheim sowie im zentralen Impfzentrum Heidelberg über 39400 Impfungen (25600 Erstimpfungen und 13800 Zweitimpfungen) durchgeführt. In 65 stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen im Kreis fanden bereits Erstimpfungen statt, in 33 davon auch schon Zweitimpfungen. Zusammen wurden durch die mobilen Impfteams rund 5200 Bewohnende und Mitarbeitende erstgeimpft. In 20 Einrichtungen stehen noch Impftermine aus.

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Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.