Gemeinderat - Diskussion über Hilfen für Vereine in Zeiten der Corona-Pandemie / Vereinszuschüsse sollen sofort ausgezahlt, Mieten erlassen werden „Partner auch in schwierigen Zeiten“

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Andreas Wühler
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Das Straßenfest ist eine Leuchtturmveranstaltung der Reilinger Vereine. Ob es in diesem September stattfinden kann, ist derzeit noch ungewiss. © Dietrich

Reilingen. „Partner auch in schwierigen Zeiten“, unter diese griffige Formel möchte Bürgermeister Stefan Weisbrod das Verhältnis der Gemeinde zu ihren Vereinen stellen. Denn, so das Gemeindeoberhaupt, die Vereine seien das Rückgrat der Dorfgesellschaft. Weshalb die Verwaltung gerne zwei Anträge der CDU und der Kultur- und Sportgemeinschaft (KuSG) aufgegriffen habe, wie man den Vereinen in diesen Tagen helfen könne.

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Bis Ende August, so Weisbrod, seien alle Großveranstaltungen gestrichen, für viele Vereine, die sich mit über ihre Feste finanzieren, ein herber Schlag. Doch, hofft der Bürgermeister, es werde auch eine Zeit nach der Corona-Pandemie geben und da sei es wichtig, vor Ort über eine funktionierende Vereinslandschaft zu verfügen. Sie mache das Leben im Ort aus, sie ist durch ihre Lebendigkeit in der Gemeinde fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.

Weisbrod zeigte dem Rat verschiedene Möglichkeiten auf, wie den Vereinen geholfen werden könne. So sollen die Vereinszuschüsse für das laufende Jahr sofort ausgezahlt werden. Denkbar wäre, sie um 50 Prozent oder um 100 Prozent zu erhöhen. Was, bei einem jährlichen Zuschuss von rund 30 000 Euro an die Vereine, Mehrausgaben von 15 000 oder 30 000 Euro bedeuten würde, rechnete Weisbrod vor und fügte hinzu, dass für diese Mehrausgaben keine Mittel im Haushalt vorhanden seien. Doch sah sich der Bürgermeister in diesem Punkt mit Berlin und Stuttgart in einem Boot, auch dort würde Geld ausgegeben, das man nicht habe.

Gemeinderätin Sabine Petzold (FWV), die zugleich Vorsitzende der KuSG ist, freute sich, dass das Thema der Vereinsunterstützung so schnell auf die Tagesordnung genommen wurde. Auch die von Weisbrod ins Spiel gebrachte Erhöhung der Vereinszuschüsse um 100 Prozent fand ihre Zustimmung.

Gegen ein Gießkannenprinzip

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Allerdings – Petzold will das Geld nicht auszahlen. Sie führte ein Beispiel dafür an, wie solidarisch die Vereine in dieser Situation in der Gemeinde handeln würden: Bei ihr hätten sich schon sechs Vereine gemeldet, die nach eigenen Angaben gesund, auf Hilfe nicht angewiesen seien. Diese hätten angeregt, die von der Gemeinde ins Spiel gebrachte Summe in einen Fonds einzuzahlen und damit im Einzelfall Vereine zu unterstützen, die darauf angewiesen seien.

Für Petzold ein positiver Ausdruck davon, wie die Vereine vor Ort handeln. Sie regte an, der Idee zu folgen, keine Mittel nach dem Gießkannenprinzip auszuschütten, sondern bei den Vereinen nachzufragen, wer Hilfe brauche. Ein Gremium, beispielsweise der Ältestenrat, könne dann über die Verwendung der Mittel entscheiden.

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Petzold hatte noch einen zweiten Vorschlag – sie regte an, Vereinen, die für ihr Training oder ihre Proben öffentliche Räume nutzen, beispielsweise das Riegler-Haus, für die Zeit des Versammlungsverbots die Mieten zu erlassen.

Ehrenamt ist eine wichtige Säule

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Peter Kneis (CDU) begründete den Antrag seiner Fraktion auf Hilfe für die Vereine mit den zu erwartenden hohen Einnahmeausfällen durch die abgesagten Feste und Feiern. Zumal einige der Vereine, der Reiterverein mit seiner Anlage, der Anglerverein mit dem Unterhalt des Sees oder die kultur- und sporttreibenden Vereine mit ihren Trainern oder Dirigenten, fixe Kosten hätten.

Die Vereine seien wichtig für den Zusammenhalt im Ort, stellte Kneis fest und wollte diesen in der Not beistehen, denn es gebe auch ein Leben nach der Corona-Pandemie.

Für Jens Pflaum (FDP) ist es keine Frage, den Vereinen zu helfen, wenn Not am Manne ist. Weshalb es richtig sei, vom Ratstisch aus ein entsprechendes Signal an die Vereine zu richten. Doch nach dem Gießkannenprinzip zu handeln, macht in seinen Augen keinen Sinn. Vereine, die Geld brauchen, sollten sich konkret melden. Dieter Rösch (SPD) bezeichnete die im Raum stehenden 30 000 Euro angesichts anderer Ausgaben der Gemeinde als einen „Klacks“. Dennoch, manche Vereine würden das Geld nicht benötigen, ist er sich sicher. Und vielleicht könnte der eine oder andere Verein auch Unterstützung durch seine Mitglieder erfahren. Zumal es auch gelte, die Sorgen der Vereine gegen die wirtschaftlichen Nöte von Familien abzuwägen.

Rösch sah auf die Vereine vor allem ein soziales Problem zukommen, durch die unterbrochenen Trainings- und Übungsbetriebe könne der Zusammenhalt verlorengehen.

Letztlich stimmte Rösch dem Vorschlag von Petzold zu, Vereinen in Notfällen zu helfen. Auch den Zuschuss für das kommende Jahr vorzuziehen, ist für ihn kein probates Mittel, dann würde er im kommenden Jahr fehlen.

Anna-Lena Becker (Grüne) schloss sich Petzold und Rösch an und forderte dazu auf, auch jene Vereine nicht zu vergessen, bei den sich die Probleme erst noch zeigen werden.

Zum Schluss der Aussprache wollte Bürgermeister Weisbrod die im Raum stehende Summe von 30 000 Euro noch aufschlüsseln. Der Löwenanteil des jährlichen Zuschusses würde, wegen der großen Jugendabteilungen, an die beiden großen Sportvereine gehen. Im Schnitt, fügte Petzold hinzu, werde ein Verein in der Gemeinde jährlich mit 275 Euro unterstützt. Was die pauschale Summe weiter differenziert.

Letztlich beschloss der Rat einstimmig, die diesjährigen Vereinszuschüsse sofort und ohne weitere Prüfung auszuzahlen und weitere Hilfen im Einzelfall zu leisten. Obendrein sollen den Vereinen die Mieten für die nicht genutzten Räume erlassen werden.

Redaktion Zuständig für die Verwaltungsgemeinschaf