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Amtsgericht Schwetzingen

Reilingerin für Computerbetrug an der eigenen Mutter verurteilt

32-Jährige nutzt den passwortgeschützten Account ihrer Mutter und bestellt ohne Genehmigung Waren in großem Umfang

Von 
Volker Widdrat
Lesedauer: 
Eine 32-Jährige aus Reilingen nutzt das Passwort ihrer Mutter, wie hier im Symbolbild, um Waren im Wert von mehreren Tausend Euro zu bestellen. © Berg/dpa

Schwetzingen/Reilingen. Die Angeklagte wurde von der Polizei zum Amtsgericht in der Zeyherstraße in Schwetzingen gebracht. Beim ersten Prozesstermin war die 32-Jährige aus Reilingen nämlich nicht erschienen und ignorierte damit die Vorladung. Die Anklage hatte der verheirateten Mutter von zwei Kindern Computerbetrug in 17 tatmehrheitlichen Fällen vorgeworfen.

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Sie soll über den passwortgeschützten Account ihrer Mutter in großem Umfang Waren bestellt haben, obwohl sie nicht zahlungsfähig gewesen sein soll. Die Rechnungen soll sie über nicht ihr gehörende Konten beglichen haben.

Staatsanwältin Sandra Utt listete die Einkäufe auf, die im April 2020 getätigt worden sein sollen: Kinderkleidung, Parkas für Erwachsene, Spielzeug, Telefone, Schuhe, Kochtöpfe, Bettwäsche, Waagen, Messer und Regale sollen damals geordert worden sein, darüber hinaus elektrische Zahnbürsten, Lampen, eine Wetterstation, eine Nähmaschine und anderes. Aber auch ein E-Mountainbike für 2700 Euro, ein hochwertiges Trekkingrad sowie Ohrringe und Armbänder aus Silber waren nach Reilingen geliefert worden.

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Von
dpa
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Das Konto der Mutter sei um 9900 Euro überzogen gewesen, hieß es in der Anklage. Die 32-Jährige, die keine Ausbildung hat und seit drei Jahren verheiratet ist, leidet an verschiedenen chronischen Krankheiten, teilte sie dem Gericht mit. Sie empfängt Sozialleistungen und ist einer Betreuerin unterstellt. Zu ihrer Mutter habe sie seit der Kindheit ein „katastrophales Verhältnis“.

Harte Worte der Mutter

Die 67-Jährige bestätigte das: „Leider bin ich die Mutter“. Sie wolle nicht aussagen, ihre Vernehmung bei der Polizei dürfe aber gerne verlesen werden. „Sie hat mich schon als Kind bestohlen“, hatte sie damals gesagt. Andere Personen, wie etwa ihre Enkelin, hätte sie niemals in Verdacht gehabt.

Die 23-jährige Nichte der Angeklagten gab ihre Wahrnehmungen zu Protokoll. Die Oma habe ihr erzählt, dass immer mehr Pakete unter ihrer Wohnadresse eingetroffen seien, sie aber nichts bestellt habe. Mutter und Tochter seien seit langem ihm Streit. Die 67-Jährige habe irgendwann bemerkt, dass Konten und Kreditkarten gesperrt worden waren, führte die Zeugin aus.

Auch Bargeld fehlt

Sie habe dann für ihre Oma einen neuen Account erstellt. Außerdem sei aus ihrem Schlafzimmer ein Umschlag mit 2500 Bargeld verschwunden, teilte die 23-Jährige mit. Ein 60-jähriger Polizeibeamter hatte komplexe und detaillierte Ermittlungen durchgeführt. Es habe der Verdacht bestanden, das Konto der 67-Jährigen könnte gehackt worden sein. Es sollen 136 Bestellungen bei etwa einem halben Dutzend Firmen gewesen sein.

Nach der Zwangsräumung gegen die 32-Jährige hatte der Gerichtsvollzieher verschiedene Elektrogeräte einbehalten. Die Frau hat keine Vorstrafen und gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie ein Schuldanerkenntnis von 25 000 Euro eingeräumt.

Staatsanwältin Utt sah gewerbsmäßigen Betrug im Handeln der 32-Jährigen. Sie habe sich eine dauerhafte Einnahmequelle verschaffen wollen, anfangs noch mit geringen Warenwerten, „dann sind die Wünsche aber offenbar größer geworden“.

Die Bestellungen in einem größeren Umfang hätten einen hohen Schaden verursacht, forderte die Staatsanwältin ein Jahr und sechs Monate Haft für die Ersttäterin, „die ungehemmt auf Kosten anderer gelebt hat“. Die Strafe könne zur Bewährung ausgesetzt werden. Verteidiger Thomas Franz meinte, „es könnte ja auch jemand anderes gewesen sein“. Dann müsste seine Mandantin freigesprochen werden. Der Strafrahmen sei vorgegeben, plädierte der Pflichtverteidiger für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als einem Jahr.

Richterin Sarah Neuschl urteilte auf ein Jahr zur Bewährung. Die 32-Jährige wird einem Bewährungshelfer unterstellt. Darüber hinaus muss sie 500 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die „ungute Lebenssituation mit der Mutter“ habe zu den Taten beigetragen. Dabei sei ein erheblicher Schaden entstanden. Ein anonymer Hacker scheide aus.

Freier Autor Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.

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